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Infektionen
und andere Erkrankungen des Enddarms – Georg
Reimann, Alexander Kreuter, Norbert H. Brockmeyer Infektiöse
Krankheiten des Enddarms werden durch unterschiedliche Krankheitserreger
- Bakterien , Viren, Pilze und Parasiten -
hervorgerufen. Die Ausprägung des Krankheitsbildes ist abhängig
von der Menge und Art des Erregers und der Abwehrlage des Menschen.
Besondere Bedeutung kommt bei der Diagnosestellung der Krankengeschichte
zu. Bei uncharakteristischen Beschwerden führt häufig die Frage nach
Fernreisen und der Genuß von Nahrungsmitteln aus den Tropen und
Subtropen zur Diagnose. Das häufigste Symptom bei Infektionen des
Enddarms sind Durchfälle (Diarrhoen), die mit einem Verlust von Wasser
im Körper einher gehen können. Dies kann zu ernsten Notfallsituationen
führen. Daher stellen infektiöse Krankheiten nicht nur aufgrund ihrer
zunehmenden Häufigkeit, sondern auch infolge lebensbedrohlicher
Verlaufsformen den auf diesem Gebiet nicht ausreichend informierten Arzt
vor Probleme bei der Diagnose und Therapie. Aus der Vielzahl der
Krankheiten des Enddarms sollen nachfolgend einige ausgewählte
Erkrankungen besprochen werden. Erkrankungen mit LamblienLamblien
sind Parasiten, die im Dünndarm auftreten und auf der ganzen Welt
verbreitet sind. Lamblien haben unterschiedliche medizinische Namen, die
aber synonym verwendet werden: Lamblia duodenalis, Lamblia intestinalis,
Giardia intestinalis, Giardia duodenalis, Giardia enterica und Giardia
lamblia. Sie kommen häufiger in tropischen Ländern als in Ländern mit
gemäßigtem Klima vor. Kinder sind wesentlich häufiger befallen als
Erwachsene. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind
derzeit etwa 150 Millionen Menschen von Lamblien befallen. Der
Parasit Giardia lamblia besitzt ein saugnapfartiges Organ, das in der
Lage ist, sich an der Schleimhaut des Dünndarms anzulagern. Zur
Vermehrung bildet der Parasit Zysten, die über den Stuhl ausgeschieden
werden und über verschmutzte Hände oder Nahrungsmittel wieder in den
Mund und damit in den Verdauungstrakt des Menschen zu gelangen. Diesen
Weg der Infektion nennt man fäkal-orale Übertragung. Eine direkte Übertragung
von Mensch zu Mensch ist also möglich, ebenso wie die Selbstinfektion.
Die Zysten, die mit dem Stuhl ausgeschiedenen werden, sind in feuchter
Umgebung 3 Monate lebensfähig. Zudem spielt besonders die Stubenfliege
als Überträger der Zysten eine Rolle. Die
Beschwerden einer Lamblien-Infektion sind wechselhaft und weitgehend
uncharakteristisch. Die Mehrzahl der Parasitenträger ist völlig
beschwerdefrei. Typische Beschwerden sind: Durchfälle, Blähungen, Übelkeit
und Erbrechen. Diese Beschwerden treten 3 Tage bis 3 Wochen nach einer
Ansteckung auf und haben manchmal einen periodisch wiederkehrenden
Verlauf. Bei Menschen mit HIV können die Beschwerden sehr ausgeprägt
sein. Zur
Diagnosestellung muss frischer Stuhl und manchmal auch Saft aus dem Zwölffingerdarm
mikroskopisch untersucht werden. Die Therapie besteht in einer 10-tägigen
Antibiotika-Gabe. Da Lamblien sehr leicht von Mensch zu Mensch übertragen
werden können, ist es wichtig, auch Kontaktpersonen gleichzeitig
mitzubehandeln, um wiederholten Infektionen vorzubeugen. Eine
Verhütung der Krankheit erfolgt in erster Linie durch hygienische Maßnahmen.
