Was ist ein atopisches Ekzem?
Das atopische Ekzem hat viele Namen, die die gleiche Hautkrankheit bezeichnen:
* Endogenes Ekzem
* Atopische Dermatitis
* Neurodermitis
Die Bezeichnung „Atopie“ ist aus dem Griechischen und bedeutet „fremd“. Der
Name weist auf eine wichtige Ursache der Erkrankung hin. Bei einer Atopie liegt eine angeborene Veranlagung zur Entwicklung von Überempfindlichkeitsreaktionen (Allergien) von Haut und Schleimhaut vor. Das atopische Ekzem ist also eine entzündliche und chronische Hauterkrankung, die typischerweise mit starker Trockenheit der Haut und ausgeprägtem Juckreiz einhergeht. Die meisten Patienten entwickeln bereits in der Kindheit erstmals Hautveränderungen. Das Krankheitsbild ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Das atopische Ekzem ist bei 2/3 der Erkrankten erblich bedingt und gehört mit etwa 3-4% zu den häufigsten Kinderkrankheiten. Jungen und Mädchen sind gleichermaßen betroffen. Ausnahmsweise ist eine Erkrankung noch in der Pubertät bzw. im Erwachsenenalter möglich. Ca. 70% der Betroffenen erkranken bereits im ersten Lebensjahr.
Die Ursachen der Erkrankung sind vielfältig. Den wesentlichen Punkt stellt die durch die Eltern vererbte Veranlagung dar. Nicht die Hautkrankheit selbst, sondern ihre Veranlagung wird vererbt. Das Auftreten und die Ausprägung wird durch verschiedene Faktoren (Auslöser) wie Allergien, unspezifische Reize (Seife, Desinfektionsmittel, Reinigungsmittel, Waschmittel, Kosmetika), Infekte (Grippe, Entzündung), psychische Belastung (beruflich oder familiär) und körperliche Anstrengung bestimmt. Die Rolle von Allergien wird allerdings unterschiedlich beurteilt, die Mehrzahl der Patienten mit atopischem Ekzem besitzt Allergien (sog. Sensibilisierungen). Der genaue Mechanismus der Erkrankung ist letztendlich noch nicht geklärt, der „multifaktorielle“ Einfluss ist für jeden Patienten unterschiedlich.
Übertriebene Hautreinigung, Klimaschwankungen, aber auch das Halten von Haustieren
können Auslöser sein.
Wie sieht das atopische Ekzem (Neurodermitis) aus?
Erste (mögliche) Hautveränderung im Rahmen dieser Erkrankung ist der sog. „Milchschorf“. Er tritt meist am behaarten Kopf des Säuglings auf und verursacht bereits starken Juckreiz. Bei Erwachsenen zeigen sich die Ekzeme meistens in den großen Gelenkbeugen (Ellenbeugen und Kniekehlen), aber auch im Gesicht, Brust- und Schulterbereich sowie an den Händen. Die Erkrankung verläuft nicht kontinuierlich, sondern in Schüben. In den Wintermonaten sind die Beschwerden häufig stärker ausgeprägt. Das atopische Ekzem ist eine entzündliche Reaktion der Haut, die im akuten Stadium einhergeht mit Rötung, Schwellung, Bläschen, Nässen, Krusten- und Schuppenbildung. Bei längerem Bestehen der Erkrankung, im chronischen Stadium, zeigen sich Rötung, Verdickung der Haut, Schuppung und eine Vergröberung der Hautfältelung. Heftiger Juckreiz und Kratzattacken, vor allem bei Kindern, führen oft zu großer Unruhe.
Wie wird die Diagnose atopisches Ekzem (Neurodermitis) gestellt?
Oft kommt der Hautarzt bereits durch genaues Ansehen der häufig betroffenen Stellen zu einer Diagnose. In der Familie finden sich oft weitere Patienten mit Allergien und Ekzemen. Eine Blutentnahme kann Informationen über entzündliche Ursachen und typischerweise beim atopischen Ekzem erhöhte Werte (IgE, Eosinophile, ECP) geben. Allergietests werden durchgeführt, um weitere Auslöser festzustellen.
Wie wird das atopische Ekzem (Neurodermitis) behandelt?
