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Was ist die Hyperthermie? Unter Hyperthermie versteht man die gezielte Erhöhung der Körpertemperatur. Die Hyperthermie - oder Überwärmungsbehandlung ist eine nebenwirkungsarme, neue Behandlungsform zur Therapie von Tumoren. Der Begriff Hyperthermie aus dem altgriechischen übersetzt, bedeutet "Übererwärmung". Bei der Behandlung werden gezielte Körperregionen oder der gesamte Körper erwärmt. Da die Tumorzellen eine schlechte Wärmeregulation haben, sind sie sehr hitzeempfindlich und werden im hohen Temperaturbereich geschädigt. Wie funktioniert die Hyperthermie? Die Wirksamkeit der Hyperthermiebehandlung kann man sich durch folgende Mechanismen erklären: Tumorzellen haben eine verminderte Wärmregulationsfähigkeit. Eine regionale Überwärmung führt zu einer vermehrten Durchblutung des den Tumor umgebenden gesunden Gewebes, dadurch entsteht eine Minderdurchblutung und Nährstoffverarmung im Tumorgewebe. Der daraus resultierende Sauerstoffmangel und Nährstoffverarmung führt durch anaerobe Energiegewinnung zur Entwicklung eines sauren Zellmilieus, so dass die Enzyme und Proteine im Tumorgewebe verändern, infolge dessen werden die Reparaturmechanismen gehemmt und letztendlich werden die Tumorzellen geschädigt. Bei der Behandlung werden gezielte Körperregionen oder der gesamte Körper mittels verschiedener Techniken, wie beispielsweise Mikrowellen, Ultraschall oder Infrarottechnik erwärmt. Die Hyperthermie hat ihr typisches Einsatzgebiet bei schwierigen Erkrankungsfällen: Lokal fortgeschrittene Tumoren, die schlecht oder gar nicht operabel sind Tumoren, die zwar operabel sind, aber nur bei Inkaufnahme inakzeptabler Nebenwirkungen Tumoren, die nach vorangegangener (konventioneller) Therapie ein- oder mehrfach wiederaufgetreten sind (Rezidive)
1. Lokale Hyperthermie 2. Regionale Hyperthermie 3. Ganzkörperhyperthermie 4. Interstitielle Hyperthermie 5. Hypertherme Perfusion
1. Lokale Hyperthermie Unter der lokalen Hyperthermie versteht man die gezielte Überwärmung oberflächlicher Tumoren (z.B. einzelne Halslymphknoten, Brustwandtumoren oder Rezidive nach Brustkrebs). Die Größe eines Behandlungsgebiets hängt von der verwendeten Technik und den Applikatorgrößen ab. 2. Regionale Hyperthermie Unter der regionalen Hyperthermie versteht man die Überwärmung größerer Körperregionen bei tiefliegenden Tumoren. Diese größeren Areale können der Beckenbereich, der Bauchbereich, die Oberschenkelregion oder andere Körperabschnitte mit einer Ausdehnung von etwa 30-40 cm sein. Die Strahler zur Wärmeerzeugung sind meist in einem Ring angeordnet, in welchen der Patient hineingeschoben wird. Eine Alternative sind von äußerlich angelegte Plattenelektroden. Bei dem von uns verwendete Gerät zur locoregionalen Elektrohyperthermie wird ein örtlich begrenztes und definiertes Gebiet behandelt. Das Tumorgewebe wird mittels Hochfrequenzwellen (13,56 MHz ) etwa 60 min auf 42 - 44 °C Grad überwärmt. Dabei wird die Haut des Patienten abgekühlt und der Patient insgesamt weniger belastet und am Tumor kann leichter die wirksame Temperatur erreicht werden. 3. Ganzkörperhyperthermie
Hierbei erfolgt eine systemische, homogene
Überwärmung des gesamten Körpers. Somit besteht die prinzipielle Möglichkeit
auch metastasierte Tumoren zu behandeln. Bei der Ganzkörperhyperthermie
können im wesentlichen eine endogene (= aktive) und exogene (= passive) Form
unterschieden werden. Bei der endogenen Form wird mittels intravenöser Gabe
von fieberauslösenden Stoffen, sog. Pyrogenen, ein hoher Fieberschub
produziert. Die jedoch in den Tumorzentren weitaus häufiger angewandte Form
der Hyperthermie ist die exogene Überwärmung. 4. Interstitielle Hyperthermie Diese Form wird in präformierten Körperhöhlen oder innerhalb von knöchern umgebenen Organen (z.B. Gehirn) mit Hilfe von implantierbaren Kathetersystemen durchgeführt über welche während der Behandlung entsprechende Wärme abgegeben wird. 5. Hypertherme Perfusion Diese Hyperthermieform wird unter Operationsbedingungen durchgeführt. Hierbei wird eine überwärmte Flüssigkeit (z.B. das patienteneigene Blut mit Zytostatika) durch die zuführenden Gefäße geleitet, um das Körperteil zu erwärmen. Der zu überwärmende Körperteil muss hierbei allerdings über eine eigene Blutversorgung verfügen, da sonst die Selektivität verloren geht. Für diese Hyperthermieform eignen sich insbesondere Arme und Beine, aber auch Organe mit gut zugänglicher, eigener Blutversorgung. Dieses Behandlungskonzept wird in unserer Klinik in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Gefässchirurgie bei der Therapie des malignen Melanoms eingesetzt. Trotz aller ermutigenden und vielversprechenden Ergebnisse der jüngsten Vergangenheit darf nicht vergessen werden, dass die Hyperthermie bis heute keine Standardtherapie in Deutschland ist. Wie bei allen neuen Therapien, die sich in klinischer Erprobung befinden lassen sich Nebenwirkungen nicht ausschließen. Einblutungen in den Tumor, Hitzeschäden des Unterhautgewebes, Muskelschmerzen und Missempfindungen sind hier an erster Stelle zu nennen. gg© Dieser Beitrag wurde von der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum in Zusammenarbeit mit dem Institut für Klinische und Experimentelle Dermatologie sowie der Fortbildungsakademie Rhein-Ruhr erstellt.
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