Pocken-Schutzimpfung


Klassischer Pockenausschlag

Die Pocken, oder auch Blattern oder Variola sind eine  ansteckende Infektionskrankheit, die durch Viren verursacht wird. Sie sind durch einen typischen Krankheitsverlauf mit charakteristischen Hautveränderungen gekennzeichnet. Der letzte offizielle Pockenfall trat 1977 in Somalia auf und die WHO konnte die Welt 1980 für pockenfrei erklären.
Seit 1975 wurde  die Impfpflicht in Deutschland und 1980 weltweit aufgehoben. Ein Impfschutz besteht also höchstens nur noch für die Personen , die vor 1975 geboren wurden und die noch der Impfpflicht unterlagen. Eine erneute Verbreitung der Pockenviren, z.B. im Rahmen von terroristischen Anschlägen mit biologischen Waffen, ist theoretisch möglich, wenn die Erreger in die Hände von Terroristen gelangen.

Offiziell  existieren  zwei Laboratorien, wo noch Pockenviren aufbewahrt werden:

  • Centers of Disease Control and Prevention in Atlanta, Georgia, USA

  • Russisches Forschungszentrum für Virologie und Biotechnologie, Nowosibirsk, Russland

Am 08.November 2001 hat die Bundesregierung Deutschland erklärt, dass für insgesamt etwa 100 Millionen DM 6 Millionen Dosen des Pockenimpfstoffes gekauft und an einem geheimen Ort gelagert werden sollen. Die Bundesregierung empfiehlt weiterhin keine generellen Impfungen. Das Serum soll für den Ernstfall zur Verfügung stehen.

Erreger und Ansteckung

Der Erreger der Pocken sind Viren der Virusfamilie Poxviridae, die durch Tröpfcheninfektion, Schmierinfektion oder Staubinfektion übertragen werden können. Die Viren sind aber z.B. im Vergleich zu Masernviren oder Windpocken viel weniger kontagiös(ansteckend). Eine Übertragung geschieht deshalb  nur durch sehr engen Kontakt oder sehr kurze Distanz.
Pockenviren sind relativ stabil. Bei einer Lagerung bei -20°C bleiben sie über Jahre infektiös, bei Raumtemperatur immerhin über mehrere Monate.

Krankheitsbild

  • Die Inkubationszeit beträgt 8 bis 14 Tage. Danach kommt es zum Initialstadium mit hohem Fieber, Kopf-, Rücken und Lendenschmerzen und bei der Tröpfcheninfektion zur Angina variolosa. Nach 2-4 Tagen schliesst sich das Eruptionsstadium an, das etwa 6-10 Tage dauert.

  • Nach dem Initial bzw. Prodromalstadium kommt es auf der Zunge und im Mund zu roten Flecken. Die Flecken brechen auf, wodurch sich der Virus im Mund ausbreitet. Jetzt ist die Person am ansteckendsten. Anschliessend kommt es unter einem treppenförmigen Fieberabfall zu einem zentrifugalem Exanthem mit Makula, dann Papeln, Pusteln und Schorf, d.h. der Ausschlag beginnt meist im Gesicht und breitet sich von hier über die Arme  und Beine bis zu den Händen und Füssen aus. Dies geschieht in der Regel innerhalb von 24 Stunden. Die Pusteln sind mehrkammerig, haben einen trüben Inhalt und lassen sich eindellen.

  • Die  äusserst infektiösen Krusten fallen nach 1-3 Wochen ab. Im Gesicht des Erkrankten kann es zur Narbenbildung kommen. Das Exanthem spart meist die Achseln und inneren Oberschenkel aus. 3-4 Tage nach dem Auftreten des Ausschlages kann es zu einem erneuten Fieberanstieg kommen. Die Person ist so lange ansteckend, bis alles Pusteln abgeheilt und abgefallen sind.

Therapie

Die Therapie ist rein symptomatisch. Neue antivirale Medikamente können allerdings theoretisch auch gegen Pocken wirksam sein, wie das Robert-Koch-Institut mitteilt. Um eine weitere Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern, kommt der Patient in Quarantäne. Dies ist der effektivste Schutz der Bevölkerung vor weiterer Ansteckung

Komplikationen

Als Variola haemorrhogica bezeichnet man eine besondere Verlaufsform der Pocken. Bei dieser Form der Erkrankung ist die Inkubationszeit verkürzt. Innerhalb weniger Tage kommt es zu ausgedehnten, schweren Blutungen der Haut, der Schleimhäute sowie innerer Organe. Häufig letal endend.
Variola confluens: entsteht durch Sekundärinfektionen der Haut
Organmanifestationen der Pocken: Hepatitis, Myokarditis, Orchitis, Enzephalitis

Pockenimpfung

6. Tag

8. Tag

10. Tag

14. Tag

Pocken(schutz)impfung
(engl.: smallpox vaccination)

Aktive Immunisierung gegen Pocken (erstmals 1796 durch JENNER, der die seit Jahrhunderten bekannte Variolation durch die »Vakzination« mit »echter« Kuhpockenlymphe ersetzte). – Seit Bekanntgabe der weltweiten Ausrottung der Pockeninfektion auch im Fernreiseverkehr nicht mehr obligate Vakzination mit Pockenlymphe, optimal als Erstimpfung im 1.–2. Lj., mit Wiederholung im 12. Lj.; entweder mittels Impflanzette (bei Erstimpfung am re., später li. Oberarm) oder als Multiple-pressure-Technik; bei überaltertem Erstimpfling Vorimpfung mit Vaccinia-Antigen (1 ml i.m.), 1–2 Wo. danach mit akt. Virus (keine Reaktion!). Normal am 3. Tag Papel-, ab 5. Pustelbildung (Nachschau!) mit Rötung u. Infiltration der Umgebung (»Area«) u. regionärer Lymphknotenschwellung, ab 7.–9. (11.) Tag Fieber, ab 12. Eintrocknen der Pusteln, Abheilen mit Narbe; bei Wiederimpfung Knötchen, Bläschen oder abortive Pustel, fast stets ohne Narbe; s.a. Impfkomplikation.
Impfschutz ab 8.–10. Tag für ca. 3 (1–10) Jahre, jedoch nicht absolut sicher (Variolois).

(Roche Lexikon Medizin, 4.Auflage; © Urban & Fischer Verlag, München 1984/1987/1993/1999)

 

Tag Beschreibung
0 Impfung
3-4 Papel- und Pustelbildung
5-6 Bläschen mit umgebenden Ausschlag
8-9 Voll ausgeformte Pustel
12+ Eintrocknen der Pusteln, Krustenbildung
17-21 Abheilen mit Narbe