
Osteoporose - ein unterschätztes Risiko in der Dermatologie
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Glukokortikoide sind für die Medizin
unverzichtbar. Sie sind heute viel sicherer geworden, vor allen Dingen
hat man gelernt, mit ihnen umzugehen. Man kennt ihre Stärken, Schwächen
und Gefahren. Nebenwirkungen stellen dann ein Problem dar, wenn
sie, wie das bei der Cortisoninduzierten Osteoporose (CIO) über
Jahrzehnte der Fall war, nicht beachtet werden. Um Patienten Frakturen
zu ersparen, sind frühe Diagnostik und vorbeugende Therapien
entscheidend, denn das klinische Bild der CIO ist häufig schnell
progredient. Mittlerweile gibt es Mittel und Wege, diese Nebenwirkungen
in den Griff zu bekommen. Kortikosteroide sind in der Dermatologie
unverzichtbar. Die Hauptindikationen für Kortikosteroide in der
Dermatologie/Allergologie sind Autoimmunerkrankungen, chronisch
rezidivierende Urtikaria, Atopiesyndrome. Sowohl Erwachsene als auch
Kinder profitieren von Cortison-Präparaten. Eine häufige Befürchtung
der Pädiater lässt sich heute widerlegen: Das Längenwachstum bei
Kindern wird nicht negativ beeinflusst. Nebenwirkungen lassen sich minimieren. Die Fortschritte in der Cortison-Behandlung
in den letzten Jahren sind unverkennbar. Das zeigt sich nicht zuletzt in
der Verbesserung des Wirkungs-/Nebenwirkungsverhältnisses.
Trotzdem müssen die Anstrengungen weiter forciert werden. Dies betrifft
insbesondere den dosisabhängigen Knochenmasseverlust, der nicht nur von
oralem Cortison, sondern auch von topisch zugeführtem Cortison
verursacht zu werden scheint. Hier muß man mit präventiven Maßnahmen
entgegensteuern, was leider immer noch zu selten geschieht. Die Risiken
der Cortisontherapie lassen sich so begrenzen, Frakturen lassen sich
verhindern. Der Knochen
ist beileibe kein lahmes Organ! Bei der Osteoporose handelt es sich keinesfalls um
einen normalen schicksalhaften Alterungsprozeß, sondern um ein
pathologisches Geschehen, das verhindert werden kann. Die normalerweise
kräftigen Trapekel der Spongiosa in den Wirbelkörpern werden ausgedünnt
und von den Osteoklasten "weggefressen". Der Wirbelkörper
bricht zusammen: Es kommt zur Wirbelkörperfraktur. Chronische Entzündungen
gehen auf die Knochen Schon lange ist bekannt, dass die Entzündungsphänomene,
z. B. beim Morbus Crohn, der Colitis ulzerosa oder der rheumatoiden
Arthritis maßgeblich für die osteoporotischen Veränderungen
verantwortlich sind. Die Langzeitcortisontherapie stellt dabei
sicherlich ein Risiko dar, doch resultiert aus der Verschlechterung der
Gesamtkonstitution auch ein Bewegungsmangel (z. B. bei schwerer
atopischer Dermatitis), der zu muskulären Defiziten führt und die
Knochen ungünstig beeinflusst. Die Folge ist ein Circulus vitiosus. Je
aktiver eine persistierende Entzündung und je höher die Dosierung der
Dauermedikation ist, desto schneller wird es zur manifesten Osteoporose
kommen und damit auch zu einem höheren Grad der funktionellen
Insuffizienz. Wie
viel Cortison verträgt der Mensch? Bezüglich der Osteoporose‑induzierenden
Dosis einer Kortikoid. Dauertherapie gibt es von den Experten große
Meinungsunterschiede: von 2,5 bis 8 mg Prednisolonäquivalent[Tag reicht
das Spektrum. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie vertritt die
Auffassung, dass möglichst 5 mg/Tag in der Langzeittherapie nicht überschritten
werden sollten, wobei jedoch große individuelle Unterschiede bezüglich
des Risikos bestehen, Entscheidend für die Entwicklung einer
Cortison‑induzierten Osteoporose sind nicht nur die Dauer
und Dosis der Medikation, sondern auch die Ausgangsknochenmasse, die
gravierend unterschiedlich sein kann, sowie weitere Schädigungsfaktoren. Die Pulstherapie verursacht unseres Erachtens keine
Osteoporose, während die chronische Dauertherapie, vor allen Dingen die
chronische Dauertherapie mit Cortison‑Salben derzeit sehr in der
Diskussion ist. Die alternierende Therapie bietet hingegen keinen
sicheren Schutz. Knochenschutz
muß früh erfolgen Der Knochenmasseverlust ist in den ersten Monaten
der Cortisontherapie am stärksten. Dabei werden die Trabekel generell dünner,
sie bleiben aber erhalten. Wichtig ist, dass es in dieser Phase nach
Absetzen des Cortisons wieder zu einer positiven Knochenbilanz kommt. Wenn es jedoch schon zu Zerstörungen der
Strukturen gekommen ist, wird die Therapie schwierig, denn diese Lücken
können nicht mehr geschlossen werden. Deshalb muß der Knochenschutz früh
erfolgen. Eine hochdosierte Langzeittherapie mit Cortison
erfordert wirksamen Knochenschutz. Eine behandlungsbedürftige Osteoporose liegt nach
WHO‑Definition dann vor, wenn der Knochendichtewert mehr als 2,5
Standardabweichung vom Messwert (DXA-Methode) im Vergleich zu
einer jugendlichen Normgruppe nach unten abweicht. Vor Beginn einer
hochdosierten Langzeittherapie mit Cortison sollte man eine Bestimmung
der Knochenmasse durchführen, um die Ausgangssituation zu kennen, um
diese Werte später mit einer Kontrolluntersuchung vergleichen zu können. In der Prävention der Osteoporose zählt neben der
mechanischen Belastung eine ausreichende Substitution von Kalzium
(Minimaldosis 18 mg/Tag) und Vitamin D (in Mangelfällen bis zu 3.000
Einheiten/Tag) ebenso zu den Basismaßnahmen wie eine Verminderung des
Alkohol- und Nikotinkonsums. Bei älteren Patientinnen sollte auch
eine Substitution von Östrogenen und bei Männern von Testosteron
erwogen werden. Wichtig ist darüber hinaus eine Reduzierung des renalen
Kalziumverlustes. Wenn bereits Wirbelfrakturen vorliegen, wird es gefährlich
für den Patienten: Jede bestehende Wirbelfraktur ist ein Alarmzeichen,
innerhalb kürzester Zeit können neue Frakturen entstehen. Bei Knochenfrakturen ist es notwendig, hoch
wirksame Medikamente einzusetzen, die einen raschen Knochenzugewinn
erwarten lassen. Auch hier gilt wieder wie in der Prävention: Kalzium
und Vitamin D (in Mangelfällen bis zu 3.000 Einheiten/Tag) gehören zur
Basistherapie. Bei der CIO hat in den letzten Jahren mit den Bi-Phosphonaten
eine Substanzgruppe erheblich an Bedeutung gewonnen, die den Kriterien
der"evidence based medicine" standhält. Die Bi-Phosponate
wirken zum Teil auf die Osteoblasten, aber zum überwiegenden Teil
bremsen sie die Osteoklasten und verhindern deren Aktivität.
Gleichzeitig kann die Osteoblastentätigkeit angeregt werden. Dies
gelingt mit Fluoriden. Nach neuerer Ansicht ist die Kombination von
Bi-Phosphonaten und Fluoriden eine sinnvolle Ergänzung.
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