Dazu gehören eine sorgfältige Körperhygiene, eine wirksame Fliegenbekämpfung
und die Überwachung von
Abwasserbeseitigung, Wasserversorgung, Gemeinschaftstoiletten usw. Zudem
sollte eine konsequente Lebensmittel- und Küchenkontrolle, einschließlich
der Überprüfung des Küchen- und Pflegepersonals auf mögliche
Ausscheidung von Shigellen bei fehlenden Symptomen erfolgen. Der
Nachweis des Erregers ist meldepflichtig. Shigellosen
Unter
der Shigellose oder Bakterienruhr versteht man eine durch Shigellen
hervorgerufene, mit Durchfall einhergehende, meldepflichtige Erkrankung
des Dickdarms. Sie kommt auf der ganzen Welt vor und kann ohne Therapie
tötlich verlaufen. Besonders betroffen sind alte, gebrechliche Menschen
und Kinder, die in beengten und hygienisch unbefriedigenden Verhältnisse
leben müssen. In Südeuropa sowie tropischen und subtropischen Ländern
tritt die Erkrankung häufig auf, während es sich in der Bundesrepublik
Deutschland um Einzelerkrankungen handelt, von denen etwa 50 % im
Ausland erworben worden. Shigellen
sind Bakterien, die 1898 von K. Shiga entdeckt und nach ihm benannt
wurden. Aufgrund spezieller Eigenschaften lassen sich 4 Shigella-Arten
unterscheiden und zwar Shigella dysenteriae, Shigella flexneri, Shigella
boydii und Shigella sonnei. Die verschiedenen Arten machen den Menschen
unterschiedlich krank. Die vor allem in tropischen und subtropischen
Gebieten vorkommende „toxische Bakterienruhr“ wird durch Shigella
dysenteriae verursacht und ist in Deutschland selten. Es handelt sich um
ein schweres Krankheitsbild, bei dem neben Durchfällen auch
Kreislaufschwäche und Vergiftungserscheinungen auftreten. Demgegenüber
führen Shigella boydii, die hauptsächlich in Vorderasien und
Nordafrika gefunden werden, sowie Shigella flexneri und Shigella sonnei,
die weltweit verbreitet sind zu relativ leicht verlaufenden
Krankheitsbildern. Da Shigellen nur im Darm des Menschen vorkommen, wird
die Krankheit nur durch den Menschen und seine Fäkalien übertragen.
Allerdings werden die Erreger auch über Shigellen-enthaltende
Nahrungsmittel, selbst solche im Kühlschrank, durch verseuchtes Wasser
und durch Fliegen übertragen. Da Shigellen gegenüber Sonnenlicht und
Austrocknung sehr empfindlich sind und außerhalb des menschlichen Körpers
nur unter günstigen Bedingungen überleben können, sind
Trinkwasserepidemien selten. Die Bekämpfung der Shigellosen wird
allerdings durch Menschen erschwert, die keine Beschwerden haben, aber
das Bakterium über den Stuhl ausscheiden. Zudem sind Shigellen sehr
ansteckend. Bereits weniger als 100 Keime können zu einer Infektion führen. Der
Verlauf der Shigellose ist vielgestaltig. Die Schwere des
Krankheitsbildes reicht von völliger Beschwerdefreiheit über
schleimig-blutig-eitrige Durchfälle bis hin zu lebensbedrohlichen Verläufen,
die vom Alter und der Abwehrlage des Betroffenen und der krankmachende
Wirkung der Shigellenart abhängig sind. Die Erkrankung hat einen
Verlauf von etwa 7 Tagen und beginnt meist mit grippeartigen
Beschwerden, wie erhöhte Temperatur, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit
sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Anschließend entwickeln sich
krampfartige Bauchschmerzen und rasch an Zahl zunehmende Durchfälle.
