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2001 waren weltweit ca. 40 Mill. Menschen mit HIV infiziert.
Die Verteilung in den einzelnen Kontinenten
und die Verteilung der HIV-Subtypen ist Bild 1 zu entnehmen.


Bild 1

Das menschliche Immunschwächevirus (englisch: Human immuno defiency virus, kurz: HIV) ist ein Retrovirus aus der Gruppe der Lenti-Viren. Das Virus hat die Form eines Ikosaeders
Zwanzigflächner) und weist eine äußere Hülle mit einer Fettmembran auf, aus der kugelförmige
“Andockproteine” herausragen. Im Viruskern befindet sich die Erbsubstanz des Virus in Form von RNS (Ribonukleinsäure) (siehe Bild 2).

Bild 2

Das Virus wird über Blut und Samenflüssigkeit durch Sexualverkehr, Austausch von
Spritzenutensilien unter Drogenabhängigen und von der Mutter auf das Kind während der
Schwangerschaft bzw. während der Geburt übertragen. Ferner kann eine Infektion über infizierte Blutprodukte erfolgen.
Im menschlichen Körper heftet sich das Virus an bestimmte Formen von weißen Blutkörperchen an (T-Helferzellen, Makrophagen, Monozyten). Die kugelförmigen Andockproteine des Virus reagieren dabei mit bestimmten Oberflächenstrukturen der menschlichen Zelle (Rezeptoren). Eine besondere Rolle spielt dabei der sogenannte CD4-Rezeptor. Zudem ist der Eintritt des Virus in die menschliche Zelle an das Vorhandensein weiterer Rezeptoren auf der menschlichen Zellmembran gebunden (sog. Chemokin-Rezeptoren: CCR-5 und CXCR4). Unterschiedliche Virusstämme benötigen zum Eintritt in die menschliche Zelle unterschiedliche Chemokin-Rezeptoren.
CCR-5 vermittelt meistens in der Frühphase der HIV-Infektion  die Infektion  von Zellen durch Viren, die einen sog. M-Tropismus aufweisen. Liegen in diesem Rezeptor Mutationen
(Rezeptorveränderungen) vor, scheint es zu einem günstigeren immunologischen und virologischen Ansprechen einer antiretroviralen Therapie zu kommen. Der CCR-5 Rezeptor kann  durch bestimmte körpereigene Proteine (MIP-1alpha, MIP-1beta, RANTES) gehemmt werden. Man hat auch versucht, den CCR-5 Rezeptor medikamentös zu hemmen und damit den Eintritt von HIV in die menschlichen Zellen zu blockieren; diese Medikamente konnten jedoch am Menschen nicht erfolgreich angewendet werden. CXCR-4 vermittelt meistens in der Spätphase der HIV-Infektion die Infektion von Zellen mit Viren, die einen sogenannten T-Tropismus aufweisen. Das T steht für permanente T-Zelllinien. Der Rezeptor ist über das körpereigene Protein SDF-1 blockierbar.
Auch die sog. Fusionsinhibitoren entfalten ihre Wirkung beim Eintritt des HI-Virus in die Wirtszelle. Hierbei spielen die viruseigenen Glykoprotein gp120 und gp 41 eine wichtige Rolle. Gp 41 wird beispielsweise durch den Fusionsinhibitor T20 gehemmt. Im Reagenzglas erwies sich T20 als ein potenter Hemmer sowohl von HIV-1 als auch von HIV-2. Auch beim Menschen konnte unter einer T20-Dauerinfusion eine Reduktion der Plasmaviruslast erzielt werden. Derzeit laufen weitere klinische Studien, in denen T20 2x tgl. subcutan (unter der Haut) verabreicht wird.

 

Nach Eintritt des Virus in die menschliche Zelle wird die virale Erbsubstanz (RNS) in die für den
Menschen typische DNS (Desoxiribonukleinsäure) umgeschrieben. Dieser Vorgang wird durch das virale Enzym Reverse Transkriptase vermittelt. Die Hemmung der reversen Transkriptasen wird seit über 10 Jahren durch Medikamente betrieben. Die Substanzen mit den Kürzelnamen ACT, 3TC, DDC, D4T, DDI, ABC sind heute Bestandteil fast jeder Kombinationstherapie der HIV-Infektion. Während der Vermehrungsphase des Virus in der menschlichen Zelle werden unterschiedliche Regulatorgene (tat, nef, env) ausgebildet. Auch eine medikamentöse Hemmung dieser Regulatorgene wäre denkbar. Entsprechende Medikamente konnten bisher jedoch noch nicht entwickelt werden bzw. haben sich als unwirksam erwiesen. Nachdem die Erbsubstanz von RNS auf DNS umgeschrieben ist, wird diese in den menschlichen Zellkern transportiert und durch ein weiteres Virusenzym, die sog. HIV-Integrase in die Erbsubstanz des Menschen integriert. Die medikamentöse Hemmung dieses Virusenzyms ist bisher nicht gelungen.

Der Zusammenbau infektiöser Viren ist ein mehrstufiger Prozess, in dem zunächst der Viruskern
im Bereich der menschlichen Zellmembran zusammengebaut wird. Dieser Viruskernkomplex
durchdringt anschließend die Zellmembran und erhält hierbei die typischen Virushüllproteine (gp
120, gp 41). Anschließend ist die Aktivität eines weiteren Virusenzyms erforderlich (HIV-Protease) um infektiöse Viren zu produzieren, die in der Lage sind, an neue Zielzellen zu binden und anschließend in sie einzudringen. Dieser letzte Schritt des Vermehrungszyklus von HIV kann durch sogenannte Proteaseinhibitoren unterbrochen werden. Es entstehen dann nur unreife, in ihrer Infektiösität eingeschränkte Viren, die nicht mehr in der Lage sind,  menschliche Zellen zu infizieren. Die Proteaseinhibitoren dürfen nur zusammen mit Hemmern der reversen Transkriptase eingesetzt werden, weil es anderenfalls rasch zur Ausbildung von sog. Resistenzen kommen würde. Bei resistenten Viren handelt es sich um lebensfähige Mutationen des Ursprungsvirus, die eine große Variabilität ihrer Erbsubstanz aufweisen. Mutanten, die gegen die verfügbaren Medikamente resistent sind, verdrängen innerhalb von Wochen bis Monaten den ursprünglich vorherrschenden Virusstamm und führen zu einer Unwirksamkeit der Therapie.

 Trotz der Entwicklung der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) gelten auch weiterhin zur Verhütung einer HIV-Infektion der sogenannte “Safer Sex”. Obwohl die Virusbelastung im Sperma deutlich abgesenkt werden kann, hat man zeigen können, daß weiterhin vermehrungsfähiges Virus in den Samenzellen vorhanden ist, und daß dieses dann auch übertragbar ist.

 

Gene, die die HIV-Infektion, den Krankheitsverlauf und das Fortschreiten zu AIDS beeinflussen

Allele Vererbungsmodus Effekt
CCR5 delta 32

rezessiv

verhindert Infektion

CCR5 delta 32

dominant

verhindert Lymphome

CCR5 delta 32

dominant

verzögert Verlauf

     
CCR5 P1

rezessiv

beschleunigt Verlauf

     
CCR2 64I

dominant

verzögert AIDS

     
SDF1 3´A

rezessiv

verzögert AIDS

     
HKA A,B,C2
"homozygot"

co-dominant

beschleunigt AIDS

     
HLA B*35 co-dominant beschleunigt AIDS
     
HLA C*04 co-dominant beschleunigt AIDS
     
IL10 5`A dominant limitierte Infektion
IL10 5`A dominant beschleunigt AIDS