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Plattenepithelkarzinom

Unter Kryochirurgie versteht man die lokale Anwendung extremer Kälte mit dem Ziel, einen definierten Gewebsuntergang zu erzielen. Das abzutötende Gewebe sollte mit einer Mindesttemperatur von Minus 30 Grad Celsius eingefroren werden. Die Kryochirurgie erfolgt heute am einfachsten durch die Anwendung von flüssigem Stickstoff, der eine Temperatur von Minus 195,8 Grad Celsius hat.

Die Kälte kann zum einen direkt, d. h. durch Aufsprühen des Kryogens im s. g. offenen Sprayverfahren, zum anderen aber auch indirekt über eine Kryosonde appliziert werden, durch die der Stickstoff hindurchfließt (geschlossenes Kontaktverfahren). Der Vorteil des offenen Sprayverfahrens ist, daß das Kryogen unmittelbar auf die Oberfläche einwirkt. Dadurch kann bei unregelmäßiger Oberflächenstruktur, bei denen der direkte Kontakt zu einer planen Sonde nicht möglich ist, trotzdem eine ausreichende Kryogenwirkung entstehen. Außerdem gibt es beim Sprayverfahren keine durch die Sondengröße vorgegebenen flächenhaften Limitierungen. Beim geschlossenen Kontaktverfahren läßt sich das Kryogen bei planen Oberflächen besonders gleichmäßig und definiert anwenden.

Der kryochirurgische Eingriff bedarf, wie alle chirurgischen Eingriffe, einer detaillierten Aufklärung, da einige Nebenwirkungen nahezu obligatorisch auftreten und bis zu einem gewissen Maße auch als Zeichen einer ordentlichen Behandlung zu werten sind. Da es im Rahmen des kryochirurgischen Eingriffes zu einer Gewebedestruktion kommt, muß vorher die Diagnose probebioptisch gesichert werden. Kryochirurgie ohne vorherige Entnahme einer Probebiopsie ist nur in wenigen Ausnahmefällen statthaft.

Der Kryodefekt muß zur Seite präzise begrenzt werden. Beim geschlossenen Kontaktverfahren ist dies unproblematisch, da die Sondengröße die Behandlungsfläche vorgibt. Beim offenen Sprayverfahren hingegen muß die umgebende gesunde Haut sorgfältig isoliert werden. Dies gelingt am besten durch einen Silikonkautschuk, der sich entsprechend modellieren läßt.

 

Besonders wichtig erscheint es, die tiefen Ausdehnungen der kryochirurgisch zu behandelnden Veränderungen präoperativ präzise abzugrenzen. Dies gelingt über eine Probebiopsie und/oder die hochauflösende Sonographie. Während der Behandlung selbst kontrollieren dann Temperaturfühler unmittelbar unter der zu störenden Läsion die ausreichende Tiefe des Eiskegels. Kryochirugie
Mittels der Kryochirugie
können sehr oberflächlich
wachsende Hautkrebse oder
Vorstufen von Hautkrebs
behandelt werden.

Indikationen und Kontraindikationen

Geeignet zur Kryochirurgie sind gut- und  bösartige Neubildungen der Haut sowie verschiedene chronische Entzündungen der Haut. Zu nennen sind aktinische Keratosen, die Lentigo seniles und die Lentigo maligna soweit hier Invasivität, d. h. Tiefenausdehnung sicher ausgeschlossen ist. Hautveränderungen, wie die aktinische Keratose, Morbus Bowen, Cheilitis aktinica und Leukoplakien sowie die Lentigo maligna als in situ Melanom bedürfen einer strengen Nachsorge. Dies gilt um so mehr für infiltrierend wachsende Tumor, wie Basaliome (Basalzellkarzinom) und Plattenepithel-Carcinome sowie Kaposi-Sarkome. Insbesondere bei Patienten, die eine Skalpell-Chirurgie ablehnen, die marcumarisiert sind oder bei denen eine lange Operationsdauer aufgrund des hohen Lebensalters nicht in Frage kommt, ist die Kryochirurgie eine gute Alternative.

Grundsätzlich von einer kryochirurgischen Behandlung auszuschließen sind Patienten mit einer Kryoglobulinämie, da es hier zu unberechenbaren Ausdehnungen der Kältenekrose kommen kann. Kontraindiziert ist die Kryochirurgie ebenfalls, bei einer Kälteurticaria oder bei Läsionen über größeren Gefäßen, wie etwa der Arteria temporalis. Weitere Kontraindikationen sind das Raynandsyndrom, arterielle Verschlußkrankheiten und systemischer Lupus erythematodes.