Infolge einer Schädigung der Darmwand werden die Durchfälle zunehmend
wäßrig-blutig-schleimig. In fortgeschrittenen Fällen können die
Darmgeschwüre zu einer Eröffnung der Darmwand mit nachfolgender
Bauchfellentzündung führen. Am After bilden sich eitrige Knoten
(Abszesse) und Gänge (Fisteln). Weiterhin können nach Besserung der
akuten Erkrankung Gelenkbeschwerden auftreten, die meist von selbst
abklingen. Manche Menschen erkranken später an einem sogenannten Morbus
Reiter. Hierbei handelt es sich um ein allergisches Krankheitsbild, das
nach bakteriellen Krankheiten auftritt und durch Harnröhrenentzündungen,
Entzündungen der Bindehaut am Auge und Gelenkentzündungen
gekennzeichnet ist. Die
Diagnose wird aufgrund der Krankengeschichte und dem Nachweis des
Erregers aus frischem Stuhl oder über einen Abstrich am After
festgestellt. Eine Untersuchung im Blut gibt es nicht. Es ist besonders
wichtig, dass die abgenommenen Materialien so schnell wie möglich zur
Untersuchung gelangen, da die Ergebnisse sonst verfälscht werden.
Die
Symptome der Shigellose können auch bei anderen Durchfallerkrankungen
auftreten, wie Cholera oder Salmonellen-Infektion. Selbst die Malaria
kann mit ähnlichen Symptomen einhergehen. Die
Therapie besteht in der Gabe von Antibiotika. Zudem sollte auf eine
ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Gabe von Mineralien
(Elektrolyte) geachtet werden. Als
vorbeugende Maßnahmen gelten die gleichen Empfehlungen wie bei Lamblien.
Schutzimpfungen können bis heute nicht angeboten werden. Der Nachweis
des Erregers ist meldepflichtig. Proktitis –
unspezifisch oder erregerbedingt
Bei
einer Proktitis handelt es sich um eine Entzündung des Afters (Anus)
und des letzten Abschnittes des Darmes (Rektum). Die
Symptome können sehr stark variieren. Eine Proktitis kann viele
Ursachen haben, aber die sexuell übertragbaren Erkrankungen sind die häufigsten.
Zu ihnen gehören der Tripper (Gonorrhoe), Syphilis (Lues), Infektionen
mit Herpes simplex-Viren, Chlamydien und Warzenviren (Humane Papilloma
Viren = HPV). Risikofaktoren für eine Proktitis sind aufnehmender
(rezeptiver) Analverkehr, wechselnde Sexualpartner, mögliche
Grunderkrankungen (Autoimmunerkrankungen) und eine Bestrahlung im
Beckenbereich, z.B. wegen einer Krebserkrankung. Eine Proktitis wird häufiger
bei homosexuellen Männern beobachtet. Andere Ursachen einer Proktitis
sind andere Infektionen, z.B. mit Shigellen oder Lamblien (siehe oben),
chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn und Colitis
ulcerosa) sowie Chemikalien, Fremdkörper und Verletzungen. Die
Beschwerden einer Proktitis können sehr unterschiedlich sein. Sie
variieren in Abhängigkeit von der Ursache. Manche Menschen haben zu
Beginn der Erkrankung nur wenige Beschwerden. Andere klagen nur über
eine Berührungsempfindlichkeit am After oder über eine leichte
Irritation des Enddarms. Folgenden weitere Beschwerden werden angegeben:
Schmerzen und Gefühl des Wundseins, Gefühl der unvollständigen
Stuhlentleerung, Blutungen und eitrigem Ausfluss und schmerzhafte Krämpfe.
Im Falle einer Blutung kann die Proktitis auch mit einer Blutarmut
einhergehen, die in ausgeprägten Fällen zu blasser Gesichtsfarbe, Schwäche,
Schwindel und Kurzatmigkeit führt. Die
durch Bakterien und Viren verursachten Entzündungen des Enddarms werden
in den Kapiteln zu den jeweiligen Erregern besprochen und sollen hier
nur kurz Erwähnung finden. Die
Proktitis im Rahmen einer Gonorrhoe wird am häufigsten durch rezeptiven
(aufnehmenden) Analverkehr verursacht. Die meisten Menschen geben keine
Beschwerden an. Manche klagen aber auch über Schmerzen, Juckreiz,
Durchfälle oder blutigen bis eitrigen Ausfluss aus dem After. Viele
Erkrankte haben auch andere Probleme wie Feigwarzen, Risse am Enddarm (Analrhagaden),
Hämorrhoiden oder Fisteln (entzündliche Gänge in und unter der Haut).
