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Akne-Akne vulgaris 

Rosazea – Was ist das?

Akne inversa - Hidradenitis suppurativa

 


 

Akne-Akne vulgaris

 

 

Akne - Was ist das?

 

Akne wird zu den Erkrankungen der Talgdrüsen gezählt und ist im Grunde eine Volkskrankheit, auch wenn sich die Veränderungen in unterschiedlicher Weise bei jedem Menschen darstellen.

 

 

Entstehung der Akne

 

Akne hat nicht nur eine Ursache - es gibt mehrere Faktoren, die für die Entstehung der Akne verantwortlich sind. Es gibt kein bestimmtes Kriterium, dessen Vorhandensein oder Fehlen den Aknepatienten auszeichnet. Akne kommt praktisch bei fast allen Jugendlichen vor, wenn auch die Schwere der Erkrankung stark variiert.

Die folgenden Faktoren sind es, die eine entscheidende Rolle in der Entstehung der Akne spielen:

 

 

Talg

 

"Der Talg ist Öl für die Akneflamme".

Talgspiegel, wie sie beim Erwachsenen vorkommen, sind für die Entstehung dieser Krankheit eine absolute Voraussetzung. Maßnahmen, die die Talgproduktion reduzieren - z.B. Östrogene, Antiandrogene - mildern unweigerlich den Krankheitsverlauf. Kein anderer Faktor korreliert so eindeutig mit dem Schweregrad der Akne. Schwere Akne ist immer mit starker Talgproduktion (Seborrhoe) verbunden. Umgekehrt hat bei niedriger Talgproduktion die Krankheit einen entsprechend leichten Verlauf. Auch die Zusammensetzung des Talgs spielt eine große Rolle, wie medizinische Untersuchungen gezeigt haben. Offensichtlich fehlen im Talg der Aknepatienten ungesättigte Fettsäuren. Allerdings ist keine wesentliche Besserung der Akne festzustellen, wenn der Patient diese ungesättigten Fettsäuren zu sich nimmt.

 

 

Hormone

 

Hormone, speziell Androgene (Testosteron, Dihydrotestosteron) stimulieren - auch bei der Frau - die Talgdrüsen zur Produktion von mehr Talg. Dies stellt natürlich keine hormonelle Störung dar, sondern ist völlig normal. Ohne Androgene bleiben die Talgdrüsen klein (s. Eunuchen). Nach einer Behandlung mit Testosteron oder Anabolika kann durchaus aus den oben genannten Gründen eine Akne ausbrechen, ebenso wie nach Absetzen eines Ovulationshemmers (der Pille).

 

 

Bakterien

 

Diese - vor allem Propionibakterium acnes - spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Akne. Die Propionibakterien bilden reichlich Lipasen, die den Talg in freie Fettsäuren spalten. Freie Fettsäuren und Lipasen sind beide stark entzündungsfördernd, weil sie wie Fremdkörper wirken und die Follikelwand schädigen. Entzündungszellen (Leukozyten) werden angelockt, Talg, freie Fettsäuren, Bakterien und Haarreste gelangen ins Gewebe. Man muss sich vorstellen, die Talgdrüse platzt regelrecht ins Gewebe  - und löst dort natürlich massive Entzündungen aus. So entsteht die entzündliche Akne-Effloreszenz (Papel + Pustel).

 

 

Vererbung

 

Sie spielt eine wichtige Rolle für die Ausprägung der Talgdrüsengröße und -aktivität. Haben Eltern Akne, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Kinder auch Akne bekommen werden. Bei eineiigen Zwillingen wird die Vererbungstheorie eindrucksvoll bestätigt.

 

 

Follikuläre Reaktionsbereitschaft

 

Dies ist wohl der entscheidende Faktor bei der Akneentstehung. Aknekranke haben eine Verhornungsstörung im unteren Teil des Haarfollikelkanals (Infrainfundibulum). Die Hornzellen, die sich dort - wie an der Hautoberfläche - normalerweise regelmäßig und kontrolliert abschilfern, haften fest zu Konglomeraten zusammen und bilden eine kompakte, ständig größer werdende Masse: den Hornzellpfropf. Durch die zusätzliche Hornzellenproduktion entsteht ein Komedo (Mitesser) als Ausgangspunkt der entzündlichen Akne-Effloreszenz: der sogenannte Microkomedo.

 

 

Entwicklungsmöglichkeiten :

 

a) Geschlossener Komedo (whitehead)

Die Öffnung des Follikels auf die Hautoberfläche bleibt mikroskopisch klein. Der ständig wachsende Komedo bläht den Follikel auf, bis er regelrecht "platzt". Papeln (das, was normalerweise unter einem "Pickel" verstanden wird) und Pusteln entstehen, die "Akne-Katastrophe" ist da.

