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Entwicklung der HIV-Infektion unter HAART

Retrospektiv konnte gezeigt werden, daß es bereits 1950 in Regionen Zentralafrikas zu AIDS-Erkrankungen gekommen sein könnte. 1981 wurden erste Fälle in den USA beschrieben, 1982 begann sich die Erkrankung auch auf Europa auszubreiten.




Abbildung 1: HAART bewirkt in allen Altersgruppen eine signifikante Verlängerung der 10-Jahres-Überlebensrate (Daten aus: Lancet. 2000, Quelle: Medscape.com)


Kaum eine Erkrankung hat in ihrem Verlauf derartig dramatische Veränderungen erlebt wie die HIV-Infektion. Durch die Einführung antiretroviraler Kombinationstherapien (Highly Active Antiretroviral Therapy = HAART) ist es zu einem erheblichen Rückgang von HIV-assoziierter Morbidität, Mortalität und dem Auftreten von sog. opportunistischen Infektionen wie z.B. dem Kaposi-Sarkom gekommen (Abb. 1,2), wobei bestimmte externe Faktoren wie Rasse und Geschlecht den Therapieerfolg wahrscheinlich mitbeeinflussen. Was diesem Phänomen letztendlich zugrunde liegt kann derzeit nur spekuliert werden. Denkbar sind soziale Gründe (Verfügbarkeit von Medikamenten nur für bestimmte Gesellschaftsklassen) als auch genetische Faktoren (Unterschiede zw. Männern oder Frauen?) (Abb.3).




Abbildung 2: Verbesserung der Überlebensrate durch HAART 2 Jahre nach Übergang in das Vollbild AIDS (Daten aus: Fordyce EJ et al. J Acquir Immune Defic Syndr. 2002, Quelle: Medscape.com)




Abbildung 3: Rasse und Geschlecht scheinen mitbeeinflussende Faktoren hinsichtlich des Erfolges einer HAART zu sein (EJ et al. J Acquir Immune Defic Syndr. 2002, Quelle: Medscape.com)


Zahlreiche prospektive Multicenter-Studien haben inzwischen den lebensverlängernden Effekt von Kombinationstherapien Im Vergleich zu den früher üblichen Monotherapien bewiesen (Abb. 4). Derzeit stehen in fünf Deutschland 19 antiretrovirale Medikamente aus Wirkstoffklassen zur Verfügung.




Abbildung 4: Die Compliance hinsichtlich der Durchführung einer HAART beeinflußt erheblich den immunologischen Erfolg (Daten von: Garcia de Olalla P et al. J Acquir Immune Defic Syndr. 2002, Quelle: Medscape.com)


Die antiretrovirale Behandlung hat sich dabei in den vergangenen 20 Jahren enorm weiterentwickelt. Anfang der 90er-Jahre war nur eine Zidovudin-Monotherapie möglich, ab Mitte der 90er-Jahre dann bereits eine antiretrovirale Zweierkombination durch Einführung von ddI und ddC. Im Jahre 1997 begann die Ära der hochaktiven antiretroviralen Kombinationstherapie (HAART) durch Proteasehemmer-haltige Therapieregime. Eine Fülle neuer Substanzen befindet sich in der Erprobung und teilweise kurz vor der Zulassung. Diese Kombinationstherapien mit Inhibitoren der reversen Transkriptase (NRTIs, NNRTIs) und Proteasehemmern bilden die Basis von HAART, welche die Überlebenschancen verbessert und die Häufigkeit von o.g. aidsbedingten Erkrankungen vermindert. HAART, oft fälschlicherweise als Heilmittel gegen Aids angepriesen oder als solches missverstanden, trägt allerdings offenbar zur Gleichgültigkeit der Bevölkerung in reicheren Ländern bei. Die Epidemie scheint sich in deren Wahrnehmung zu normalisieren, obwohl sie tatsächlich bei falschem Verständnis eine weitaus grössere Not verursachen kann als die meisten Katastrophen, die in die Schlagzeilen gelangen. Die Folge ist daher - bei Vernachlässigung von Safer-Sex-Praktiken – eine nach wie vor hohe Neuansteckungsrate mit Auftreten verschiedenster Geschlechtserkrankungen, allen voran die Syphilis, die in ihrer Schwere auch heute nicht zu unterschätzen ist sowie das Auftreten opportunistischer Infektionen wie der bereits genannten Pneumocystis carinii Pneumonie, die dann häufig bei fortgeschrittener unentdeckter HIV-Infektion zur Diagnose AIDS führt. Auch unter HAART scheint es paradoxerweise in einigen Fällen zu einem Anstieg verschiedenster Erkrankungen zu kommen. Dies ist möglicherweise auf den mangelnden Einsatz verfügbarer Medikamente oder auch auf ein falsches Verständnis der Betroffenen hinsichtlich ihres Immunstatus mit der Folge nicht oder nur suboptimal durchgeführter Therapien zurückzuführen (Abb. 5).