Die wesentliche Ursache des atopischen Ekzems, die Veranlagung zur Entwicklung von Überempfindlichkeitsreaktionen, ist angeboren und besteht ein Leben lang. Eine absolute „Heilung“ ist also nicht möglich. Klinische Erscheinungsfreiheit oder eine wesentliche Besserung der bestehenden Symptome können aber erreicht werden.
Die Behandlung von Entzündungen im Körper, z.B. Nasennebenhöhlen, Zähne, Magen usw. führt häufig zu einer Besserung der Beschwerden. Das Vermeiden der Auslöser (Allergene, unspezifische Reize wie Seife, Desinfektionsmittel, Stress etc.) und eine effiziente Therapie können ebenfalls die Ausprägung der Hauterkrankungen günstig beeinflussen.
Bei akuten Schüben ist für den Patienten die Milderung des Juckreizes und die Behandlung der Entzündungen vorrangig.
Vorbeugemaßnahmen bei bekannter atopischer Erbanlage
StillenSäuglinge aus Atopiker-Familien sollten mindestens ein halbes Jahr gestillt werden; diese Maßnahme verzögert das Auftreten des atopischen Ekzems. Den Müttern selbst ist anzuraten, während der Stillzeit nicht zu rauchen, auf Alkohol und Medikamente zu verzichten. Die Zusatznahrung sollte nicht vor dem 4. – 5. Monat gegeben werden. Zunächst werden Kartoffeln, Karotten, Bananen und später Obst und Gemüse empfohlen. Das Abstillen sollte frühestens nach dem 6. Monat erfolgen. Eier, Fisch, Zitrusfrüchte wird man erst nach Vollendung des 1. Lebensjahres geben.
Ernährung von Säuglingen und KleinkindernMilchfreie, allergenarme Säuglingsnahrung ist die beste Vorsorge, um ein erblich belastetes Kind vor dem Ausbruch der Neurodermitis zu bewahren. Von vielen Ärzten wird geraten, grundsätzlich auf Kuhmilch zu verzichten und nur allergenarme Säuglingsnahrung zu verfüttern. Als Milchersatz wird in den letzten Jahren vielfach eiweißhaltige Soja-Milch eingesetzt, etwa Multival plus, Lactopriv Töpfer, Humana SL usw.
Allerdings kann einseitige Sojaernährung bei Säuglingen und Kleinkindern zu Mangelerscheinungen führen. Beobachtet wurden schon Kropfbildung infolge Jodmangels, Knochenentkalkung, Rachitis, ferner Eisen-, Vitamin- und Eiweißmangel sowie Allergien gegen Soja. Daher ist auch in diesem Falle entsprechende Überwachung und eventuell Gabe von Jod, Eisen und Vitaminen geboten.
Vorbeugemaßnahmen bei bekannter atopischer Erbanlage
* Säuglinge mindestens 6 Monate lang stillen
* Abschaffen aller Pelz- und Haustiere
* Zu Hause nicht rauchen
* Staubfänger aus den Wohn- und Schlafräumen entfernen
* Schlafzimmer kühl und sauber, kein Teppichboden, glatte, feucht aufwischbare
Flächen
* Keine Plüschtiere zum Spielen
* Räume von Schimmel sanieren
* Keine Wollwäsche
* Gesundes Bettmaterial durch Entfernen von Bettfedern
* Häufiges Lüften und Reinigen der Matratzen
* Ruhige, ausgeglichene Lebensweise
* Konsequente Erziehung der Kinder, nicht jedem Wunsch nachgeben
Allgemeine Regeln der Lebensführung bei atopischem EkzemHauttrockenheitDie Hauttrockenheit ist jahreszeitlich verstärkt, beispielsweise im Winter; die in den Wohnungen aufgeheizte an sich schon trockene Winterluft – kalte Luft kann weniger Wasser aufnehmen als warme – führt zu einer zusätzlichen Austrocknung der Haut. Die trockene Haut ist unspezifisch reizbar und neigt zur Entzündung. Es empfiehlt sich also, die Wohnraumtemperatur abzusenken, den Feuchtigkeitsgehalt der Luft zu erhöhen (Feuchtigkeitsspender an die Heizkörper). Das sogenannte Alkalineutralisationsvermögen der Haut ist vermindert; es besteht damit eine Empfindlichkeit der Haut nicht nur gegen Seifen, sondern ganz allgemein gegen Wasch- und Spülmittel.