 

b) Offener Komedo (blackhead)

Die Talgdrüsenöffnung weitet sich. Der oft mit Hautfarbstoff (Melanin) beladene Komedo kann mit Hilfe eines Peelings (Abrasivums) oder durch fachmännisches Herausdrücken durch die Kosmetikerin entfernt werden. Es kommt nicht zu entzündlichen Akneveränderungen.

 

 

Lokalisation der Akne

 

Die Akne befällt hauptsächlich Körperregionen mit großen oder vielen Talgdrüsen, also vor allem Gesicht und Rücken. Die Talgdrüsenfollikel mit dünnem Haar und ihren weiten Volumen sind ideal geeignet für eine Akne-Entstehung. Bei dem viel kleineren Vellushaarfollikel (Flaumhaar) und dem viel größeren Terminalhaarfollikel (z.B. Barthaar) kommt es nie zur Ausbildung einer Akne, da der Talg fehlt. In den großlappigen Talgdrüsenfollikeln ist genügend Platz für die Ausbildung eines Komedos, der aus überschüssigem Hornmaterial, Talg und Bakterien besteht. Die sichtbaren Veränderungen (Effloreszenzen) sind meist Papeln (Knötchen) und Pusteln (Eiterbläschen).

 

 

Einteilung der Krankheitsbilder

 

Eine international anerkannte Klassifikation der Akne gibt es nicht, und somit ist der Vergleich von Angaben verschiedener Autoren über Häufigkeit, Schweregrad und therapeutische Ergebnisse fast unmöglich. Von verschiedenen Autoren wird eine Einteilung anhand der hauptsächlich auftretenden Hautveränderungen vorgeschlagen. Bei der Komedonen-Akne herrschen offene und geschlossene Komedonen vor. Es können auch entzündliche Läsionen vorhanden sein, jedoch sind definitionsgemäß nicht mehr als fünf pro Gesichtshälfte zulässig. Der Schweregrad der Komedonen-Akne ist dann an der Zahl der Komedonen pro Gesichtshälfte abzulesen.

 

 

Tab. 1.: Klinische Klassifikation der Akne (nach Plewig)

 

 

Die Mehrzahl der Patienten mit Komedonen-Akne leidet an Schweregrad I bis II, zeigt also ein recht mildes Erscheinungsbild.

Die papulopustulöse Form der Akne ist etwa ab einem Alter von 15 Jahren die verbreitetste Form der Akne. Im klinischen Erscheinungsbild zeigt sie eine Mischung aus Komedonen und entzündlichen Läsionen. Die Zuordnung zur papulopustulösen Form der Akne erfolgt immer, wenn entzündliche Veränderungen vorherrschen, unabhängig von der Zahl der Komedonen.

Auch hier wird in Schweregraden nach Zahl der Effloreszenzen pro Gesichtshälfte eingeteilt.

Regelmäßig kann beobachtet werden, dass höhere Schweregrade einer Akne papulopustulosa mit einer geringeren Anzahl von Komedonen assoziiert sind.

 

 

Sonderformen

 

Kosmetika-Akne

 

Von anderen Formen der echten Akne verdient die Kosmetika-Akne besondere Bedeutung. Ungefähr 25% aller weiblichen Erwachsenen leiden unter einer persistierenden, leichten Form der Akne. Dieser oft durch Anwendung von Kosmetika hervorgerufenen Erkrankung wird häufig durch noch stärkere Anwendung von Kosmetika begegnet, womit der Teufelskreis geschlossen ist. Die Ursache sind komedogene Stoffe in den Kosmetika.

 

Akne conglobata

 

Diese schwerste und entstellendste Form der Akne befällt das Gesicht sowie den Rücken und ist durch das Vorhandensein tiefer Zysten, entstanden durch "Platzen" und Wiedereinkapselung von Komedonen und Knötchen charakterisiert. Es sind fast nur Männer betroffen.

 

 

 

Akne fulminans

 

Hier handelt es sich um eine stark entzündliche Form der Akne vulgaris mit Fieber und Gelenkbeschwerden.

 

 

Therapie der Akne vulgaris

 

Die früher ausschließlich auf Erfahrung beruhende Therapie der Akne vulgaris hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert, weil es gelang, wichtige Teilaspekte in der Entstehung der Erkrankung im Behandlungskonzept zu berücksichtigen.

