Was ist Sonnenbrand?
Dieses Merkblatt soll Sie rund um den Sonnenbrand informieren. Obgleich Sonnenlicht für manche Körperfunktionen (z.B. Vitamin D-Bildung) und das allgemeine Wohlbefinden eine wichtige Rolle spielt, tut man seiner Gesundheit weder kurz- noch langfristig mit übermäßiger ultravioletter (UV)-Bestrahlung durch Sonnenbäder im Freien oder in Solarien einen Gefallen. Einerseits wird maßlos übertrieben - andererseits können Risiken der Besonnung nicht übergangen werden. Gefahr Nr. 1 ist der Sonnenbrand. Vernünftig dosierte Anwendungen von Sonnenlicht werden von menschlicher Haut weitgehend ohne negative Folgen akzeptiert. Je nach Hauttyp und ethnischer Zugehörigkeit sind die UV-Lichtdosen, die von jedem einzelnen Menschen vertragen werden können, sehr unterschiedlich.
In der medizinischen Fachsprache wird Sonnenbrand als Dermatitis solaris oder Eythema solare bezeichnet. Sonnenbrand entsteht, wenn unser Empfangsorgan Haut eine Überdosis an UV-Strahlung erhält. Sonnenbrand wird unter natürlichen Bedingungen hauptsächlich durch die Wirkung von UVB-Strahlen verursacht. Aber auch UVA-Licht verstärkt die Wirkung von UVB-Licht und kann in hohen Dosierungen zum Sonnenbrand führen. Die energiereichsten Strahlen des UV Spektrums, UV-C Strahlen, sind die wirksamsten Verursacher von Sonnenbrand. Sie kommen normalerweise an der Erdoberfläche nicht vor, weil sie von der Ozonschicht der Atmosphäre weitgehend herausgefiltert werden. UVC-Strahlen treten jedoch besonders an Tagen mit vermindertem Ozongehalt der Athmosphäre (Ozonwarnung) vermehrt auf und werden unter Umständen von defekten Bräunungsgeräten in Solarien abgegeben. Sonnenbrand ist eine entzündliche Verbrennungsreaktion an und in der Haut. In der medizinischen Fachsprache unterscheidet man diesbezüglich drei Stufen: Den 1., den 2. und den 3. Grad. Sonnenbrand 1. Grades zeigt sich durch schmerzhafte Hautrötung, im 2. Grad bilden sich Blasen. Verbrennungen 3. Grades sind durch weitgehende Zerstörungen der betroffenen Hautstellen gekennzeichnet, bei denen es zu einer flächigen Hautablösung kommen kann und die einer stationären Behandlung bedarf. Ein Sonnenbrand tritt bei den meisten Patienten entweder im 1. oder 2. Grad auf.
Wie sieht Sonnenbrand aus / wie wird die Diagnose gestellt?
Sonnenbrand entwickelt sich meist schleichend, vom Betroffenen unbemerkt und tritt nicht nur beim Sonnenbad, sondern auch bei Spaziergängen, Motorradfahrten, Autofahrten und vielen anderen Aufenthalten im Freien auf. Bei Sonneneinwirkung schädigen UV-Strahlen die Haut unablässig. Häufig treten dann plötzlich Juckreiz oder Schmerzen auf. Einige Stellen der Haut sind zart bis stark gerötet oder sogar geschwollen. Wie heftig ein Sonnenbrand verlaufen wird, hängt von der sogenannten Erythemdosis ab. Das UV-Spektrum, die Bestrahlungsstärke und die Bestrahlungszeit sind dabei von zentraler Bedeutung. Im günstigsten Fall wird die bei jedem Individuum unterschiedliche minimale Erythemdosis (MED) kaum überschritten. Schlimmere Verläufe entstehen, wenn die einwirkende Erythemdosis sehr hoch war. Meist ist eine Verbrennung 2. Grades die Folge. Unser Körper reagiert mit Schmerzen und Juckreiz, am stärksten zwischen 6 und 24 Stunden nachdem die Sonnenstrahlen eingewirkt haben. In diesem Fall werden in der Haut entzündliche, gefäßerweiternde Stoffe wie Histamin und Serotonin freigesetzt. Häufig bilden sich Blasen. Darüber hinaus kann die DNS, unsere Erbinformation, die in jeder Zelle enthalten ist, geschädigt werden. Wer sich oft und wiederholt dem Risiko Sonnenbrand aussetzt, läuft daher Gefahr, seine Haut vorzeitig altern zu lassen, dauerhaft zu schädigen und ist besonders stark hautkrebsgefährdet.
Die Diagnose Sonnenbrand wird vom Hautarzt anhand des typischen klinischen Bildes sowie aufgrund der Angaben des Patienten gestellt.
Wie wird Sonnenbrand behandelt?
Sonnenbrand Grad 1 (Verbrennung 1. Grades):
* Sonnenkarenz (von der Sonne fernhalten bis die Beschwerden vollständig abgeklungen sind)
* Kühlende Umschläge (z.B. mit feuchten Handtüchern, Geschirrtüchern etc.), Lotionen oder Gels
* Zusätzlich können entzündungshemmende und schmerzstillende Tabletten (nicht-steroidale Antiphlogistika z.B. Ibuprofen Tabletten 3mal 400mg/Tag) gegeben werden.
