Vorlesung
VIRUSERKRANKUNGEN
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{U1}Verrucae vulgares{/U1} {Syn}Vulgäre Warzen{/Syn} {Def}Benigne, infektiöse, rückbildungs- fähige umschriebene Epithelhyperplasie durch Papillomviren.{/Def} {Man}Vor allem Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, häufig bei Akroasphyxie{/Man} {Lok}Vor allem Hände, gesamtes Integument möglich.{/Lok} {Klin}Halbkugelig vorgewölbte, bis erbsgroße, harte, hautfarbene bis graugelbliche Tumoren mit zerklüfteter, evtl. schwärzlicher Oberfläche bei entsprechender Größe. Ausbildung von Tochterwarzen in der Umgebung durch Autoinokulation. In den Finger- und Zehenzwischenräumen sowie am Lippenrot papillomatöse Formen. Abhängig von der Lokalisation unterscheidet man: {A}{*}Verruca filiformis{/*} an Augenlidern und in der Bartregion.{/A} {A}{*}Mosaik-Warze{/*} an Volarflächen von Fingern und Händen.{/A} {A}{*}Verruca plantaris{/*} an der Fußsohle.{/A} {A}{*}Condylomata plana{/*}, {*}Condylomata acuminata{/*}, {*}Condylomata gigantea (Buschke-Löwenstein){/*} im Schleimhautbereich, {*}Schleimhautwarzen{/*}. s. a. {*}Warzen, paronychiale{/*}; {*}Verrucae subunguales{/*}; s. a. {*}Verrucosis generalisata (Lewandowsky-Lutz){/*}, {*}Ekzema verrucatum{/*} {/A}{/Klin} {Hist}{*}Hyperkeratose;Hyperkeratosen{/*} mit {*}Parakeratose{/*}-Kegeln und {*}Akanthose{/*}, {*}Papillomatose{/*}, ballonierte Retezellen mit basophilen Kerneinschlüssen.{/Hist} {DD}{*}Verrucae planae juveniles{/*}, {*}Verruca seborrhoica{/*}, {*}Keratosis actinica{/*}, {*}Arsenkeratosen{/*}, {*}malignes Melanom;Melanom, malignes{/*}, {*}Keratoakanthom{/*}, {*}spinozelluläres Karzinom;Karzinom, spinozelluläres{/*}, {*}Lichen ruber verrucosus{/*}, {*}Clavi syphilitici{/*}, {*}Tuberculosis cutis verrucosa{/*}, {*}Keratoma dissipatum naeviforme palmare et plantare{/*}.{/DD} {Prog}Nach Wochen bis Jahren narbenlose Abheilung, Spontanheilung in ca. 25%, cave: Narben durch Therapie.{/Prog} {Ther}s. {*}Verruca{/*} {U1}Verrucae plantares{/U1} {Syn}Dornwarzen; Fußsohlenwarzen; Verrucae vulgares; Plantarwarzen{/Syn} {Def}{*}Verrucae vulgares{/*} im Bereich der Fußsohle mit Entwicklung zur Tiefe, da exophytisches Wachstum infolge der ständigen Druckbelastung nicht möglich ist.{/Def} {Klin}Glatte, grau-gelbe Oberfläche, Schmerzen bei Belastung. s. a. {*}Mosaik-Warze{/*}.{/Klin} {DD}{*}Clavus{/*}, {*}Arsenkeratosen{/*} {/DD} {Ther}s. {*}Verruca{/*} {Prog}Hartnäckigkeit, Rezidive{/Prog} {Lit} Grussendorf-Conen EL (1992) Altersabhängiges therapeutisches Ansprechen von Plantarwarzen. Hautarzt 43: 458