Die
Proktitis, die durch eine Syphilis verursacht wird, verläuft bei vielen
Menschen unbemerkt, obwohl sie einen typischen Ablauf hat. Nachdem im
ersten Stadium ein schmerzloses Geschwür aufgetreten ist, das mit einer
Lymphknotenschwellung einhergeht, sieht man im zweiten Stadium nässende,
warzige Wucherungen am den After. Diese heißen Condylomata lata und
sind sehr ansteckend. Eine
Proktitis durch Chlamydien ist sehr häufig und wird unter den sexuell
übertragbaren Krankheiten (STD) mit über 20% angegeben. Die
Beschwerden können sehr unterschiedlich sein und in ausgeprägten Fällen
zu Verwachsungen im Bereich des Enddarms führen, die Probleme bei der
Stuhlentleerung machen. Eine
Proktitis durch Herpes simplex-Viren ist in der Regel schmerzhaft und
kann im Gegensatz zu anderen Entzündungen des Enddarms zu
Schwierigkeiten beim Wasserlassen führen. Dies äußert sich z.B. in
einem schwächeren Harnstrahl, kann aber bis zum vollständigen
Harnverhalt führen. Verletzungen
am Darmausgang, bei denen der After gedehnt wird oder einreißt, sind
eine wichtige Ursache für Enddarmentzündungen. Sie werden am häufigsten
bei Menschen gesehen, die sich Fremdkörper in den After eingeführt
haben oder rezeptiven Analverkehr hatten. In diesem Zusammenhang ist es
wichtig, die Krankengeschichte behutsam und sorgfältig zu erheben. Eine
allergische Proktitis wird z.B. durch Inhaltsstoffe in Kondomen oder
Gleitmitteln oder andere am After verwendete Substanzen verursacht
werden. Hierbei treten Rötungen und Schwellungen auf, die bis zu
Allgemeinbeschwerden wie Atemnot oder Kreislaufstörungen reichen können.
Es sollte auf jeden Fall eine allergologische Beratung und ggf. Testung
erfolgen. Die auslösende Substanz muss zukünftig natürlich gemieden
werden. Auch
die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa und
Morbus Crohn) können mit einer Proktitis einhergehen. Während die
Colitis ulcerosa typischerweise am Enddarm beginnt, kann der Morbus
Crohn an jeder Stelle des Verdauungstraktes vom Mund bis zum After
auftreten. Die Ursache beider Erkrankungen ist unklar. Es spielen aber
folgende Faktoren eine Rolle: das körpereigene Immunsystems,
Erbfaktoren und die Ernährung sowie allergische und psychologische Auslösemechanismen.
Eine infektiöse Ursache wurde immer wieder diskutiert, konnte aber bis
heute nicht nachgewiesen werden. Das typische Symptom der Colitis
ulcerosa sind blutige Durchfälle, während die Beschwerden beim M.
Crohn im Rahmen der Proktitis sehr unterschiedlich sein können. Zur Diagnosestellung muss der Arzt zunächst die
Krankengeschichte erfragen. Bei der
nachfolgenden körperlichen Untersuchung wird der After mit dem
Finger ausgetastet. Möglicherweise muss der Darmausgang (= Anus)
anschließend mit Hilfe eines Gerätes, das dem bei einer frauenärztlichen
Untersuchung ähnelt, untersucht werden (= Proktoskopie). Gegebenenfalls
werden spezielle Instrumente verwendet, mit denen man tiefer in den
Enddarm hineinschauen kann (Rektoskopie). Bei beiden Untersuchungen kann
ggf. auch eine tiefe Schleimhautprobe entnommen werden. Zudem können
Abstriche für mikrobiologische Untersuchungen und eine Blutentnahme
gemacht werden. Die Behandlung der Proktitis richtet sich nach der
Ursache. Bei infektiösen Ursachen wird in der Regel eine
Antibiotika-Therapie mit Tabletten durchgeführt. Bei sexuell übertragbaren
Erkrankungen sollten die Betroffenen vorbeugend über die Empfehlungen
zum safer sex, wie sie für die HIV-Infektion gelten, aufgeklärt
werden. Allerdings bietet auch die Befolgung dieser Empfehlungen keinen
sicheren Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Bei chronisch