* Bei stärkeren Beschwerden: Lokale Anwendung von Kortisonpräparaten (z.B. kortikoidhaltige Milch, Schüttelmixtur)
Sonnenbrand Grad 2 (Verbrennung 2. Grades)
* Aufsuchen eines Arztes
* Behandlung wie unter Grad 1 siehe oben
* Wenn nötig sterile Punktion von Blasen durch einen Hautarzt
Großflächige Verbrennung 2. Grades und Verbrennung 3. Grades
* Stationäre Aufnahme in einem Krankenhaus
* Elektrolytkontrolle und -substitution
* Kortison-Infusionen
* Antibiotika-Infusionen zur Vermeidung bakterieller Superinfektionen
Welche Folgen kann Sonnenbrand haben?
Grundsätzlich teilt man die möglichen Langzeitfolgen übermäßiger Sonnenlichteinwirkung in zwei Gruppen ein: Vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs.
Hautalterung:
Diese tritt nicht von heute auf morgen auf, vielmehr handelt es sich um einen langjährigen schleichenden Prozess. Die Hautalterung tritt überwiegend durch UVA-Bestrahlung (langwelliger UV-Anteil) ein, wie sie in den meisten Sonnenstudios verwendet wird. Besonders schädlich sind die sogenannten “Gesichtsbräuner”, da ihre Strahlungsintensität im Vergleich zu den “normalen Röhren” besonders hoch ist.
Hautkrebs
Man unterscheidet drei Arten von Krebs: Das Basalzellkarzinom, das Plattenepithelkarzinom und das Melanom. Fälschlicherweise wird im Volksmund oft gesagt, dass Basalzellkarzinome "gutartig" seien, während der Plattenepithelkrebs und insbesondere das Melanom "bösartig" seien. Medizinisch ist dazu anzumerken, dass Basalzellkarzinome nie Metastasen bilden. Einmal sorgfältig weggeschnitten, gelten Patienten als geheilt, während dies beim Melanom leider nicht immer der Fall ist.
Augenschäden
Nicht nur die Haut, sondern auch die Augen können durch übermäßige Sonneneinstrahlung nachhaltig geschädigt werden. Langfristig auftretender Einfall von Infrarotstrahlung kann zur Trübung der Linse führen. Da dies früher verstärkt in Glasbläsereien auftrat (dort herrscht sehr starke Hitzeentwicklung), nennt man dieses Phänomen auch „Glasbläserstar“.
Als Schäden am Auge durch UV-Strahlen gelten Entzündungen der Horn- und Bindehaut. Diese werden durch Verblitzen oder Schneeblindheit hervorgerufen. Auch UV-Licht kann die Linse trüben, man spricht dann von einem sogenannten „Katarakt“.
Was können Sie selbst tun, um einem Sonnenbrand vorzubeugen?
* Lassen Sie sich von einem Hautarzt zum Thema Sonnenbrand und Ihrem Hauttyp beraten (die Länge des beabsichtigten Sonnenbades sollte sich nach Ihrem Hauttyp richten)!
* Bei Medikamenteneinnahme: Fragen Sie den behandelnden Arzt, ob verordnete Medikamente Ihre Haut lichtempfindlicher als normal machen (z.B. bei Antibiotika oder Antidepressiva)!
* Beachten Sie das erhöhte Sonnenbrandrisiko bei Ozonwarnungen!
* Schützen Sie Kinder (besonders Kinder unter 5 Jahren) vor jeder Art eines Sonnenbrandes, da jeder Sonnenbrand in diesem Alter u.a. das Hautkrebs-Risiko erhöht!
* Verwenden Sie Sonnenschutzprodukte, die Ihrem Hauttyp und dem jeweiligen UV-Index angepasst sind (UVA-Filter und UVB-Filter) und tragen Sie diese bereits eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad auf!
* Tragen Sie Sonnenschutzmittel nach einem Bad im Wasser erneut auf!
* Praktizieren Sie "Safer Sun" (Schatten aufsuchen) und meiden Sie Sonne während der Mittagszeit (50 Prozent der UV-Tagesgesamtdosis werden zwischen elf und 14 Uhr abgestrahlt)!
* Beachten Sie, dass auch bei bedecktem Himmel, im Strandkorb oder unter Sonnenschirmen UV-Strahlung aufgrund von Reflektionen wirkt!
* "Cover Up ist cool" - Bedecken Sie die Haut mit dichtgewebter Kleidung und benutzen Sie gerade zu Beginn der Saison Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (ab LSF 20 aufwärts)!
· Tragen Sie Sonnenbrillen mit UVA und UVB Schutzfilter!
Weitere Informationen finden Sie in unserem Patientenmerkblatt zu „Sonne und Hautschäden“ (bitte verlinken).
gg© Dieser Beitrag wurde von der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum in Zusammenarbeit mit dem Institut für Klinische und Experimentelle Dermatologie sowie der Fortbildungsakademie Rhein-Ruhr erstellt. 
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