{U1}Verrucae planae juveniles{/U1} {Syn}Plane juvenile Warzen{/Syn} {Def}Vor allem bei Kindern und Jugendlichen vorkommende, virusbedingte, plane Warzen. Eine seltene Sonderform ist die {*}Verrucosis generalisata (Lewandowsky-Lutz){/*}.{/Def} {Etio}{*}Humane Papillomviren;Papillomviren, humane{/*} {/Etio} {Man}V. a. Kinder und Jugendliche{/Man} {Lok}Vor allem Stirn, Schläfen, Wangen, perioral, Hand- und Fingerrücken, selten Schleimhäute{/Lok} {Klin}Flach erhabene, rundliche oder polygonale, rötlich-gelbe, derbe {*}Papeln;Papel{/*} mit stumpfer Oberfläche und disseminierter, manchmal entlang Kratzeffekten strichförmiger, Anordnung.{/Klin} {Hist}{*}Akanthose{/*}, geflechtartige {*}Hyperkeratose;Hyperkeratosen{/*}, {*}Parakeratose{/*}, ballonierte Epithelien.{/Hist} {DD}{*}Lichen ruber planus (Wilson){/*}, {*}Lichen nitidus{/*}, {*}Verruca seborrhoica{/*}, {*}Milien{/*} {/DD} {Prog}Nach monate- bis jahrelangem Verlauf narbenlose Abheilung.{/Prog} {Ther} {Allg}Hohe spontane Heilungsrate, daher zurückhaltender Einsatz der verschiedenen, insbes. operativen Therapiemöglichkeiten. {Ex}Keratolyse mit Vitamin A-Säure-haltiger Salbe in 0,025, 0,05 und 0,1% Konzentration (Cordes VAS, Eudyna, Epi-Aberel 1--2mal/Tag auftragen, bei Brennen und Rötung der Gesichtshaut auf einmal tgl. reduzieren. Cave: Nicht in der Schwangerschaft oder Stillzeit anwenden), evtl. in Kombination mit UV-Licht (Cave: Herabgesetzte mittlere Erythemdosis). Weitere Keratolyse z.B. mit 1--5% Salicylsäure {R}01{/R}, {R}05{/R} oder 2--5% (10%) Resorcin {R}02{/R} {R}03{/R} {R}04{/R}. Operative : Vorsichtiges Abschaben mit dem scharfen Löffel. Cave: nur oberflächliche {*}Kürettage{/*} damit keine Narbenbildung erfolgt. {*}Kryochirurgie{/*}, Elektrokoagulation oder Abtragung mit Hilfe des gepulsten Farbstoff - {*}Lasers;Laser (Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation){/*} ebenfalls möglich. {Int}Neuere vielversprechende Therapieansätze beschäftigen sich mit der oralen Gabe von {*}Cimetidin{/*} (z.B. Tagamet) in einer Dosierung von 1,2 g/Tag über 4 Wochen, müssen aber aufgrund geringer Fallzahlen zunächst zurückhaltend beurteilt werden. {Lit} Choi Y S et al. (1993) The effect of cimetidine on verruca plana juvenilis: clinical trials in six patients. J Dermatol 20: 497--500 Karakashian G V et al. (1989) Frigipoint: a new cryosurgical instrument. J Dermatol Surg Oncol 15: 514--517 Tan O T et al. (1993) Pulsed dye laser treatment of recalcitrant verrucae: a preliminary report. Lasers Surg med 13: 127—137 {U1}Herpes simplex{/U1} {Def}Infektion durch das Herpes-simplex-Virus. Befall der Haut, Schleimhaut und/oder Hornhaut des Auges durch das Herpes-simplex-Virus. Sehr selten auch generalisierte Infektion (Mitbeteiligung von ZNS und evtl. inneren Organen).{/Def} {Err}Herpes simplex-Virus (HSV), zur Gruppe der Herpesviren gehöriges karyotropes DNA-Virus. Immunologisch können 2 Typen unterschieden werden: {A}Herpes simplex Typ 1 ruft v. a. Läsionen im Bereich der Lippen und der Mundschleimhaut, seltener im Gesicht und am Oberkörper hervor, {/A} {A}Herpes simplex Typ 2 ist hauptsächlich für Läsionen im Genital- und Glutaealbereich verantwortlich. Übertragung durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion (z. B. Küssen, Geschlechtsverkehr, Geburtsvorgang).