entzündlichen Darmerkrankungen gestaltet sich die Behandlung
schwieriger. Häufig müssen Medikamente gegeben werden, die das körpereigene
Immunsystem unterdrücken. Die Behandlung erfolgt oftmals über Jahre
oder sogar ein Leben lang. Patienten
mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen haben ein erhöhtes
Darmkrebsrisiko und sollten deshalb regelmäßige Kontrolluntersuchungen
machen lassen. Das Analkarzinom
Das Analkarzinom ist eine seltene Variante des Dickdarmkrebses, die am Darmausgang auftritt. Es entwickelt sich aus Vorstufen (anale intraepitheliale Neoplasien), die in der Regel durch das Humane Papilloma Virus (HPV) Typ 16 ausgelöst werden. Ein Verdacht auf ein Analkarzinom kann bestehen, wenn folgende Symptome oder Beschwerden auftreten: 1. Blutauflagerungen auf dem Stuhl, 2. Schmerzen beim Stuhlgang, 3. Juckreiz im Bereich des Afters. Zu Beginn der Erkrankung treten gar keine Beschwerden auf. Da die genannten Symptome auch bei Hämorrhoiden auftreten können, werden sie manchmal sowohl vom Arzt als auch vom Patienten nicht wichtig genommen. Bei jeder Blutbeimengung im Stuhl sollte daher eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Als Risikofaktoren für ein Analkarzinom gelten chronische Infektionen und mechanische Beanspruchung. Weitere begünstigende Faktoren sind eine Schwächung des Immunsystems z.B. durch HIV oder bei Menschen nach Organtransplantation. Neben den Feigwarzen spielen häufige Infektionen z.B. mit Herpes simplex-Viren, Chlamydien oder Tripper eine Rolle. Eine erhöhte mechanische Beanspruchung geschieht durch rezeptiven (passiven) Analverkehr und länger bestehende Verletzungen oder Wunden im Analbereich, z.B. bei chronischen Fisteln (entzündliche Gangbildung unter der Haut). Die Häufigkeit des Analkarzinoms ist
nach Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) bei
HIV-Patienten deutlich angestiegen. Dies wird zum einen durch die erhöhte
Lebenserwartung von Menschen mit HIV erklärt. Andererseits spielt die
Erkrankung mit dem Humanen Papilloma Virus (HPV) eine entscheidende
Rolle. Einige Ärzte, die sich auf die Behandlung von Erkrankungen des
Enddarms spezialisiert haben (= Proktologen), raten sowohl Frauen als
auch Männern zu regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen. Durch die
Untersuchung des Darmausganges (= Proktoskopie) und das Anfertigen von
Abstrichen können Frühstadien von Krebs rechtzeitig erkannt und
behandelt werden. Grundsätzlich sollte diese Untersuchung bei allen
Menschen mit HIV jährlich durchgeführt werden.
Besonders wichtig ist sie bei Männern mit niedriger
Helferzellzahl, lange bestehendem HIV-Infekt und rezeptivem (passivem)
Analverkehr. Aber auch Frauen mit HIV, die bereits Gebährmutterhalskrebs
(Zervixkarzinom) oder Vorstufen hatten, und Menschen mit HIV, die schon
einmal Feigwarzen am After hatten, haben ein höheres Risiko, ein
Analkarzinom zu bekommen. Die Therapie des Analkarzinoms hat sich in den letzen
Jahrzehnten deutlich verändert. Während früher häufig der gesamte
After operativ entfernt wurde und die Erkrankten einen künstlichen
Darmausgang erhielten, ist diese Behandlung heute die Ausnahme, die nur
bei sehr fortgeschrittenen Erkrankungen gerechtfertigt ist. Heute wird
das Analkarzinoms in der Regel mit Hilfe einer sogenannten
Radio-Chemotherapie behandelt. Hierbei wird die erkrankte Haut und
Schleimhaut einer Strahlentherapie unterzogen und parallel eine
“relativ milde” Chemotherapie über Infusionen durchgeführt. Die
Behandlung dauert 4-6 Wochen. Die Chance das Analkarzinom mit dieser
Behandlung zu heilen liegt heute bei bis zu 90%. Nur wenn das
Analkarzinom sehr klein ist, genügt es, das erkrankte Haut- bzw.