Die heutige Therapie kann zwar immer noch nicht alle krankheitserregenden Aspekte der Akne beseitigen, jedoch setzt sie an den wichtigsten Faktoren der Entstehung an.

 

 

Die Aknebehandlung kann an mehreren Punkten ansetzen

Hemmung bzw. Verminderung der Talgproduktion
Antibakterielle Wirkung
Beseitigung der Mitesser - komedolytische Wirkung (Schälmittel)
Manuelle, medizinisch-kosmetische Aknebehandlung durch die Kosmetikerin

 

Die zeitgemäße Aknetherapie ruht auf mehreren Säulen:

Benzoylperoxid
Vitamin-A-Säure
Isotretinoin, ein Abkömmling der Vitamin-A-Säure, sowohl lokal wie auch oral
Antibiotika, sowohl lokal wie auch oral
Azelainsäure
Fruchtsäuren
Lokale Antiandrogene
Orale Antiandrogene (Antibabypille)

 

 

Benzoylperoxid

 

Die Wirkung von Benzoylperoxid ist eine dreifache:

antimikrobiell
komedolytisch
Talgproduktion wird gehemmt (sebosuppressiv)

An unerwünschten Effekten des Benzoylperoxids sind seine Reizwirkung (Rötung, eventuell Brennen und zu starkes Abschuppen) und Austrocknung anzuführen. Eine krebserregende Wirkung konnte ausgeschlossen werden. In seltenen Fällen kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Benzoylperoxid wird schon in der Haut zu Benzoesäure und Sauerstoff metabolisiert. Der freigewordene Sauerstoff hemmt rasch, innerhalb von wenigen Stunden, die Bakterienzahl in den Talgdrüseninfundibula. Dadurch wird die Lipolyse, d.h. die Spaltung des Talges in Glycerin und freie Fettsäuren unterbunden.

Da freie Fettsäuren komedogen und hautreizend wirken und zu Entzündungen des Follikels führen, kann die Lipolysehemmung durch Benzoylperoxid den Verlauf einer Akne günstig beeinflussen. Die klinische Wirksamkeit der Benzoylperoxid-Zubereitungen ist unbestritten, bei 80-90% der behandelten Patienten ist ein Therapieerfolg zu verzeichnen.

 

 

Vitamin-A-Säure (Tretinoin)

 

Für die Akne-Therapie relevant sind folgende Wirkungen der Retinoide:

Verhornungsstörungen werden beseitigt (antikeratisierende Wirkung)
Die Talgproduktion wird gehemmt (sebosuppressive Wirkung)
Geregelte Erneuerung der Haut (proliferationsanregende Wirkung an Epidermiszellen)

 

Die Vitamin-A-Säure normalisiert den gestörten Verhornungsprozess. Sie löst den Zusammenhalt verklebter Hornzellen und sorgt für ein Öffnen der Komedonen durch eine geregelte Steigerung der Proliferation in den Follikeln. Außerdem normalisiert sie krankhaft vergrößerte Talgdrüsen und wirkt antimikrobiell. Eigentlich das ideale Aknemittel, wenn nicht ein ganz entscheidender Nachteil vorliegen würde: Die Vitamin-A-Säure reizt extrem die Haut. Die Behandlung ist schwierig und erfordert Aufmerksamkeit und genaue Belehrung durch den Arzt sowie Verständnis und gewisse Kooperation vom Patienten. Der Patient muss über die zu erwartende Rötung, Juckreiz, Schuppung, Brennen und in vielen Fällen auch ein "Aufblühen" der Akne aufgeklärt werden. "Sonnenbrand aus der Tube" so wird eine Tretinoin-Behandlung oft genannt. Aus den genannten Gründen spielt die Tretinoin-Therapie im Vergleich zur Benzoylperoxid-Therapie in Europa nur eine untergeordnete Rolle.

 

Anders ist es mit den Abkömmlingen der Vitamin-A-Säure, besonders dem Isotretinoin. Es hat seinen Siegeszug als orales Medikament gerade bei schweren Formen der Akne bei Jugendlichen, hauptsächlich Männern, vor nunmehr 10 Jahren begonnen. Für diese Menschen ist dieses Medikament ein echtes "Wundermittel": Es beseitigt die starke Talgbildung ebenso wie Entzündungen. Bei Frauen muss vorsichtig therapiert werden, sie müssen in jedem Fall eine sichere Verhütungsmethode benutzen, um auf keinen Fall schwanger zu werden, denn dann ist mit Missbildungen zu rechnen.

Diese Vorsichtsmaßnahmen gelten nicht beim lokal angewandten Isotretinoin in Gelform.

