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PUVA

 

Die Abkürzung PUVA steht für die Behandlung mit einem Lichtsensibilisator (8-Methoxypsoralen oder Trimethylpsoralen) und nachfolgender Bestrahlung mit langwelligem ultraviolettem Licht (UVA). Hierbei kommt es zu Reaktionen, durch die u.a. die Zellteilung der Haut gehemmt und die Pigmentbildung angeregt wird, was beispielsweise bei der Schuppenflechte sowie der Weißfleckenkrankheit ausgenutzt wird.

 

 

 

 

 

Geschichtliches und kurzer Überblick

 

Die Phototherapie (Therapie mit ultravioletten Strahlen) und speziell die Photochemotherapie (Therapie mit ultravioletten Strahlen in Kombination mit einem lichtsensibilisierenden Medikament) gehören zu den ältesten dokumentierten dermatologischen Therapiemodalitäten überhaupt. Bereits vor über 3000 Jahren wurde die Photochemotherapie in Ägypten und Indien zur Behandlung der Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) eingesetzt. Dabei wurden die erkrankten Hautareale mit photosensibilisierenden Pflanzenextrakten, die - wie wir heute wissen - Psoralene enthielten, eingerieben und anschließend dem natürlichen Sonnenlicht exponiert. Heute wissen wir, dass überwiegend Wellenlängen von 320 bis 400 nm wirksam sind. Zu diesem Zweck wurden Bestrahlungseinheiten entwickelt, die ultraviolette Strahlung der Wellenlänge von 320 bis 400 nm emittieren (UVA) und somit für die Auslösung einer phototoxischen Reaktion nach Psoralenapplikation geeignet sind.

 

Anfang der siebziger Jahre wurde dann erstmals die systemische Photochemotherapie, bestehend aus der peroralen Gabe (Tabletten) des Photosensibilisators 8-MOP bzw. TMP und nachfolgender UVA-Bestrahlung (“PUVA-Therapie”) zur Behandlung der schweren Psoriasis vulgaris eingeführt. In den folgenden Jahren hat sich diese Therapiemodalität zu einer wichtigen und weit etablierten Behandlungsform der Psoriasis vulgaris entwickelt, die auch heute noch weltweit in vielen Kliniken und durch niedergelassene Ärzte durchgeführt wird.

 

Bei der konventionellen systemischen PUVA-Therapie wird zwei Stunden vor der Bestrahlung mit  langwelligem ultraviolettem Licht (UVA) der Photosensibilisator 8-MOP in Form von Tabletten peroral verabreicht. Trotz ihrer meist hervorragenden therapeutischen Wirksamkeit ist die perorale PUVA-Therapie aufgrund der systemischen Resorption des Psoralens nicht selten mit erheblichen Nebenwirkungen und Problemen verbunden. So kann die inter- und intraindividuelle Resorption und Metabolisierung (Verstoffwechselung durch die Leber) von 8-MOP Unterschiede im Plasmaspiegel des Photosensibilisators aufweisen und somit zu therapeutisch relevanten Änderungen des Ausmaßes der Photosensibilisierung führen. Des Weiteren kann die Einnahme von 8-MOP bei einem erheblichen Anteil der Patienten zu ausgeprägter Übelkeit bis hin zum Erbrechen führen und somit zum Abbruch der Therapie zwingen. Darüber hinaus führt die orale Aufnahme von 8-MOP zu einer bis zu 24 Stunden andauernden Photosensibilisierung des gesamten Körpers einschließlich der Hände und des Gesichtes. Dies erfordert vom Patienten das konsequente Meiden stärkerer Sonnenexposition. Zudem kommt es bei der systemischen PUVA-Therapie zu einer gesteigerten Lichtempfindlichkeit des Auges. Daher ist während der gesamten Behandlungsdauer tagsüber unbedingt eine speziell anzufertigende und kostenintensive Brille mit UVA-filterendem Glas zu tragen!

 

 

 

vor Therapie

 

Diese genannten Eigenschaften machen die konventionelle systemische PUVA-Therapie letztlich zu einer problematischen und den Patienten in seinen Lebensgewohnheiten beeinträchtigenden Therapieform. In nicht wenigen Fällen muss sogar die Therapie aufgrund der Nebenwirkungen ganz abgesetzt  oder kann gar nicht erst begonnen werden (z.B. bei beruflich im Freien tätigen Personen).