Abbildung 5: Es konnte eine Zunahme ver-schiedener AIDS-definierender Erkrankungen während der HAART-Ära beobachtet werden. (Data from Dore GJ et al. J Acquir Immune Defic Syndr. 2002, Quelle: Medscape.com)


  

Zunehmende virale Multi-Drug-Resistenzen, Langzeittoxizitäten der antiretroviralen Medikamente wie die Lipodystrophie (Fettumverteilungsstörung), Osteoporose oder aber Complianceschwierigkeiten sind darüberhinaus nur einige Probleme, die in den nächsten Jahren bewältigt werden müssen.

 

 

 

Ob eine solche Therapie durchgeführt wird, hängt vom Ausmaß des Immundefektes des Patienten ab. Die deutsche AIDS-Gesellschaft gibt regelmäßig aktualisierte Leitlinienzur antiretroviralen Therapie geraus (http://www.daignet.de/). Das Wichtigste in Kürze:

 

  1. Symptomatische Patienten, d.h. Patienten mit einer opportunistischen Infektion mit HIV-assoziierten Symptomen, wird eine Therapie dringend angeraten. Diese Empfehlung erfolgt unabhängig von den gemessenen immunologischen Laborparametern.
  2. Bei asymptomatischen Patienten, d.h. klinisch gesunden Patienten, wird die Empfehlung anhand der immunologischen Laborparameter (T-Helferzellen (CD4+-Lymphozyten im Blut) und Viruslast (HIV-RNA-Kopien pro ml Blut)) und der Begleiterkrankungen ausgesprochen.

 

 


 

 

 

In der folgenden Tabelle sind alle bisher zugelassenen Medikamente aufgeführt:

 


Substanzen bzw. Substanzklassen und ihre Besonderheiten

Substanz bzw. Substanzgruppe

wichtigste Nebenwirkungen

Diätvorschrift

Dosis

Darreichungsform

Reverse-Transkriptase-InhibitorenNukleosidanaloga

 

hepatische Steatose, selten Laktatazidose, Lipodystrophie-Syndrom

 

 

Abacavir
Handelsname: Ziagen®

Hypersensitivitäts-Syndrom

 

2x 300mg

Tbl. à 300mg
Saft

Didanosin
Handelsname: Videx

Pankreatitis, Neuropathie, Lipoatrophie

nüchtern einnehmen

> 60kg KG: 1x 400mg
< 60kg KG: 1x 250mg oder 2x 125mg

Kapseln à 400mg, 250mg oder 125mg
Pulver

Emtricitabin
Handelsname: Emtriva®

Kopfschmerz, Anämie

 

1x200mg

Kapseln à 200mg
Saft 10mg/ml

Lamivudin
Handelsname: Epivir

Kopfschmerz

 

1x 300mg
oder
2x 150mg

Tbl. à 300mg oder 150mg
Lösung

Stavudin
Handelsname:
Zerit®

Neuropathie, Pankreatitis, Lipoatrophie

 

>60kg KG: 2x 40mg
<60kg KG: 2x 30mg

Kapseln à 40mg oder 30mg

Zidovudin
Handelsname: Retrovir®

Neutropenie, Anämie, Myopathie, Lipoatrophie (geringer)

 

2x 250mg

Kapseln à 250mg, Saft

Kombinationspräparat:
Lamivudin+Zidovudin
Handelsname: Combivir®

Die Nebenwirkungen entsprechen denen, der Einzelsubstanzen

2x (150mg+300mg)

Tbl. à (150mg/300mg)

Kombinationspräparat:
Lamivudin+Zidovudin+
Abacavir
Handelsname: Trizivir®

2x150mg+ 2x300mg+ 2x300mg

Tbl. à (150mg/300mg/300mg)

Kombinationspräparat:
Lamivudin+Abacavir
Handelsname: Kivexa®

1x300mg+ 1x600mg

Tbl. à (300mg/600mg)

Kombinationspräparat:
Tenofovir+Emtricitabin
Handelsname: Truvada®

1x300mg+ 1x200mg

Tbl. à 300mg/200mg

Reverse-Transkriptase-InhibitorenNukleotidanaloga

Tenofovir
Handelsname: Viread®

gastrointestinale Beschwerden (Durchfall, Übelkeit), selten Nierenfunktions-störungen