 

 

Antibiotika

 

oral

Oral verabreichte Antibiotika (vor allem Tetracyclin) werden seit etwa 30 Jahren in der Akne-Therapie eingesetzt. Der guten Wirksamkeit steht aber die unerwünschte Belastung des Organismus mit all ihren negativen Nebenwirkungen entgegen (Magen-Darmbeschwerden, lichtsensibilisierende Eigenschaft etc.) Nichtsdestotrotz sind orale Antibiotika in vielen Fällen ein guter Einstieg in die Aknetherapie, um einen Erfolg schneller zu erreichen und so die Mitarbeit des Patienten zu verbessern.

 

lokal

Lokal applizierte Antibiotika fanden erst in den 70er Jahren in den USA Eingang in die Akne-Therapie. Es werden 3 Substanzen bzw. Substanzgruppen eingesetzt:

Erythromycin
Clindamycin
Tetracyclin

 

Die Effektivität der lokalen Antibiontikaanwendungen ist hoch und erreicht in einigen kontrollierten Studien die Effektivität der systemischen Antibiotikatherapie. Die Wirksamkeit der Antibiotika ist in erster Linie gegen Propionibacterium acnes gerichtet.

Bei lokaler Anwendung insbesondere auf infizierten (keimbesiedelten) Hautstellen weisen Wirkstoffe eine erhöhte Sensibilisierungsrate auf. Da aber Erythromycin und Clindamycin praktisch keine sensibilisierende Potenz aufweisen, bestehen gegen die lokale Anwendung dieser Antibiotika allergologischerseits keine Bedenken.

 

 

Azelainsäure

 

Die Azelainsäure kommt natürlicherweise im menschlichen Organismus vor und wird in der Regel, bis auf ein etwaiges anfängliches Brennen, gut vertragen. Allerdings braucht man hier Geduld: Die Anwendung muss mindestens über 4-6 Wochen erfolgen, bis sich ein Erfolg einstellt.

 

 

Fruchtsäure

 

In der letzten Zeit sind Fruchtsäuren in der Aknetherapie immer beliebter geworden. Es existieren verschiedene Fruchtsäuren, z.B. Milchsäure, Äpfelsäure, Zitronensäure. Die im medizinisch-kosmetischen Bereich am häufigsten verwendete Fruchtsäure ist die Glykolsäure, die aus Zuckerrohr gewonnen wird. Sie wird von den Patienten sowohl in der Heimbehandlung wie auch vom Arzt oder der Kosmetikerin als Peeling in einer stärkeren Konzentration verwendet. Die Fruchtsäure wirkt ähnlich wie die Vitamin-A-Säure, allerdings bei weitem nicht so effektiv. Dafür ist sie in der Regel auch nicht so stark hautreizend und wird auch gerne zur Behandlung von Aknenarben oder sogar Altersfalten eingesetzt.

 

 

Hormonbehandlung

 

lokal

In der Lokaltherapie wurden Östrogene zur Bremsung der Talgdrüsenaktivität angewendet. Versuche mit antiandrogenen Wirkstoffen werden in der letzten Zeit vermehrt durchgeführt, ihr Erfolg bleibt allerdings abzuwarten.

 

oral

Bei Frauen hat sich die zyklusgerechte Gabe von Antiandrogenen (Cyproteronacetat) in Kombination mit der Antibabypille (Diane) bewährt.

 

 

Manuelle Ausreinigung durch die Kosmetikerin

 

Wie bei aknegefährdeter und unreiner Haut sollte die tägliche Reinigung mit gut verträglichen, seifenfreien Tensiden erfolgen. Mitesser sind nach einem Gesichtsdampfbad oder heißen Kompressen vorsichtig zu entfernen. Ein Peeling sorgt durch mechanisches Abschleifen für ein Öffnen bzw. Offenhalten der Talgdrüsenausführungsgänge und glättet kleine Aknenarben. Bei der Kosmetikerin werden Komedonen, die eigentliche Ursache für spätere Entzündungen, nach vorherigem Aufweichen der Haut fachgerecht entfernt.

 

Isotretinoin (Roaccutan)

 

Bei schwerer Akne (Akne conglobata) lässt sich mit Isotretinoin eine dramatische Besserung des Krankheitsbildes erzielen. Allerdings ist strengste Indikationsstellung notwendig, da die sicheren (Teratogenität, d.h. Missbildung des Embryos bei Schwangerschaft, Lippenaustrocknung und -entzündung) und möglichen unerwünschten Nebenwirkungen sehr gravierend sind. Auch die lokale Anwendung dieser "Wundersubstanz" ist bei entsprechender Indikationsstellung sehr erfolgreich.