Strenge Maßstäbe müssen bei Basaliomen und bei Plattenepithelkarzinomen angelegt werden. Auszuschließen sind Tumore mit unscharfer klinischer Begrenzung, unscharfer sonographischer Begrenzung zur Tiefe, Größe über 2 cm sowie Rezidivtumore. Tumore in Hautumschlagsfalten sind auszuschließen, da hier eine ausreichende Wirkung des Kryogens nicht sicher zu gewährleisten und die Rezidivrate in diesen Arealen deutlich erhöht ist.

Grundsätzlich werden von uns auch Basaliome, die das mittlere Drittel des Coriums überschreiten, nicht mehr kryochirurgisch therapiert, da hier die Nekrosetiefe das subcutane Fettgewebe mit erfassen müßte. Dies führt zu lang andauernden Heilungsverläufen, die zu dem noch durch Sekundärinfekte kompliziert werden könnten.

Kryoreaktionen und Komplikationen

Nach jedem kryochirurgischen Eingriff treten bestimmte Reaktionen auf, die je nach Lokalisation des Eingriffes und Intensität des Einfrierens deutlichen Schwankungen unterliegen. Hier muß der Patient im Rahmen der präoperativen Aufklärung sorgfältig informiert werden.

Unmittelbar nach dem Auftreten der eingefrorenen Läsion kommt es zu einer umschriebenen Rötung, die im Verlauf von Minuten bis Stunden in eine Schwellung übergeht. Während die Rötung auf das Gefrierareal begrenzt ist, kann die Schwellung deutlich darüber hinaus gehen. Bei Behandlungen im Bereich des Auges kann es zu starken Lidschwellungen kommen, die sogar das Sehvermögen beeinträchtigen können. Auch bei einseitiger Behandlung sind beidseitige Lidschwellungen möglich. Kühlungen mit Eisbeuteln bzw. Kühlaggregaten sowie die interne Gabe von abschwellenden Medikamenten können das Ausmaß der Schwellung einschränken. Innerhalb der Schwellung (Oedem) entsteht häufig eine Blase als Ausdruck der Hautablösung.

Ein bis zwei Tage nach dem Eingriff kommt es regelmäßig zu einer nässenden Hautläsion, so daß die Wunden mit besonders saugkräftigen Wundverbänden versorgt werden müssen.

Nach Abklingen der Wirkung des Lokalanaesthetikums haben die Patienten in aller Regel lediglich mäßige Schmerzen. Schmerzmedikationen sind dann nur in seltenen Fällen erforderlich.

Es sei noch einmal betont, daß die genannten Reaktionen nicht als Komplikation, sondern als obligate Nebenwirkungen der Therapie aufzufassen sind. Echte Komplikationen sind die Seltenheit. Während der Wundheilung kann es zur Wundinfektion und zu Wundrosen kommen. Seltenere Komplikationen sind Nervenschäden. Relativ häufig sind Pigmentverschiebungen. Durch die erhöhte Kälteempfindlichkeit der pigmentbildenden Zellen können die behandelten Areale nach Abschluß der Wundheilung entweder vermehrt oder vermindert pigmentiert sein.

Weitere Komplikationen sind hypertrophe Narben, Milien und Wundheilungsstörungen.

Spezielle Anwendungen

Aktinische Keratosen, Cheilitis aktinica, Leukoplakien.

Die Behandlung aktinischer Keratosen wird in aller Regel chirurgisch etwa durch Kürettage erfolgen. Bei ausgedehnten aktinischen Keratosen kann jedoch die Kryochirurgie indiziert sein, da man hier eine gleichmäßige Ablösung der oberen Hautschicht (Epidermiolyse) erreicht. Besonders günstig hingegen ist die Kryochirurgie bei der Cheilitis actinica. Mit großer Sicherheit läßt sich hier eine präzise Epidermiolyse erreichen. Das kosmetische Ergebnis ist in aller Regel hervorragend.