 

 

 

nach Therapie

 

 

Im Jahre 1986 wurde dann erstmals die PUVA-Bad-Therapie mit 8-MOP eingeführt und ihr eine mindestens ebenso hervorragende Wirksamkeit wie die der systemischen PUVA-Therapie bescheinigt, ohne dass jedoch die systemischen Nebenwirkungen auftraten. Aufgrund der hohen therapeutischen Wirksamkeit bei nahezu Nebenwirkungsfreiheit und der daraus resultierenden sehr guten Akzeptanz durch die Patienten wird die PUVA-Bad-Photochemotherapie mit 8-MOP heute bei einem immer größer werdenden Anteil der für eine Photochemotherapie infrage kommenden Patienten angewandt.

 

 

Durchführung der Therapie

 

Zuerst erfolgt ein 20minütiges Bad (Vollbad oder Teilkörperbad) in einem jeweils frisch zubereiteten, 37°C warmen und 8-methoxypsoralenhaltigen Badewasser. Alternativ wird bei der PUVA-Turban-Therapie der behaarte Kopf mit in einer 8-methoxypsoralenhaltigen Lösung getränkten Tüchern umwickelt. Bei der PUVA-Creme-Therapie werden die betreffenden Hautareale (z.B. Handinnenflächen und Fußsohlen) mit einer 8-methoxypsoralenhaltigen Creme eingerieben. Nach Beendigung des Bades werden die gebadeten Hautareale mit einem Handtuch abgetupft, jedoch nicht abgerieben. Es ist darauf zu achten, dass die betroffenen Hautareale an den unterschiedlichen Behandlungstagen jeweils gleichartig mit 8-Methoxypsoralen vorbehandelt werden. Es ist strikt zu vermeiden, nach längerer Behandlung - ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt - plötzlich weitere Hautareale zu baden oder einzucremen, die nicht durch die vorherige Therapie "abgehärtet" worden sind, denn die in der Zwischenzeit gesteigerte UVA-Dosis wäre für die noch nicht abgehärteten Hautareale zu hoch! Ebenso ist es zu vermeiden, mit den benetzten oder eingecremten Händen andere Hautareale (z.B. das Gesicht) zu berühren. Kopf/Gesicht, Augen und Hals sollten bei einem Vollbad nicht mitgebadet werden. Bei versehentlichem Kontakt dieser Areale mit dem Badewasser informieren Sie umgehend Ihren Arzt und spülen die Haut/Augen mit viel klarem Wasser ab. Die Bestrahlung mit UVA-Strahlung erfolgt bei der PUVA-Bad- und bei der PUVA-Turban-Therapie möglichst direkt (maximal innerhalb von 20 Minuten) im Anschluss an das Bad bzw. den Turban-Verband. Bei der PUVA-Creme-Therapie erfolgt die UVA-Bestrahlung 60 Minuten nach dem - meist zu Hause schon durchgeführten - Eincremen der betroffenen Hautareale. Ein modifiziertes Verfahren stellt die seit 1998 entwickelte lokale Dusch-PUVA-Therapie dar, bei der die Haut des Patienten mit TMP-haltigem Wasser geduscht wird und anschließend eine UVA-Bestrahlung erfolgt.

 

Während der Bestrahlung muss eine UV-Schutzbrille getragen werden und bei einer Bestrahlung in der Ganzkörperkabine müssen die männlichen Patienten ihr Genitale mit Alufolie abdecken, da aufgrund der sehr lichtempfindlichen Haut in diesem Bereich ein erhöhtes Risiko besteht, einen Hauttumor zu entwickeln.

 

Die Bestrahlungsdosis wird individuell für Sie von dem behandelnden Arzt festgelegt und in regelmäßigen Abständen gesteigert. In der Anfangsphase erfolgt die Therapie in der Regel viermal pro Woche und zwar am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag. Später kann die Bestrahlungshäufigkeit pro Woche gegebenenfalls reduziert werden. Die gesamte Behandlungsdauer ist abhängig von der zu behandelnden Erkrankung (z.B. 6 bis 8 Wochen bei einer Schuppenflechte) und zudem individuell verschieden. Im Falle einer längeren Therapieunterbrechung benachrichtigen Sie bitte den behandelnden Arzt und stellen sich vor der ersten Behandlung nach der Therapieunterbrechung persönlich bei ihm vor, damit, falls nötig, die UVA-Dosis reduziert werden kann.