Allen Akne-Behandlungen ist folgendes gemein: Eine Langzeit-Therapie ist unumgänglich!

 

 

++ sehr stark ++ stark + mäßig (+)indirekt, schwach - keine Wirkung

Tab. 2: Medikamente, die der Arzt verordnet, wirken meist auf mehrere aknebegünstigende Faktoren

 

 

Ziel dieser langfristigen Therapie ist es

 

die Verhornungsstörung (Follikelkeratose) zu beseitigen und das weitere Entstehen von Komedonen zu verhindern.
Die Talgsekretion zu reduzieren und die Vermehrung der anaeroben Propionibakterien zu hemmen
Entzündliche Reaktionen einzudämmen und zu beseitigen
Weitere Narbenbildungen zu verhindern

 

Abschließend kann man sagen, dass mit den zur Verfügung stehenden Präparaten ein befriedigender Therapieerfolg bei Akne vulgaris in weitaus den meisten Fällen erreicht werden kann.

 

Die Entstehung der Akne begünstigende Parameter

 

Hormonelle Impulse (Testosteron)
Verhornungsstörung im Follikel (Infrainfundibula) (=Retentionshyperkeratose)
Erhöhte Talgproduktion
Propionibakterien
Immunologische und entzündliche Reaktionen
Erbliche Veranlagung

 

 


 

 

Rosazea – Was ist das?

 

Die Rosazea ist eine schubweise verlaufende chronische Hauterkrankung, deren Ursache letztlich nicht geklärt ist. Sie betrifft Frauen und Männer nahezu gleich häufig, beginnt zumeist im 4. und 5. Lebensjahrzehnt und befällt in erster Linie das Gesicht. Charakteristisch sind Rötung, Knötchen, Pusteln und oberflächlich erweiterte Äderchen (Teleangiektasien). Neben dem Gesicht können gelegentlich auch die Glatze oder gar Brust und Rücken betroffen sein.

Gefürchtet ist eine Augenbeteiligung mit Entzündung von Lidrand, Bindehaut, Hornhaut oder im schlimmsten Fall auch der Regenbogenhaut. Eine fast ausschließlich bei Männern vorkommende Komplikation ist die Talgdrüsenwucherung an der Nase, die zu einer Knollennase (Rhinophym) führt.

 

 

Allgemeines

 

Der Name der Rosazea leitet sich vom lateinischen rosaceus ab, dem Wort für rosenfarben. Es handelt sich um eine schubweise verlaufende, chronische Hauterkrankung, deren Ursachen letztlich noch ungeklärt sind. Prinzipiell handelt es sich um eine harmlose Erkrankung, die für die Betroffenen jedoch ein erhebliches kosmetisches Problem darstellen kann.

Besonders gefährdet sind Personen keltischen Typs, also sehr hellhäutige Personen mit roten Haaren und Sommersprossen, man spricht deshalb im anglo-amerikanischen Sprachraum auch vom Curse of the Celts, dem Fluch der Kelten .

Zumeist beginnt die Rosazea im 4. und 5. Lebensjahrzehnt, seltener tritt sie schon vor dem 30. Lebensjahr auf, Kinder sind nur in Ausnahmefällen betroffen.

 

 

Ursachen

 

Sehr wahrscheinlich ist eine Labilität des Gefäßnervensystems, die eine gestörte Regulation der Blutversorgung im Gesichtsbereich zur Folge hat. Auch eine Reaktion auf die Haarbalgmilbe Demodex Folliculorum wird als möglicher Faktor bei der Krankheitsentstehung diskutiert. Einige Befunde sprechen dafür, dass die Zusammensetzung des Talgs eine Rolle spielt.

Vermutet wird weiterhin ein Zusammenhang mit Magen-Darm-Störungen, Lebererkrankungen, ausgeprägter und langer Sonneneinstrahlung sowie Kaffee-, Tee- und Alkoholgenuss.

Wahrscheinlich gibt es außerdem eine genetische Disposition, also eine angeborene Krankheitsanfälligkeit.

Als Auslöser scheinen auch psychische Faktoren eine Rolle zu spielen. Stress- und Konfliktsituationen können den Ausbruch der Erkrankung begünstigen bzw. die Schwere des Verlaufs mitbestimmen. Daneben gibt es eine Reihe anderer auslösender Faktoren, in der Regel solche, die gefäßerweiternd oder hautreizend wirken, wie z.B. Sonne, Hitze oder Kälte, sehr heiße oder scharf gewürzte Speisen, Alkohol. Diese sind individuell sehr unterschiedlich und sollten im Einzelfall identifiziert werden.