Schleimhautareal herauszuschneiden. Hierbei wird der Schließmuskel
nicht verletzt. Nach erfolgreicher Behandlung sind regelmäßige
Kontrolluntersuchungen zunächst alle 3 Monate erforderlich. Wurmerkrankungen
Beim
Menschen kommen Saugwürmer, Bandwürmer und Fadenwürmer als Parasiten
vor. Die
wichtigste Erkrankung, die durch Saugwürmer übertragen wird, ist die Schistosomiasis
oder Bilharziose. Sie wurde nach dem Entdecker Theodor Bilharz
benannt. In den tropischen und subtropischen Gebieten wird der Befall
von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf 250-300 Millionen Menschen
geschätzt. Die Übertragung geschieht niemals von Mensch zu Mensch,
sondern erfolgt über Süßwasserschnecken. Somit ist das Vorhandensein
von Süßwasser notwendig, aus möglichst nicht bzw. nicht stark fließenden
Gewässern, deren Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius liegen darf.
Die verschiedenen Schistosomiasis-Arten sind unterschiedlich verbreitet.
Man findet sie in Afrika, Mittel- und Südamerika und Asien. Der Mensch
infiziert sich z.B. über verseuchtes Wasser durch sogenannte Zerkarien,
die unter anderem beim Baden in einem Süßwassergewässer in die Haut
oder durch Trinken verseuchten Wassers über die Schleimhaut eindringen.
Allerdings kann auch Wasser ins Meer fließender Flüsse noch eine
gewisse Strecke zerkarienhaltig sein. Besonders dort, wo keine
hygienisch einwandfreien Trinkwasser- und Sanitätseinrichtungen
bestehen, eine bevorzugt landwirtschaftlich arbeitende Bevölkerung künstlich
Felder bewässert (Reisanbau), mit Fäkalien düngt usw. und die
Bedingungen für das Vorhandensein der Wasserschnecken vorliegen, sind
die Voraussetzungen für eine Schistosomiasis-Infektion gegeben. Die
Symptome sind weitgehend uncharakteristisch. Sie sind abhängig von der
Stärke des Befalls und dem jeweiligen Entwicklungsstand des Parasiten.
Nach wiederholtem Befall entsteht durch die Übertragung über die Haut
Juckreiz in den betroffenen Bereichen. Zudem werden unspezifische
Symptome wie erhöhte Temperatur, Abgeschlagenheit, Kopf- und
Gliederschmerzen angegeben. Schließlich treten blutig-schleimige Stühle
bzw. der Wechsel von Durchfall und Verstopfung auf. In schweren Fällen
kann auch die Leber und Milz geschädigt werden. Die Diagnose wird durch
den mikroskopischen Nachweis des Erregers im Stuhl gestellt. In
Speziallabors kann die Diagnose auch über eine Blutuntersuchung
gestellt werden. Die
Erkrankung wird in Deutschland gelegentlich bei Urlaubern und
Menschen aus tropischen und subtropischen Ländern beobachtet. Nach
Diagnosestellung erfolgt eine gezielte medikamentöse Therapie. Die
Therapiekontrollen in Form von Stuhluntersuchungen sollten über einen
Zeitraum von 6-8 Monaten erfolgen. Zur
Vorbeugung sollten bei Fernreisen in die betreffenden Länder folgende
Regel befolgt werden: Niemals in stehende oder langsam fließende Gewässer
ohne wirksame Schutzkleidung (Gummistiefel usw.) arbeiten, Hände
eintauchen (Reisfelder) oder baden. Niemals unabgekochtes Wasser
trinken, da die Zerkarien zwar durch den Magensaft abgetötet werden,
jedoch bereits durch die Mundschleimhaut in den Körper eindringen können. Schweine-
und Rinderbandwurm sind häufige beim Menschen vorkommende Wurmerkrankungen. Die Vorstufen
der Bandwürmer (Larven) entwickeln sich im Rind bzw. Schwein. Die
Erkrankung des Menschen erfolgt durch den Verzehr von rohem, ungenügend
gekochtem oder zu schwach geräuchertem verseuchtem Rind- bzw.
