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Patientenmerkblatt |
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Akne |
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Akne - Was ist das? Akne wird zu den Erkrankungen der Talgdrüsen gezählt und ist im Grunde eine Volkskrankheit, auch wenn sich die Veränderungen in unterschiedlicher Weise bei jedem Menschen darstellen. Entstehung der Akne Akne hat nicht nur eine Ursache - es gibt mehrere Faktoren, die für die Entstehung der Akne verantwortlich sind. Es gibt kein bestimmtes Kriterium dessen Vorhandensein oder Fehlen den Aknepatienten auszeichnet. Akne kommt praktisch bei fast allen Jugendlichen vor, wenn auch die Schwere der Erkrankung stark variiert. Die folgenden Faktoren sind es, die eine entscheidende Rolle in der Entstehung der Akne spielen: Talg
Dieser hat nun zwei Möglichkeiten der weiteren Entwicklung:
a) Geschlossener Komedo (whitehead)
b) Offener Komedo (blackhead) Lokalisation der Akne Die Akne befällt hauptsächlich Körperregionen mit großen oder vielen Talgdrüsen, also vor allem Gesicht und Rücken. Die Talgdrüsenfollikel mit dünnem Haar und ihren weiten Volumen sind ideal geeignet für eine Akne-Entstehung. Bei dem viel kleineren Vellushaarfollikel (Flaumhaar) und dem viel größeren Terminalhaarfollikel (z.B. Barthaar) kommt es nie zur Ausbildung einer Akne, da der Talg fehlt. In den großlappigen Talgdrüsenfollikel ist genügend Platz für dieAusbildung eines Komedo, der aus überschüssigem Hornmaterial, Talg und Bakterien besteht. Die sichtbaren Veränderungen (Effloreszenzen) sind meist Papeln (Knötchen) und Pusteln (Eiterbläschen). Einteilung der Krankheitsbilder Eine international anerkannte Klassifikation der Akne gibt es nicht, und somit ist der Vergleich von Angaben verschiedener Autoren über Häufigkeit, Schweregrad und therapeutische Ergebnisse fast unmöglich. Von verschiedenen Autoren wird eine Einteilung anhand der hauptsächlich auftretenden Hautveränderungen vorgeschlagen. Bei der Komedonen-Akne herrschen offene und geschlossene Komedonen vor. Es können auch entzündliche Läsionen vorhanden sein, jedoch sind definitionsgemäß nicht mehr als fünf pro Gesichtshälfte zulässig. Der Schweregrad der Komedonen-Akne ist dann an der Zahl der Komedonen pro Gesichtshälfte abzulesen.
Tab. 1.: Klinische Klassifikation der Akne (nach Plewig) Die Mehrzahl der
Patienten mit Komedonen-Akne leidet an Schweregrad I bis II, zeigt also
ein recht mildes Erscheinungsbild. Sonderformen a)
Kosmetika-Akne b) Akne
conglobata Akne fulminans
Therapie der Akne vulgaris Die früher ausschließlich auf Erfahrung beruhende Therapie der Akne vulgaris hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert, weil es gelang, wichtige Teilaspekte in der Entstehung der Erkrankung im Behandlungskonzept zu berücksichtigen. Die heutige Therapie kann zwar immer noch nicht alle krankheitserregende Aspekte der Akne beseitigen, jedoch setzt sie an den wichtigsten Faktoren der Entstehung an. Die Aknebehandlung kann an mehreren Punkten ansetzen:
Die zeitgemäße Aknetherapie ruht auf mehreren Säulen:
Benzoylperoxid Die Wirkung von Benzoylperoxid ist eine dreifache:
An unerwünschten Effekten des Benzoylperoxids sind seine Reizwirkung (Rötung, eventuell Brennen und zu starkes Abschuppen) und Austrocknung anzuführen. Eine krebserregende Wirkung konnte ausgeschlossen werden. In seltenen Fällen kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Benzoylperoxid wird schon in der Haut zu Benzoesäure und Sauerstoff metabolisiert. Der freigewordene Sauerstoff hemmt rasch, innerhalb von wenigen Stunden, die Bakterienzahl in den Talgdrüseninfundibula. Dadurch wird die Lipolyse, d.h. die Spaltung des Talges in Glycerin und freie Fettsäuren unterbunden. Da freie Fettsäuren komedogen und hautreizend wirken und zu Entzündungen des Follikels führen, kann die Lipolysehemmung durch Benzoylperoxid den Verlauf einer Akne günstig beeinflussen. Die klinische Wirksamkeit der Benzoylperoxid-Zubereitungen ist unbestritten, bei 80-90% der behandelten Patienten ist ein Therapieerfolg zu verzeichnen. Vitamin-A-Säure (Tretinoin) Für die Akne-Therapie relevant sind folgende Wirkungen der Retinoide:
Die Vitamin-A-Säure normalisiert den gestörten Verhornungsprozeß. Sie löst den Zusammenhalt verklebter Hornzellen und sorgt für ein Öffnen der Komedonen durch eine geregelte Steigerung der Proliferation in den Follikeln. Außerdem normalisiert sie krankhaft vergrößerte Talgdrüsen und wirkt antimikrobiell. Eigentlich das ideale Aknemittel, wenn nicht ein ganz entscheidender Nachteil vorliegen würde: Die Vitamin-A-Säure reizt extrem die Haut. Die Behandlung ist schwierig und erfordert Aufmerksamkeit und genaue Belehrung durch den Arzt sowie Verständnis und gewisse Kooperation vom Patienten. Der Patient muß über die zu erwartende Rötung, Juckreiz, Schuppung, Brennen und in vielen Fällen auch ein "Aufblühen" der Akne aufgeklärt werden. "Sonnenbrand aus der Tube" so wird eine Tretinoin-Behandlung oft genannt. Aus den genannten Gründen spielt die Tretinoin-Therapie im Vergleich zur Benzoylperoxid-Therapie in Europa nur eine untergeordnete Rolle. Anders ist es mit den Abkömmlingen der Vitamin-A-Säure, besonders dem Isotretinoin. Es hat seinen Siegeszug als orales Medikament gerade bei schweren Formen der Akne bei Jugendlichen, hauptsächlich Männern, vor nunmehr 10 Jahren begonnen. Für diese Menschen ist dieses Medikament ein echtes "Wundermittel": Es beseitigt die starke Talgbildung, ebenso wie Entzündungen. Bei Frauen muß vorsichtig therapiert werden, sie müssen in jedem Fall eine sichere Verhütungsmethode benutzen, um auf keinen Fall schwanger zu werden, denn dann ist mit Mißbildungen zu rechnen. Diese Vorsichtsmaßnahmen gelten nicht beim lokal angewandten Isotretinoin in Gelform. Antibiotika a) oral b) lokal
Die Effektivität der lokalen Antibiontikaanwendungen ist hoch und erreicht in einigen kontrollierten Studien die Effektivität der systemischen Antibiotikatherapie. Die Wirksamkeit der Antibiotika ist in erster Linie gegen Propionibacterium acnes gerichtet. Bei lokaler Anwendung insbesondere auf infizierten (keimbesiedelten) Hautstellen weisen Wirkstoffe eine erhöhte Sensibilisierungsrate auf. Da aber Erythromycin und Clindamycin praktisch keine sensibilisierende Potenz aufweisen, bestehen gegen die lokale Anwendung dieser Antibiotika allergologischerseits keine Bedenken. Azelainsäure Die Azelainsäure kommt natürlicherweise im menschlichen Organismus vor und wird in der Regel, bis auf ein etwaiges anfängliches Brennen, gut vertragen. Allerdings braucht man hier Geduld: Die Anwendung muß mindestens über 4-6 Wochen erfolgen, bis sich ein Erfolg einstellt. Fruchtsäure In der letzten Zeit sind Fruchtsäuren in der Aknetherapie immer beliebter geworden. Es existieren verschiedene Fruchtsäuren, z.B. Milchsäure, Äpfelsäure, Zitronensäure. Die im medizinisch-kosmetischen Bereich am häufigsten verwendete Fruchtsäure ist die Glykolsäure, die aus Zuckerrohr gewonnen wird. Sie wird von den Patienten sowohl in der Heimbehandlung wie auch vom Arzt oder der Kosmetikerin als Peeling in einer stärkeren Konzentration verwendet. Die Fruchtsäure wirkt ähnlich wie die Vitamin-A-Säure, allerdings bei weitem nicht so effektiv. Dafür ist sie in der Regel auch nicht so stark hautreizend und wird auch gerne zur Behandlung von Aknenarben oder sogar Alterfalten eingesetzt. Hormonbehandlung a) lokal b) oral Manuelle Ausreinigung durch die Kosmetikerin Wie bei aknegefährdeter und unreiner Haut sollte die tägliche Reinigung mit gut verträglichen, seifenfreien Tensiden erfolgen. Mitesser sind nach einem Gesichtsdampfbad oder heißen Kompressen vorsichtig zu entfernen. Ein Peeling sorgt durch mechanisches Abschleifen für ein Öffnen bzw. Offenhalten der Talgdrüsenausführungsgänge und glättet kleine Aknenarben. Bei der Kosmetikerin werden Komedonen, die eigentliche Ursache für spätere Entzündungen, nach vorherigem Aufweichen der Haut fachgerecht entfernt. Isotretinoin (Roaccutan) Bei schwerer Akne (Akne conglobata) läßt sich mit Isotretinoin eine dramatische Besserung des Krankheitsbildes erzielen. Allerdings ist strengste Indikationsstellung notwendig, da die sicheren (Teratogenität, d.h. Mißbildung des Embryos bei Schwangerschaft, Lippenaustrocknung und -entzündung) und möglichen unerwünschten Nebenwirkungen sehr gravierend sind. Auch die lokale Anwendung dieser "Wundersubstanz" ist bei entsprechender Indikationsstellung sehr erfolgreich. Allen Akne-Behandlungen ist folgendes gemein: Eine Langzeit-Therapie ist unumgänglich! Ziel dieser langfristigen Therapie ist es:
Abschließend kann man sagen, daß mit den zur Verfügung stehenden Präparaten ein befriedigender Therapieerfolg bei Akne vulgaris in weitaus den meisten Fällen erreicht werden kann. Die Entstehung der Akne begünstigende Parameter:
++ sehr stark ++ stark + mäßig (+)indirekt, schwach - keine Wirkung Tab. 2: Medikamente, die der Arzt verordnet, wirken meist auf mehrere aknebegünstigende Faktoren
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