 

1x245mg

Tbl. à 300mg

Protease-Inhibitoren (PI)

 

Glukoseintoleranz, Fettstoffwechsel-störungen, Lipodystrophie-Syndrom, gastrointestinale Beschwerden

 

 

Fosamprenavir
Handelsname: Telzir® (USA : Lexiva®)

Diarrhö

 

2x1400mg
in Kombi. mit Ritonavir
Fosamprenavir: 1x1400mg
Ritonavir: 1x200mg oder
Fosamprenavir: 2x700mg
Ritonavir: 2x100mg

Tbl. à 700mg

Atazanavir
Handelsname: Reyataz®

Hyperbilirubinämie, Diarrhö, Kopfschmerzen

mit Mahlzeit einnehmen

1x400mg
in Kombi. mit Ritonavir
Atazanavir: 1x300mg
Ritonavir: 1x100mg

Kapseln à 150, 200 oder 300mg

Indinavir
Handelsname: Crixivan®

Nephrolithiasis, Hyperbilirubinämie, trockene Haut und Schleimhäute, Onychodystrophie

nüchtern bzw. fettreduziert einnehmen

3x800mg
in Kombi. mit Ritonavir Indinavir: 2x400mg
Ritonavir: 2x100mg

Kapseln à 400mg

Lopinavir+Ritonavir
Handelsname: Kaletra®

Fettstoffwechsel-störungen, Übelkeit, Diarrhö

 

2x400mg+ 2x100mg

Tbl. À 100/25mg oder  200/50mg

Nelfinavir
Handelsname: Viracept®

Diarrhö, Übelkeit

nicht nüchtern einnehmen

2x1250mg

Tbl. à 250mg
Pulver

Ritonavir
Handelsname: Norvir®

Diarrhö, Übelkeit, Hypertriglyzeridämie

 

üblicherweise nur zur Boosterung* verwendet:
2x100mg – 2x200mg
Saft: 2x 1,3ml

Kapseln à 100mg
Saft

Saquinavir
Handelsname: Invirase®

Diarrhö, Übelkeit (meist mild)

mit protein- / fettreicher Kost einnehmen

In Kombination mit Ritonavir:Saquinavir: 2x1000mg
Ritonavir: 2x100mg

Tbl. à 500mg

Tipranavir
Handelsname: Aptivus®

Fettstoffwechsel-störungen, Transaminasen-erhöhung Diarrhö

mit Mahlzeit einnehmen

In Kombination mit Ritonavir:Tipranavir 2x1000mg Ritonavir: 2x200mg

Tbl. à 250mg

Darunavir
Handelsname: Prezista®

Kopfschmerzen, Fettstoffwechselstör-ungen, Hautausschlag

 

In Kombination mit Ritonavir:Darunavir 2x600mg Ritonavir: 2x100mg

Tbl. à 300mg

Reverse-Transkriptase-Inhibitorennichtnukleosidisch (NNRTI)

Delavirdin
Handelsname: Rescriptor® **

Arzneiexanthem

 

3x400mg

Tbl. à 200 mg

Efavirenz
Handelsname: Sustiva®, Stocrin®

psychotrope UAW; Arzneiexanthem
teratogen

 

1x600mg

Kapseln à 200mg
Tbl. à 600mg

Nevirapin
Handelsname: Viramune®

Arzneiexanthem, Hepatotoxizität

 

2x200mg
14 Tage 1x200mg,dann 2x 200mg

Tbl. à 200mg

Etravirine
Handelsname: Intelence®

Hautausschlag, Übelkeit, Pankreatitis

 

2x200mg

Tbl. à 100mg

Kombinationspräparat:
Tenofovir+Emtricitabin+Efavirenz
Handelsname: Atripla®

Nebenwirkungen entsprechen den der Einzelsubstanzen

 

1x300mg+1x200mg+1x600mg

Tbl. à 300mg/200mg/600mg

Fusionsinhibitoren

Enfuvirtid
Handelsname: Fuzeon®

lokale Induration an der Einstichstelle

 

2 x90mg s.c.

Attachmentinhibitoren

Maraviroc
Handelsname: Celsentri®

Erkrankungen der oberen Atemwege, Husten, Transaminasen

 

2x300mg
z.T. Dosismodifikation erforderlich

Tbl. à 300mg

Integraseinhibitor

Raltegravir
Handelsname: Isentress®

 

 

2x400mg

Tbl. à 400mg

*Boosterung: durch Hemmung des Cytochrom p450 Enzyms 3A4 (mittels Ritonavir) erreichte Verbesserung der Pharmakokinetik; **nur über internationale Apotheke


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