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Patientenmerkblatt
Akne inversa (Hidradenitis suppurativa)
Akne – Was ist das?
Darunter versteht man eine Entzündung in den Ausführungsgängen der
Haarbälge der Talgdrüsen und dicken borstigen Terminalhaare, die
vorzugsweise in den Leisten und Achselhöhlen auftritt. In vielen Fällen
findet sich eine Kombination mit einer floriden oder abgelaufenen Acne
vulgaris (an Gesicht, Brust und Rücken) oder mit einer Steißbeinfistel
(Pilonidalsinus). Die Deutung als schwere Form der Akne an untypischen
Stellen führte zur Einführung der Bezeichnung Acne inversa. Zunächst
bildet sich aufgrund einer Verhornungsstörung ein Mitesser, der nach
bakterieller Superinfektion eine Ruptur des verschlossenen
Ausführungsganges verursacht. Die Folge ist eine entzündliche Reaktion
des Bindegewebes mit Ausbildung von Knoten, Fisteln und bindegewebiger
Verhärtung. Der Begriff Hidradenitis suppurativa ist unzutreffend, da es
sich primär nicht um eine Erkrankung der Schweißdrüsen handelt.
Allerdings werden die Schweißdrüsen im Verlauf der Erkrankung in den
Entzündungsprozeß miteinbezogen. Es handelt sich nicht um
Schweißdrüsenabszesse.
Komplikationen
Die Erkrankung ist weltweit verbreitet und betrifft beide Geschlechter.
Die Erstmanifestation liegt häufig in der Pubertät und lässt an den
Einfluß von Androgenen auf die Entstehung der Erkrankung denken. Die
Bedeutung von Bakterien oder Störungen des Immunsystems ist unklar. Ob
Übergewicht oder übermäßiger Nikotinkonsum mit der Entstehung der
Erkrankung zu tun hat, kann ebenfalls nicht mit Sicherheit gesagt
werden. Die Häufung der Erkrankung in Familien spricht für eine
genetische Veranlagung.
Die Erkrankung kann nach längerem Verlauf bösartig entarten. So wurde
über die Entwicklung von Plattenepithelkrebs auf dem Boden der Acne
inversa berichtet. Todesfälle infolge Absiedlungen von Krebszellen
kommen vor.
Die Erkrankung hat ein weites Spektrum hinsichtlich ihres Verlaufs.
Bestenfalls kommt es zu einer solitären Knotenbildung, die sich unter
Umständen spontan zurückbildet. Im schlimmsten Fall nimmt die Erkrankung
einen chronischen Verlauf, wobei sich die Entzündung auch auf andere
Regionen ausbreitet, so dass unbedingt eine rechtzeitige Behandlung
erfolgen muß. Aus Unkenntnis können so viele Jahre bis zu einer
ausreichenden Behandlung vergehen. Das bedeutet in schweren Fällen einen
jahrelangen unnötigen Leidensweg. Die Betroffenen fühlen sich oftmals
stark eingeschränkt und wegen Geruchsbelästigung – durch die bakterielle
Superinfektion - nicht gesellschaftsfähig.
Behandlungsmöglichkeiten
Konservative Maßnahmen wie Antibiotika, Glukokortikoide, Cyclosporin und
Retinoide haben sich als alleinige Behandlung meist nicht als
erfolgreich erwiesen. Auch Einschneiden oder Fistelspaltung bringen
keinen dauerhaften Erfolg. Erforderlich ist die vollständige operative
Entfernung des gesamten betroffenen Bereiches, möglichst im Frühstadium.
Um die Hautveränderungen vollständig zu erfassen, werden diese zunächst
getastet und mit Fettstift markiert. Auch eine Injektion des Farbstoffes
Methylenblau während der Operation kann hilfreich sein. Die krankhaft
veränderte Haut und das Unterhautfettgewebe werden weit im Gesunden,
eventuell bis zur Muskelfaszie, entfernt. Der Eingriff erfolgt bei
ausgedehnten Flächen in Allgemein- oder Regionalanästhesie. In
mittelgradigen und leichteren Fällen hat sich die Tumeszenz - oder
subkutane Infusionsanästhesie, eine Form der örtlichen Anästhesie mit
Hilfe von verdünnten adrenalinhaltigen Lösungen verschiedener
Lokalanästhetika, bewährt. Der Defektverschluss kann durch
Sekundärheilung, Meshgraft-Transplantat oder auch Dehungs- oder
Lappenplastik erfolgen. Die Wundheilung dauert je nach Befund bis zu
acht Wochen, selten länger. In aller Regel sind die funktionellen und
kosmetischen Ergebnisse gut. Bei ausgedehnten Eingriffen sind Rezidive
nur in nichtbehandelten haartragenden Randbereichen des Operationsfeldes
zu erwarten.
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