Zu beachten ist, daß gerade im Bereich der Schleimhäute besonders ausgeprägte Schwellungen und postoperatives Ausschwitzen von Wundflüssigkeit auftreten können. Aufgrund der hervorragenden Durchblutung heilen die Läsionen jedoch rascher ab als im übrigen Körper. Leukoplakien im Mund sind nach histologischer Sicherung der Kryochirurgie hervorragend zugänglich. Aufgrund der kräftigen postoperativen Schwellungen sollten jedoch nur kleinflächige Leukoplakien ambulant angegangen werden. Die Kryochirurgie in diesem Bereich hat den großen Vorteil, daß eine narbige Schrumpfung des behandelnden Schleimhautbezirkes und die daraus folgenden Funktionseinschränkungen weitgehend vermieden werden, da die Gewebsstrukturen in den unteren Hautschichten erhalten bleiben.

Lentigo maligna

Pigmentbildende Zellen (Melanozyten) weisen eine besondere Kälteempfindlichkeit auf. Diese werden bereits bei Temperaturen von Minus 4 bis Minus 7 Grad Celsius zerstört. Bei der Lentigo maligna als eine Melanoma in situ ist das Wachstum maligner Zellen auf die obere Hautschicht beschränkt. Aufgrund der oberflächlichen Lokalisation der Lentigo maligna und der vermehrten Kälteempfindlichkeit der Melanozyten lassen sich durch die Kryochirurgie hohe Heilungsraten erreichen. Durch die regelmäßig größere Ausdehnung und Lokalisation in exponierten Arealen stellt die Kryochirurgie eine wichtige Alternative zum operativen Vorgehen dar, da sich hierdurch hervorragende kosmetische Ergebnisse erzielen lassen.

Säuglingshämangiom

Haemangiome sind Gefäßneubildungen, die sich im ersten Lebensjahr oft innerhalb weniger Wochen entwickeln und dann in auf eine Jahre dauernde Rückbildungsphase übergehen.

Eine kryochirurgische Behandlung aus kosmetischer Indikation sollte innerhalb der ersten drei Tage nach Auftreten der Hämangiome erfolgen. Bewährt hat sich hier das Kontaktverfahren. Die Sonde wird hier bis auf Minus 196 Grad Celsius vorgefroren und dann für 10 bis 20 Sekunden, je nach Größe und Lokalisation des Hämangioms, aufgesetzt.

Hypertrophe Narbe und Keloid

Hypertrophe Narben stellen Bindegewebswucherungen dar, die den Narbenrand nicht überschreiten. Die Neigung zur Spontanrückbildung innerhalb der ersten 1 ½ bis 3 Jahre ist groß, lediglich eine stark verzögerte Rückbildungstendenz oder ein sehr ausgedehnter Befund rechtfertigen den Einsatz der Kryochirurgie. Bei Keloiden kommt es zu Bindegewebswucherungen, die die Grenze der Primärnarbe überschreiten. Die Prognose ist erheblich schlechter als bei hypertrophen Narben, so daß hier ein kryochirurgisches Vorgehen eher angezeigt ist. Zuvor sollten jedoch nicht operative Therapieverfahren für die Unterspritzung mit Triamzinolon-Kristall-Suspension (z. B. Volon A 10, 1 : 2 gemischt mit Scandicain, einem Lokalanesthetikum) versucht werden. Aufgrund des prominenten Wachstums über die Hautoberfläche hinaus ist in erster Linie das offene Sprayverfahren einzusetzen.

Lichen sklerosus et atrophicans

Wenn konservative Therapieversuche ausgeschöpft sind, kann mittels Kryochirurgie versucht werden, einerseits den Entzündungsprozeß zu stoppen, andererseits funktionell befriedigende Narbenbildungen zu erreichen. Die Kryochirurgie kommt insbesondere für stark juckende Veränderungen im Genitalbereich in Frage.

Bei einer Indikation zur Kryochirurgie sind in der Regel großflächige Areale betroffen. Dementsprechend kommt es zu großflächigen Erosionen, so daß in der Regel ein kurzzeitiger stationärer Aufenthalt angezeigt ist.

Granuloma anulare

Die Möglichkeiten der Therapie des Granuloma anulare sind beschränkt. Daher ist in hartnäckigen Fällen die Kryochirurgie ein wichtige Ergänzung des therapeutischen Spektrums. Hierbei sind bereits niedrige Gefriertemperaturen, wie man sie mit Stickoxyd erreicht, ausreichend.