SchwitzenDie Schweißbildung der Patienten mit Neurodermitis ist vermindert; Ausnahmen bilden die großen Gelenkbeugen. Die Patienten sind nicht in der Lage, sich bei Überhitzung durch kräftiges Schwitzen abzukühlen. Wärmestau wiederum kann zu Juckreizkrisen führen. Manche Patienten vertragen Schwitzen durch körperliche Anstrengung gut, Stressschwitzen hingegen nicht. Stressschwitzen führt sofort zu Juckreiz.
Sonne und UVSonne und UV werden im Allgemeinen gut vertragen; Besserung der Hautsymptomatik unter UV oder Sonnenlicht. Bei einem kleinen Teil der Patienten kann eine UV-Empfindlichkeit vorliegen;
KontaktallergienPatienten mit Neurodermitis neigen überdurchschnittlich häufig zu Kontaktallergien, insbesondere gegen Salben- oder Creme-Inhaltsstoffe. Auch Nickel, metallene Schmuck- und Gebrauchsartikel sind strikt zu meiden, auch wenn noch keine Unverträglichkeit vorliegt (modischer Ohrschmuck, Uhrenbänder, Halsketten, Haarspangen u.a.). Hier ist auch auf die Aufsichtspflicht der Eltern zu verweisen.
BerufswahlDie richtige Berufswahl ist eine zwingende Notwendigkeit. Es besteht die Gefahr der Kontaktsensibilisierung und damit einer Berufskrankheit. Darüber hinaus besteht die Gefahr der Entwicklung eines allergischen Asthmas durch Einatmen von Stäuben und Dämpfen. Ungeeignete Berufe sind solche, bei denen intensiver Kontakt mit Wasser, Waschmitteln, Ölen, Fetten, Bohrwasser, Desinfektionsmitteln, Klebstoffen, Leder, chemischen Produkten, aber auch mit Tieren, Mehl und Stäuben dauerhaft nicht zu vermeiden ist. Empfehlenswert sind Berufe an trockenen Arbeitsplätzen in sauberer Luft. Am günstigsten ist Bürotätigkeit.
Berufe, die für Patienten mit Neurodermitis zu meiden sind | Friseurin
|  | Krankenschwester, Krankenpfleger
|  | Fotograf
|  | Maler
|  | Fräser
|  | handwerkliche Berufe in der Metall- und Autoindustrie
|  | Schreiner
|  | Maurerberufe
|  | Zimmermann
|  | Arbeiten unter Tage (Bergmann)
|  | Beschäftigung in der Ledergerberei und Lederverarbeitung
|  | handwerkliche Berufe in der chemischen Industrie
|  | Bäcker, Konditor – Gefahr des Bäckerasthmas
|  | Landwirt, Geflügelzüchter, Tierarzt
|  | medizinisch-technischer Assistent
|  | alle Berufe mit ständiger Feuchtarbeit (Raumpflegerin/Fensterputzer u.a.) |
Kleidung
Die Kleidung sollte hautfreundlich sein. Tierwolle wird nicht vertragen! Am besten bewährt haben sich Leinen und weiche, locker gewebte Baumwollerzeugnisse ohne Futter aus reinen Kunstfasern oder Wolle; meist wird Mischgewebe aus Baumwolle und Kunstfasern, jedoch ohne Wollzusatz, gut vertragen. Pelze sollten ebenfalls nicht getragen werden. Unebene, raue Stoffe aus grobgewebten Fasern sowie harte, gestärkte Kragen wirken bereits durch den Scheuereffekt störend. Auch die Eltern atopischer Kinder sollten auf Tierwollbekleidungen verzichten: Über den Hautkontakt kommt es zur juckenden Symptomatik beim Kind.
Materialien aus reiner atmungsinaktiver Kunstfaser rufen in der Mehrzahl zwar keine Allergie hervor, begünstigen aber zuweilen wegen ihrer Schweißundurchlässigkeit Hautreizungen durch angestaute Feuchtigkeit, insbesondere in der warmen Jahreszeit.