Schweinefleisch. Da in Deutschland Schweinefleisch wesentlich seltener
roh verzehrt wird, tritt die Erkrankung mit dem Schweinbandwurm auch
seltener auf. Beide Bandwurmarten sind aber weltweit verbreitet und
weitgehend von den Lebens- und Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung
bestimmt. Nach geschätzten Angaben der WHO sind derzeit 6-10 Millionen
Menschen mit dem Schweinebandwurm und 60-70 Millionen mit dem
Rinderbandwurm infiziert. Bandwurm-Erkrankungen
bleiben oft lange Zeit unerkannt. Folgende unspezifischen Symptome
werden angegeben: Bauchschmerzen, Brechreiz, Übelkeit, Schwäche,
Gewichtsverlust, erhöhter Appetit, Kopfschmerzen, Verstopfung,
Schwindel, Durchfall und Juckreiz am After. Hinzu kommen unter Umständen
allergische Reaktionen, wie Hauterscheinungen und Asthma. Die
Diagnose wird durch den Nachweis von Wurmteilen gestellt, die über den
Stuhl ausgeschieden werden. Mikroskopisch kann dann die Wurmart bestimmt
werden. Therapeutisch
werden Wurmmittel als Tabletten eingesetzt, die in Abhängigkeit vom Körpergewicht
dosiert werden. Die
beste Vorbeugung gegen Rinder- und Schweinebandwurm besteht darin,
menschliche Fäkalien von Tieren fernzuhalten, da die Übertragung vom
Menschen auf das Tier entscheidend ist. Eine sichere Vorbeugung besteht
im grundsätzlichen Verzicht auf den Verzehr von rohem oder halbgarem
Rinder- und Schweinefleisch. Auch der Genuss nicht ausreichend geräucherten
oder gepökelten Fleisches kann zu einer Infektion führen. Eine weitere
wichtige Vorbeugemaßnahme ist eine konsequente Fleischbeschau und
regelmäßige Kontrolluntersuchungen gefährdeter Personen. Von
den Fadenwürmern soll abschließend die Erkrankung durch den Madenwurm
Enterobius vermicularis, die mit einer Enterobiasis (= Oxyuriasis)
einhergeht, aufgeführt werden. Sie ist weltweit verbreitet und gilt in
den gemäßigten und kühleren Zonen der Erde als die häufigste
Fadenwurmerkrankung des Menschen. Die Ansteckung erfolgt durch Übertragung der
Eier direkt über verschmutzte Fingernägel, insbesondere bei Kindern,
bei denen die Hygienemaßnahmen nach Toilettenbesuch noch nicht eingeübt
sind (fäkal-oral). Es ist aber auch eine Ansteckung über verschmutzte
Gegenstände bzw. beim Händereichen von Mensch zu Mensch (Schmutz- und
Schmierinfektion) möglich. Die Wurm kann bis zu 13 mm lang werden. Nach
Angaben der WHO sind derzeit etwa 300-350 Millionen Menschen von Madenwürmern
befallen. Als typische Beschwerden werden Juckreiz am After
angegeben, der bei Bettwärme einsetzt. Demzufolge kann es zu
Kratzspuren bis zur Ausbildung eines Ekzems am After kommen. Weitere
Symptome sind unspezifisch. Die Diagnose erfolgt durch den mikroskopischen
Nachweis von Eiern mit Hilfe eines Analabstriches z.B. über einen
Tesa-Film-Abriss am After. Der Nachweis von Eiern im Stuhl ist unsicher
und deshalb nicht sinnvoll. Zur Behandlung stehen vorbeugende allgemeine
hygienische Maßnahmen im Vordergrund um wiederholte Ansteckung zu
vermeiden. Es können aber auch Medikamente in Tablettenform verabreicht
werden. Folgende vorsorgliche Maßnahmen werden empfohlen: Sorgfältige Körperpflege, insbesondere der Analregion und der Hände (kurze Fingernägel, Händewaschen nach jedem Toilettenbesuch). Vernichtung der Eier in der Bett- und Leibwäsche durch Kochen der Wäsche. Gelingt es durch ausreichende Vorsorge, eine Neuinfektion zu verhüten, hört eine Oxyuriasis nach etwa 13 Wochen von selbst auf. Anschrift der Autoren: Ruhr-Universität
Bochum
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