 

 

Häufigkeit

 

Es sind ca. 0,5 - 2% der in deutschen Hautarztpraxen und Fachkliniken behandelten Patienten betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer.

 

 

Symptome

 

Die Erkrankung verläuft chronisch und in Phasen. Sie beginnt zunächst mit fleckigen Rötungen im Gesicht, besonders im Bereich des sog. Schmetterlingareals, das sich von der Nase aus seitlich auf die Wangen sowie nach oben und unten auf Stirn und Kinn ausdehnt. Begleitet wird die Rötung zumeist von einer feinen Schuppung und sog. Teleangiektasien. Unter Teleangiektasien versteht man kleine, dauerhaft erweiterte oberflächliche Blutgefäße.

Später folgen dann Schübe mit Pusteln, Papeln (Knötchen) und polsterartigen Schwellungen durch Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme). Im Gegensatz zur Akne fehlen bei der Rosazea die Komedonen (Mitesser). Treten dennoch Mitesser auf, kann es sich auch um eine Mischform beider Erkrankungen handeln, die Rosazea wird in diesem Fall häufig nicht erkannt.

Die Ausprägung der Erkrankung kann sehr unterschiedlich sein und reicht von leichten Rötungen im Wangenbereich bis zu ausgeprägter akneähnlicher Pustelbildung. Neben dem Gesicht ist nur die Glatze häufiger betroffen. Gelegentlich treten aber auch Pusteln am übrigen Körper auf, besonders an Brust und Rücken. Die Rosazea kann zügig fortschreiten, aber auch in jedem Stadium zum Stillstand kommen.

 

 

Diagnose

 

Die typischen Rötungen auf verdickter großporiger Haut reichen dem Arzt häufig aus, um die Diagnose zu stellen. Bei ausgeprägten oder unklaren Fällen kann es ratsam sein, eine Probebiopsie zu entnehmen und die Diagnose durch eine feingewebliche Bestimmung zu sichern.

Differentialdiagnostisch muss die Rosazea v.a. von der Akne, von Ekzemen und von der Mundrose (periorale Dermatitis) abgegrenzt werden. Im Weiteren können aber auch viele andere Erkrankungen, die Rötungen und Exantheme hervorrufen, das Bild einer Rosazea vortäuschen. Hierzu zählen u.a. Arzneimittelexanthem, Lichtschäden, Lupus, Infektionen oder auch Blut- bzw. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zu einer Rötung des Gesichts führen.

Schwierig ist die Diagnosefindung auch bei Mischerkrankungen. Das gleichzeitige Vorhandensein einer Akne mit den für Rosazea untypischen Mitessern führt oft dazu, dass die Rosazea verkannt wird. Auch kann sich z.B. ein allergisches Exanthem auf die Rosazea aufpfropfen, wenn die Therapie nicht vertragen wird.

 

 

Behandlungsmöglichkeiten

 

Die Behandlung der Rosazea entspricht in vielen Punkten der der Akne. Zu den Allgemeinmaßnahmen gehört in erster Linie die konsequente, intensive Hautreinigung, keine Verwendung von fettigen Salben und Cremes, das Meiden der Sonne bzw. Verwendung von Sonnenschutzmitteln auf Wasserbasis mit hohem Lichtschutzfaktor. Das Gesicht sollte möglichst kühl gehalten werden, d.h. heiße und scharfe Nahrungsmittel, heiße Räume, Bäder, Duschen sollten vermieden werden. Zusätzlich sollte jeder Patient versuchen, für ihn spezifische Auslöser zu identifizieren und zu umgehen.

Eine äußerliche Therapie muss ob der empfindlichen Haut der Rosazeapatienten immer sehr vorsichtig angegangen werden. Aggressive oder alkoholhaltige Salben und Waschzusätze sind unbedingt zu vermeiden.

Für die lokale Therapie haben sich antibiotikahaltige Salben mit Metronidazol oder Erythromycin bewährt. Auch der in der Aknebehandlung bewährte Wirkstoff Azalainsäure hat eine gute entzündungshemmende Wirkung und hilft gegen Knötchen, Pusteln und Rötung. Glukokortikoid-haltige Lokaltherapeutika führen langfristig zur Verschlechterung des Hautbefundes (Steroidrosazea) und sollten daher vermieden werden. 