 

 

Weitere Verhaltensmaßregeln

 

Im Anschluss an die Behandlung besteht eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der gebadeten oder eingecremten Hautareale. Diese Lichtempfindlichkeit hält für mindestens 4 Stunden an. Deshalb ist es erforderlich, die gebadeten bzw. eingecremten Hautareale vor weiterer UV-Strahlung konsequent zu schützen. Aufenthalte im Freien sollten deshalb am Behandlungstag mindestens für 4 Stunden nach der Bestrahlung vermieden werden. Bei einem Aufenthalt im Freien (auch bei bewölktem Himmel sowie hinter Fensterglas) ist - in Abhängigkeit von den mit 8-Methoxypsoralen behandelten Hautarealen - das Tragen von Handschuhen (z.B. Baumwollhandschuhe aus der Apotheke), das Tragen langärmliger, lichtundurchlässiger Kleidung (Hemd, Hosen, Socken) sowie bei der PUVA-Turban-Therapie eines Hutes oder einer Perücke notwendig. Sonnenbaden und Solariumbesuche sind an den Behandlungstagen strikt zu vermeiden. Bei einer PUVA-Creme Therapie müssen die eingecremten Hautpartien bereits nach dem Eincremen auf dem Weg in Krankenhaus vor UV-Strahlung durch das Tragen von Handschuhen, Socken etc. geschützt werden.

 

Bitte informieren Sie den behandelnden Arzt stets, wenn Sie neue Medikamente einnehmen sollen (z.B. Antibiotika wie Tetrazykline, Blutdruckmittel, Beruhigungsmittel, "Naturprodukte" wie Johanniskraut), da bestimmte Medikamente Ihre Lichtempfindlichkeit erhöhen können. Bitte tragen Sie vor der Behandlung keine Lichtschutzstoffe oder parfümierten Kosmetika (Parfum, Seifen, Rasierwasser etc.) auf die Haut auf.

Während der Behandlung darf keine Schwangerschaft bestehen. Eine eingetretene Schwangerschaft muss dem behandelnden Arzt sofort mitgeteilt werden.

 

Die PUVA-Bad- und PUVA-Creme-Therapie ist eine hochwirksame, gut verträgliche Behandlungsmethode. Patienten, die eine Lichtbehandlung erhalten haben, sollten auch nach Abschluss der Behandlung langfristig in regelmäßiger hautärztlicher Kontrolle bleiben. Bitte lassen Sie sich am Ende des Behandlungszyklus einen UV-Pass, in dem Ihre Behandlungsdaten dokumentiert werden, von dem behandelnden Arzt ausstellen.

 

 

Unerwünschte Wirkungen

 

Als gelegentlich auftretende Nebenwirkungen sind bekannt: Juckreiz, sonnenbrandähnliche Reaktionen (v.a. Hautrötungen besonders an normalerweise nicht dem Sonnenlicht ausgesetzten Körperteilen wie Brust und Gesäß), Blasenbildungen, (eventuell unregelmäßige) Hautpigmentierung, sehr selten werden Haarbalgentzündungen beobachtet. Bei der PUVA-Abhärtungsbehandlung (sog. PUVA-Hardening) bei bestimmten Hauterkrankungen (z.B. “Sonnenallergie”, chronische aktinische Dermatitis, Lichturtikaria) kann es während der Therapie unter Umständen zu einem Auftreten krankheitstypischer Hautveränderungen kommen. Nach jahrelanger Bestrahlung besteht ferner die Gefahr, dass es zu einer vorzeitigen Hautalterung und in einzelnen Fällen zum Auftreten von Hauttumoren kommen kann. Durch das warme Wannenbad kann es in seltenen Fällen zu Herz-/Kreislaufreaktionen kommen.

 

Insbesondere bei Nichtbeachten der oben genannten Hinweise kann es zu ausgedehnten und schmerzhaften sonnenbrandähnlichen Reaktionen (Rötung, Blasenbildung/großflächige Hautablösung, Narbenbildung, später Pigmentstörungen etc.) kommen. In diesem Fall ist sofort der behandelnde Arzt aufzusuchen.