Haustiere
Aus allergologischer Sicht strikt abzulehnen. Möglichkeit allergischer Reaktionen der Haut durch direkten Kontakt mit dem Tier. Noch nachteiliger sind Allergien der Atemorgane durch Einatmen von Fellstaub und Hautschuppen, besonders schädlich sind erfahrungsgemäß Katzen, Hamster, Meerschweinchen und Kaninchen. Auch die Mitbewohner müssen ihre Kleidung von Tierepithelien reinigen (z.B. Hobbyreiter sollten vor Betreten der gemeinsamen Wohnung Kleider wechseln und abduschen). Ebenso keine Felle in der Wohnung. Besuche anderer Wohnungen mit Haustieren sollten bei hohem Sensibilisierungsgrad vermieden werden.
Pollensensibilisierung (Allergie gegen Pollen)
Pollensensibilisierte Patienten (auch bei hohem Sensibilisierungsgrad) mit Neurodermitis leiden erstaunlicherweise nicht immer unter allergischen Symptomen der Schleimhäute der oberen Luftwege. Statt dessen kommt es zu einer Verschlechterung der Hautsymptome während der Pollenzeit, häufig auch an freigetragenen Hautarealen. Hier sollte die Pollenkontaktzeit und –fläche möglichst reduziert werden. Fenster schließen, nicht bei offenem Fenster schlafen, eincremen vor Außenkontakt. Bei starkem Pollenflug (schönes trockenes Wetter) sollte der Allergiker vor der Nachtruhe die Pollen von Körper und Haaren kurz abduschen.
Rauchen
Das Rauchen ist für Patienten mit atopischem Ekzem grundsätzlich zu vermeiden. Bei jedem Patienten mit atopischem Ekzem besteht leider unterschwellig die Gefahr des Ausbruchs von Asthma.
Hautreinigung
Die richtige Hautreinigung ist von großer Bedeutung.
Prinzip: Durch Hautreinigung möglichst geringe Entfettung der Haut. Nicht geeignet sind gewöhnliche, handelsüblich parfümierte Seifen und Syndets. Insbesondere Tenside in flüssiger Form sind zu vermeiden, da meist übermäßiger und damit überflüssiger Gebrauch. Langes schaumiges Abseifen ist schädlich; Folge: massive Entfettung der ohnehin schon stark trockenen Haut.
Besser: Reinigung der Intimbereiche und des Gesichts mit einer festen Seife (z.B. Xyndet-Waschstücke, Nivea-Babyseife) oder einem Syndet (z.B. Oleatum, Seba med); Körper mit Linola-Fett-Ölbad oder Balneum Hermal Ölbad benetzen, kurzes abduschen (nicht zu lange und insbes. nicht zu warm duschen). Neuerdings ist eine Öl/Tensid-Kombination erhältlich, die für den Patienten mit Neurodermitis eine interessante Alternative darstellt (pH5 Eucerin Handwaschöl, Eubos-Duschöl, Nivea-Duschöl). Zur Reinigung ist duschen besser als baden! Falls gebadet wird, Bäder wegen der Austrocknungsgefahr nicht zu lange und nicht zu heiß durchführen. Ölhaltige Zusätze sind zu empfehlen, Schaumbäder zu unterlassen.
Bei sehr trockener Haut nach dem Abtrocknen auftragen einer Emulsion oder Creme, z.B. Ungt. emulsif. aquosum, Laceran Speziallotion u.a.
Juckreiz
Bäder mit z.B. Balneum Hermal Plus, ebenso solche mit Teerzusätzen, z.B. Balnazit flüssig, Teer-Kleie-Bad Töpfer, Kinderbad mit Teer-Töpfer, Sebopona flüssig mit Teer, Balneum Hermal mit Teer, Polytar Emolliens Teerbad. Starke Juckreizkrisen können mitunter mit Kaliumpermanganat-Bädern abgefangen werden (Lösung hellrosa). Das Kaliumpermanganat muss vor Kinderhand geschützt und aufbewahrt werden, da toxische Wirkung. Oft helfen auch Umschläge mit kaltem schwarzem Tee über einer fetthaltigen Creme oder Salbe und Kühlung.