Kaposi-Sarkom

Kaposi-Sarkome im Rahmen einer HIV-Erkrankung können häufig in einer großen Zahl bei den Betroffenen auftreten. Dies kann zu einer Stigmatisierung des HIV-Patienten führen. Aus Sicht des Patienten ist gerade bei multiplen Läsionen die Kürze des kryochirurgischen Eingriffes positiv zu werten.

Lupus erythematodes chronicus discoides

Die in auffallender Lage im Gesicht liegenden Läsionen des Lupus erythematodes chronicus discoides können für den Patienten eine erhebliche Belastung darstellen. An erster Stelle bei der Behandlung des Lupus erythematodes chronicus discoides stehen konservative Maßnahmen, wie konsequenter Lichtschutz, interne Resochin-Medikation sowie lokale Behandlungen mit Glucocorticosteroiden als Salben und Kristallsuspension-Injektionen. Bei chronisch bestehenden Herden, die auch unter den genannten Therapien konstant bestehen, kann ein kryochirurgisches Vorgehen indiziert sein. Auszuschließen sind jedoch Herde im frischen Entzündungsstadium. Nach kryochirurgischer Behandlung kommt es zur Ausprägung einer weichen, funktionell und kosmetisch befriedigenden Narbe, die in aller Regel etwas hypopigmentiert ist. Dies stellt im Vergleich zu dem derben plattenartigen narbigen Abheilungsstadium bei Spontanverlauf durchaus eine befriedigende Lösung dar.

Basalzellkarzinom (Basaliom)

Das wichtigste Therapieziel des Basalioms ist die vollständige Entfernung des Tumors. Kosmetische und funktionelle Aspekte sind diesem primären Therapieziel nachgeordnet, haben jedoch für den Patienten eine große Bedeutung.

Das die Kryochirurgie im Gegensatz zur mikrographisch kontrollierten Chirurgie nicht die Möglichkeit einer Schnittrandkontrolle beinhaltet, dürfen nur Basaliome, die klinisch eindeutig zur Seite abgrenzbar sind, kryochirurgisch behandelt werden. Da mit zunehmender Basaliomgröße das Ausmaß des Tiefenwachstums steigt, ist zumindest ein Durchmesser von über 2 cm ein Ausschlußkriterium. Je oberflächlicher ein Basaliom ist, um so sicherer läßt sich die vollständige Zerstörung des Tumorgewebes durch die Kryochirurgie gewährleisten. Basaliome, die tiefer in die Haut eindringen, können mittels der hochauflösenden Sonographie mit ausreichender Sicherheit erkannt und von der kryochirurgischen Behandlung ausgeschlossen werden. Eine Alternative zur Sonographie stellen zumindest bei den kleinen Basaliomen präoperativ entnommene Stanzbiopsien dar. An Lokalisationen wie der Nase und der Lippenfalte, dem Nasenflügelansatz läßt sich der Kryostempel häufig nicht so plazieren, daß ein optimaler Kältefluß zwischen Stempel und Tumoroberfläche besteht. In geringerem Maße betrifft dieses Problem auch das offene Sprayverfahren. Das besondere Wachstumsverhalten mit frühzeitiger Tiefeninvasion ist ein wichtiger Grund dafür, Basaliome in Hautumschlagsfalten nicht kryochirurgisch zu behandeln.

Ausschlußkriterien der Kryochirurgie des Basalioms

Unscharfe klinische Begrenzungen, unscharfe sonographische Begrenzungen, Größe über 2 cm,
Lage in Hautumschlagsfalten, Rezidiv.

Plattenepithelkarzinom

Für das Plattenepithelkarzinom gelten ähnliche Richtlinien wie für das Basaliom. Die Indikation zur Kryochirurgie wird dabei im allgemeinen seltener gestellt, da Plattenepithelkarzinome häufiger unscharf begrenzt sind. Wie auch beim Basaliom haben kryochirurgische Eingriffe außerhalb des Gesichtsbereiches den Nachteil einer häufig verlängerten Wundheilung, so daß hier andere chirurgische Verfahren zu bevorzugen sind. Plattenepithelkarzinome der Mundschleimhaut sollten nicht kryochirurgisch behandelt werden. Aufgrund des unberechenbaren Wachstumsmusters und der höheren Metastasierungsrate muß hier eine sichere Schnittrandkontrolle gewährleistet sein.