Bei einer ausgeprägten Rosazea sowie bei Komplikationen, wie z.B. einer Augenbeteiligung, muss eine orale Antibiotikatherapie erfolgen. Üblicherweise werden 500 – 1500 mg Tetrazyklin für die Dauer von vier bis acht Wochen eingenommen. Diese haben neben ihrer antibiotischen auch eine antientzündliche Wirkung und sind deshalb besonders geeignet.

In besonders schwierigen Fällen kann die Gabe von Isoretinoin (Roaccutan) erwogen werden. Isoretinoin ist ein Vitamin-A-Säure-Abkömmling und ist sowohl bei Akne als auch bei Rosazea hoch wirksam. Im Gegensatz zu den anderen Präparaten sind die Therapieerfolge hier auch deutlich langfristiger. Dennoch nimmt Isoretinoin aufgrund von Risiken und Nebenwirkungen eine Sonderstellung ein und sollte deshalb als Reservepräparat betrachtet werden.

Zu den Nebenwirkungen des Isoretinoins, von denen alle Patienten mehr oder weniger betroffen sind, zählen Reizung und Trockenheit von Lippen und Augen und Schleimhäuten, Nasenbluten, Verdünnung der Haut, Schuppung, Juckreiz, Haarausfall, Muskel- und Gelenkschmerz. Die Blutwerte sollten überwacht werden, da es zur Erhöhung der Blutfett- und Leberwerte kommen kann. Auch von Depressionen und Magen-Darm-Problemen wird berichtet. Gefürchtet ist aber insbesondere die fruchtschädigende Wirkung. Frauen wird es deshalb nur ungern verschrieben bzw. eine parallele Einnahme von oralen Kontrazeptiva verlangt. Noch bis zu einem halben Jahr nach der Behandlung soll eine Schwangerschaft vermieden werden.

Nicht mit einer medikamentösen Therapie behandelbar sind permanente Rötungen und rote Äderchen (Teleangiektasien). Hier hilft eine Verödung mittels Diathermienadel oder, wie auch bei Altersflecken oder Tätowierungen, eine Laserbehandlung. Je nach der Größe der zu behandelnden Fläche sind evtl. mehrere Sitzungen nötig. Nach der Behandlung verbleiben zumeist Schwellungen und Reizungen, die aber in der Regel zügig abheilen. Viele Krankenkassen übernehmen allerdings die Kosten der Laserbehandlung nicht.

 

 

Komplikationen

 

Gefürchtet ist bei der Rosazea eine Mitbeteiligung des Auges. Diese betrifft etwa ein fünftel der Patienten und äußert sich durch trockene Augen, Bindehaut- und Lidrandentzündungen bis hin zur Hornhaut- und Regenbogenhautentzündung (Iritis). In seltenen Fällen kann dies sogar zur Erblindung führen.

Eine Komplikation, die fast ausschließlich beim Mann beobachtet wird, ist die Wucherung der Talgdrüsen, besonders an der Nase (Knollennase, med. Rhinophym). Gelegentlich wuchern auch die Talgdrüsen an Wangen, Kinn oder Ohrläppchen. Diese Talgdrüsenwucherungen treten zuweilen auch isoliert auf, d.h. ohne dass andere Symptome der Rosazea zu beobachten sind. Das Rhinophym muss chirurgisch bzw. mit einem CO2-Laser abgetragen werden.

In sehr seltenen Fällen kann sich auf einem Rhinophym ein Basaliom, eine spezielle Form des Hautkrebses, entwickeln.

 

 

Prophylaxe

 

Alle Faktoren, die eine bestehende Erkrankung verstärken bzw. Ausbrüche provozieren, sollten gemieden werden. Hierzu zählen insbesondere intensive Sonneneinstrahlung (Sunblocker!) und diverse andere Faktoren mit gefäßerweiternder Wirkung, wie Hitze, Alkohol, heiße oder scharfe Nahrungsmittel und Getränke. Generell sollte die Haut immer gründlich gereinigt werden und, soweit es geht, auf Cremes und Make-Up verzichtet werden.

Um Gefahren, die durch die häufige Augenbeteiligung drohen, einzudämmen, sollte eine regelmäßige Überwachung durch den Augenarzt stattfinden.

 

 

Prognose

 

Die Rosazea ist als chronische Erkrankung zu betrachten, sie verläuft in der Regel über mehrere Jahre mit zunehmender Symptomatik. Bei umfassender Therapie können aber recht günstige Verläufe mit nur geringer Symtomatik und seltenen Schüben erreicht werden.

 


Akne inversa - Hidradenitis suppurativa

 

 

 

Akne – Was ist das?