Ernährung
Die Ernährung spielt beim atopischen Ekzem lediglich im Säuglingsalter eine größere Rolle. Kinder ab dem 2. Lebensjahr und Erwachsene sollten Nahrungsmittel, die sie nicht vertragen, vermeiden. Prinzipiell kann die Ansicht vertreten werden, dass es eine allgemeingültige spezielle Diät für den Patienten mit atopischem Ekzem nicht gibt. Wichtig ist neben den Allergietests die Selbsterfahrung!
Einzuschränken sind: Alkoholische Getränke, Bohnenkaffee, stark kohlensäurehaltige Mineralwasser, Coca-Cola, scharfe Gewürze, Senf, Zitrusfrüchte, sehr säurehaltige Früchte.
Empfehlenswert: Schlacken-, vitamin- und eiweißreiche Ernährung, kohlensäurearme stille Mineralwasser, Gemüse, Presssäfte, Vollkonbrot, Knäckebrot, Haferflocken, reichlich schongedünstetes, mit frischen und getrockneten Kräutern gewürztes Gemüse, Salate, Sauerkraut, Gurken, gelbe Rüben, viel Obst, Joghurt, Sauermilch, Magermilchprodukte, pflanzliche Öle, nur mäßig Butter, weichgekochte Eier, mageres Fleisch und Geflügel, möglichst Bienenhonig an Stelle von Zucker.
Beruhigende Tees (Fenchel, Pfefferminze, Baldrianaufgüsse) sind gesünder als anregende Getränke (Coca Cola, Kaffee, Alkohol).
Gelegentlich hat eine kochsalzarme Ernährung, eventuell unter Zusatz von Diätsalz, eine gewisse Wirkung.
Allgemein abhärtende Maßnahmen
Kneippsche Anwendungen können zur Abhärtung des Körpers und zur Kräftigung des Kreislaufes versucht werden. Zu empfehlen sind zunächst ansteigende Bäder, beginnend mit 33-34°, langsam steigern auf 39-40°, Dauer 12–15 Minuten. Alsbald Übergang auf Wechselbäder, 5 Minuten warm bei 38°, 10-15 Sekunden kalt bei 16-22°; zweimaliger Wechsel über 6-10 Sek. oder kalte Güsse von 10-12° etwa 20 Sek. lang. Trockene Haut nach jeder Wasseranwendung sofort eincremen.
Sauna
Sauna kann versucht werden, allerdings wird sie nicht immer gut vertragen. Beginn mit 6 Min. Dazwischenschalten von Frischluft, kaltem Schlauchguss und warmen Fußbad, dann allmähliches Steigern.
Klimawechsel
Der Klimawechsel ist die wirksamste und unschädlichste Maßnahme zur Linderung der Krankheitserscheinungen. Der Urlaub ist entsprechend zu planen. Falls Schübe der Neurodermitis im Frühjahr und Herbst auftreten, den Klimawechsel möglichst in diese Zeiten legen. Klimatherapie mindestens über 4 Wochen durchführen, besser länger. Am günstigsten ist ein Klimawechsel ins Reizgebiet der Nordsee, z.B. Inseln wie Borkum, Norderney oder Sylt oder Hochgebirge über 1500 m. Es ist nicht sicher vorauszusagen, welcher Klimawechsel für den einzelnen Patienten günstiger ist. Bei manchen ist es die See, für andere das Hochgebirge.
Klimatherapie
In schweren Fällen von Neurodermitis wird eine Klimatherapie von den Krankenkassen genehmigt. Wohnwechsel oder Verschickung in ein Internat bzw. ein Schülerheim ist bei schwerer Verlaufsform der Erkrankung empfehlenswert.
Therapie: Äußerlich
Die äußerliche Behandlung muss dem jeweiligen Zustand der Haut angepasst werden, da ein akutes, entzündliches Ekzem anders behandelt werden muss als ein lange bestehendes, chronisches Ekzem.
Falls der Patient das Gefühl hat, eine Creme oder Salbe nicht zu vertragen, sollte er sie, auch wenn verschrieben, weglassen. Im Allgemeinen sind in erster Linie wasserhaltige (hydrophile) Emulsionen, Cremes und Salben einzusetzen. Wasserabweisende (hydrophobe) Salben werden oft weniger gut toleriert. Einige Patienten fühlen sich jedoch unter hydrophoben Salben wohl. Andere sind ausgesprochen fettempfindlich! Haut nicht einschmieren, sondern eincremen oder einsalben.