 

 

Darunter versteht man eine Entzündung in den Ausführungsgängen der Haarbälge der Talgdrüsen und dicke borstige Terminalhaare, die vorzugsweise in den Leisten und Achselhöhlen auftritt. In vielen Fällen findet sich eine Kombination mit einer floriden oder abgelaufenen Acne vulgaris (an Gesicht, Brust und Rücken) oder mit einer Steißbeinfistel (Pilonidalsinus). Die Deutung als schwere Form der Akne an untypischen Stellen führte zur Einführung der Bezeichnung Acne inversa. Zunächst bildet sich aufgrund einer Verhornungsstörung ein Mitesser, der nach bakterieller Superinfektion eine Ruptur des verschlossenen Ausführungsganges verursacht. Die Folge ist eine entzündliche Reaktion des Bindegewebes mit Ausbildung von Knoten, Fisteln und bindegewebiger Verhärtung. Der Begriff Hidradenitis suppurativa ist unzutreffend, da es sich primär nicht um eine Erkrankung der Schweißdrüsen handelt. Allerdings werden die Schweißdrüsen im Verlauf der Erkrankung in den Entzündungsprozess miteinbezogen. Es handelt sich nicht um Schweißdrüsenabszesse.

 

 

 

Komplikationen

 

 

Die Erkrankung ist weltweit verbreitet und betrifft beide Geschlechter. Die Erstmanifestation liegt häufig in der Pubertät und lässt an den Einfluss von Androgenen auf die Entstehung der Erkrankung denken. Die Bedeutung von Bakterien oder Störungen des Immunsystems ist unklar. Ob Übergewicht oder übermäßiger Nikotinkonsum mit der Entstehung der Erkrankung zu tun hat, kann ebenfalls nicht mit Sicherheit gesagt werden. Die Häufung der Erkrankung in Familien spricht für eine genetische Veranlagung.

 

Die Erkrankung kann nach längerem Verlauf bösartig entarten. So wurde über die Entwicklung von Plattenepithelkrebs auf dem Boden der Acne inversa berichtet. Todesfälle infolge Absiedlungen von Krebszellen kommen vor.

 

Die Erkrankung hat ein weites Spektrum hinsichtlich ihres Verlaufs. Bestenfalls kommt es zu einer solitären Knotenbildung, die sich unter Umständen spontan zurückbildet. Im schlimmsten Fall nimmt die Erkrankung einen chronischen Verlauf, wobei sich die Entzündung auch auf andere Regionen ausbreitet, so dass unbedingt eine rechtzeitige Behandlung erfolgen muss. Aus Unkenntnis können so viele Jahre bis zu einer ausreichenden Behandlung vergehen. Das bedeutet in schweren Fällen einen jahrelangen unnötigen Leidensweg. Die Betroffenen fühlen sich oftmals stark eingeschränkt und wegen Geruchsbelästigung – durch die bakterielle Superinfektion nicht gesellschaftsfähig.

 

 

 

 

Behandlungsmöglichkeiten

 

 

Konservative Maßnahmen wie Antibiotika, Glukokortikoide, Cyclosporin und Retinoide haben sich als alleinige Behandlung meist nicht als erfolgreich erwiesen. Auch Einschneiden oder Fistelspaltung bringen keinen dauerhaften Erfolg. Erforderlich ist die vollständige operative Entfernung des gesamten betroffenen Bereiches, möglichst im Frühstadium. Um die Hautveränderungen vollständig zu erfassen, werden diese zunächst getastet und mit Fettstift markiert. Auch eine Injektion des Farbstoffes Methylenblau während der Operation kann hilfreich sein. Die krankhaft veränderte Haut und das Unterhautfettgewebe werden weit im Gesunden, eventuell bis zur Muskelfaszie, entfernt. Der Eingriff erfolgt bei ausgedehnten Flächen in Allgemein- oder Regionalanästhesie. In mittelgradigen und leichteren Fällen hat sich die Tumeszenz oder subkutane Infusionsanästhesie, eine Form der örtlichen Anästhesie mit Hilfe von verdünnten adrenalinhaltigen Lösungen verschiedener Lokalanästhetika, bewährt. Der Defektverschluss kann durch Sekundärheilung, Meshgraft-Transplantat oder auch Dehnungs- oder Lappenplastik erfolgen. Die Wundheilung dauert je nach Befund bis zu acht Wochen, selten länger. In aller Regel sind die funktionellen und kosmetischen Ergebnisse gut. Bei ausgedehnten Eingriffen sind Rezidive nur in nichtbehandelten haartragenden Randbereichen des Operationsfeldes zu erwarten.