Nässende Hautveränderungen: Prinzip feucht auf feucht; Umschläge (z.B. Chinosollösung)
Nässende krustöse Hautveränderungen (Impetigenisation): Prinzip fett-feuchte Salbe (z.B. Fucidine) unter feuchten Umschlägen (Chinosol, NaCI-Umschläge, Schwarzteeumschläge)
Trockene, schuppende Hautveränderungen: fetthaltige Salbengrundlagen (z.B. borretschsamenölhaltige Externa, rückfettende Ölbäder, bei Milchschorf: max. Acid. Salicyl 1% in Oleum olivarum.
Wirkstoffe in Emulsionen, Cremes und Salben:
Harnstoff (Urea): Es wirkt hydratisierend, d.h. es hält die Feuchtigkeit in der Haut
Zinkoxid: Es wirkt kühlend (besonders in stark wasserhaltigen Lotionen oder Emulsionen und juckreizlindernd)
Kortison, z.B. Hydrokortison, Mometason : Antientzündliche Wirkung. Kortison nimmt in der äußerlichen Behandlung einen hohen Stellenwert ein. Die Grenzen und Gefahren der Kortisontherapie werden vom behandelnden Arzt erläutert.
Tacrolimus, Pimecrolimus: Antientzündliche Wirkung als Alternative zu Kortison. Auf Lichtschutzmaßnahmen sollte geachtet werden.
Teerpräparate, z.B. Steinkohlenteere oder Schieferteere: Sie wirken juckreizstillend und antientzündlich.
UV-Lichttherapie
Die Bestrahlung der erkrankten Haut mit UV-A-Licht ist sinnvoll, insbesondere hat sich neuerdings die UV-A1-Kaltlichttherapie bewährt. Wichtig ist, dass nach der Strahlenbehandlung regelmäßig die Haut eingecremt wird.
Sport
Sport, selbst Hochleistungssport, kann durchgeführt werden. Allerdings müssen sich die Übungen der Belastungsfähigkeit des Körpers anpassen. Stärkerer Wärmestau kann zu unangenehmen Schwitzen und wiederum zu Juckreiz führen. Nach sprtlicher Anstrengung ist abzuduschen.
Baden
Günstig ist das Baden in kühlem, salzhaltigem Meerwasser. Im akuten Schub bei entzündeter Haut wird salzhaltiges Wasser nicht vertragen: Brennen. Nach dem Meerwasserbad abduschen und eincremen. Vom Schwimmen in Wasser mit Chlorzusatz ist abzuraten. Schulbad nach Möglichkeit nicht durchführen (Gefahr der Infektion mit Dellwarzen).
Therapie innerlich:
Kortison:
Im akuten Schub können Kortisone in Tablettenform notwendig sein. Einige Patienten mit schwerstem atopischem Ekzem benötigen unter Umständen eine Dauertherapie mit Kortisonpräparaten über mehrere Monate.
Antihistaminika:
Antihistaminika sind Medikamente, die allergische Reaktionen abschwächen oder mindern sowie juckreizstillend sind.
Behandlung des akuten Schubs:
Extern Glukokortikosteroide, aber nicht im Gesicht (z.B. Triamgalen, Ecural)
kleine Flächen/Gesicht: z.B. Protopic, jeweils ausschleichende Therapie mit Übergang auf hautpflegende Maßnahmen.
Intern ggf. Glukokortikosteroide, initial z.B. 50 mg Decortin pro Tag, rasch ausschleichend, ggf. zusätzliche systemische Antibiotika (Impetigenisation).
1. Ciclosporin A (Achtung: Blutdruckkontrolle, Nierenwerte), keine Kombination mit UV-Therapie! Maximale Behandlungsdauer 1 Jahr.
2. Extrakorporale Photophorese: Falls dieses Verfahren für Sie infrage kommt, wird Ihr Arzt es ausführlich mit Ihnen erörtern.
Hyposensibilisierung (Allergieimpfung)
Eine Hyposensibilisierung ist angezeigt, wenn eine erhebliche allergische Symptomatik der Schleimhäute der oberen Luftwege (Heuschnupfen, allergisches Asthma) nachweisbar ist. Die Hautveränderungen bessern sich unter der Hyposensibilisierung im Allgemeinen nicht.

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