{/A}{/Err} {Klin}Primärinfektion mit Herpes-simplex-Virus Typ 1 meist im Alter von 1--5 Jahren, mit Typ 2 ab der Pubertät; in den allermeisten Fällen inapparenter Verlauf, nur bei 1% klinische Manifestation unter verschiedenen Krankheitsbildern (s. Tabelle:, S. 336). Meist lebenslange Persistenz des Virus in Ganglienzellen trotz {*}Antikörper{/*}-Bildung. Von dort kann es zu rezidivierenden Sekundärinfektionen kommen; diese verlaufen in der Regel leichter als die Primärinfektion; mögliche klinische Bilder (s. Tabelle: S. 336).{/Klin} {Diag}Elektronenmikroskopischer Virusnachweis aus Bläscheninhalt mit Hilfe des {*}Negative Staining{/*}-Verfahren. Kulturelle Anzüchtung des Virus aus Bläscheninhalt (spezifische und sicherste, aber aufwendige Methode). Antikörpernachweis (IgG und IgM). Im {*}Tzanck-Test{/*} vom Blasengrund Nachweis multinukleärer, epidermaler Riesenzellen.{/Diag} {Ther}Je nach klinischer Symptomatik. {Ex}Beim unkompliziertem Herpes simplex sind {*}virostatische;Virustatika{/*}, desinfizierende, adstringierende ggf. auch antibiotische Lokaltherapeutika angezeigt. Prodromalstadium: 1. Wahl, weil preiswert und gut wirksam, ist bei unkompliziertem Herpes simplex die lokale Therapie mit {*}Zinksulfat{/*} (Virudermin). Ansonsten führt auch externes {*}Idoxuridin{/*} in {*}Dimethylsulfoxid{/*} (als Penetrationsbeschleuniger) erfahrungsgemäß zur schnellen Abheilung des Herpes (Zostrum: 5% {*}Idoxuridin{/*} in reinem {*}Dimethylsulfoxid{/*}, Virunguent: 0,2% {*}Idoxuridin{/*}). Rezidive werden nicht verhindert; das Präparat sollte möglichst bei den ersten Prodromi eingesetzt werden, nicht im Bereich der Schleimhäute anwenden, wirkt reizend. Gute Therapieerfolge können mit 3% {*}Vidarabin{/*}-Salbe (3% Thilo Salbe), 2% {*}Foscarnet{/*}-Creme (z.B. Triapten Antiviralcreme) oder 5% {*}Aciclovir{/*}-Salbe (z.B. Zovirax-Salbe, Zovirax-Lippenherpescreme) erzielt werden. Diese Mittel sind auch für den Schleimhautbereich geeignet. Sie sind jedoch teuer, zudem sind inzwischen Resistenzen gegen {*}Aciclovir{/*} bekannt geworden, so daß diese Mittel beim unkomplizierten Herpes simplex nicht uneingeschränkt empfohlen werden können. {*}Tromantadin{/*}-haltige Präparate sind aufgrund ihrer hohen Sensibilisierungpotenz (7--12%) umstritten (z.B. Viru-Merz-Creme). Bei schmerzhafter Entzündungskomponente empfiehlt sich kurzzeitig eine Kombination aus einem {*}Glukokortikoid;Glukokortikoide, topische{/*} und einem {*}Desinfizienz;Desinfizientien{/*} (z.B. 1% {*}Hydrocortison{/*}/2% {*}Clioquinol{/*}-Creme {R}01{/R}) Cave: Ausbreitung und Ulzeration des Herpes! Bei möglichem Auftreten eines lichtprovozierten Herpes simplex labialis sollte prophylaktisch ein intensiver {*}Lichtschutz{/*} der Lippen erfolgen (z.B. Ilrido Lippenstift!). Bläschenstadium: Keine fetten Salben oder Cremes, sondern austrocknende und adstringierende Externa Trockenpinselungen (z.B. 2% Clioquinol-Schüttelmixtur {R}02{/R} {R}03{/R}), Phenol-Schwefel-Zinkpaste (z.B. Labiosan) oder Zinksulfat-Hydrogel {R}04{/R}. Krustenstadium: Blande fettende Externa wie 5% Panthenol-Creme {R}05{/R}. Schleimhautbefall: Mehrmals tgl. Mundspülungen mit Kamillosan. {Int}Bei ausgedehntem komplizierten Herpes simplex empfiehlt sich eine interne Behandlung mit {*}Aciclovir{/*} i.v. (5 mg/kg KG/Tag) bis zu Abheilung der Bläschen (ca. 5 Tage). Alternativ {*}Famciclovir{/*} p.o. (z.B. Famvir Filmtbl) 3mal 250 mg/Tag oder {*}Valaciclovir{/*} (Valtrex Filmtbl) 3mal 1000 mg/Tag. Bei HIV-Infizierten {*}Aciclovir{/*}-Dosierung erhöhen (10 (max. 20) mg/kg KG/Tag). Bei Therapieversagen {*}Foscarnet{/*} (Foscavir Astra) 3mal 40--60 mg/kg KG/Tag i.v. in 500 NaCl über 2 Std. {Lit} Kimmig W (1989) Herpes-simplex-Infektionen. Z Hautkr 64: 266—271 {U1}Zoster{/U1} {Syn}Herpes zoster; Gürtelrose; Zona; Shingles. In der Antike Ignis sacer.{/Syn} {Def}Neurotrope Viruskrankheit mit Varicella-Zoster-Virus. Entzündung einzelner oder mehrerer Spinalganglien bzw. Kopfganglien mit Hautveränderungen im zugehörigen Innervationsgebiet.{/Def} {Etio}Reinfektion mit dem {*}Varizellen{/*}-Zoster-Virus bei Teilimmunität infolge stattgehabter humoraler Immunisation oder Reaktivierung des im Körper vorhandenen Virus durch Resistenzminderung; als Triggerfaktoren kennt man chemische, physikalische oder aktinische Reize, Streß, Malignome, immunsuppressive Therapie und {*}HIV-Infektion{/*}. {Man}Vor allem höheres Lebensalter, immunsupprimierte Patienten. {Lok}Meist einseitig ({*}Zoster segmentalis{/*}), manchmal doppelseitig ({*}Zoster duplex{/*}), im Bereich eines oder mehrerer Nervensegmente. Am häufigsten im Versorgungsgebiet T3, L3 und des ersten Trigeminusastes (s. Abb.).{/Lok} {Klin}Inkubationszeit 7--18 Tage. Uncharakteristisches Prodromalstadium mit gering erhöhter Temperatur. Selten Zosterfieber. Brennen und stechende, einschießende Schmerzen können schon vor den Hauterscheinungen auftreten. Aufschießen gruppiert stehender {*}Papeln;Papel{/*} auf erythematösem Untergrund mit rascher Umwandlung in zunächst klare, später eingetrübte {*}Bläschen{/*}, {*}Pusteln;Pustel{/*} und Krustenbildung. Selten {*}haemorrhagisch-nekrotischer Zoster;Zoster, haemorrhagisch-nekrotischer{/*}. Narbenbildung vor allem bei nekrotisierendem Zoster. Sonderformen: {*}Zoster multiplex unilateralis{/*}, {*}Zoster ophthalmicus{/*}, {*}Zoster im Trigeminusbereich{/*}, {*}Zoster oticus{/*}, {*}Zoster generalisatus sive varicellosus{/*}. Relativ häufig, bes. mit zunehmendem Alter Entwicklung einer {*}Zosterneuralgie{/*}.{/Klin} {Hist}Intraepidermale Bläschen, {*}ballonierende Degeneration;Degeneration, ballonierende{/*}, multinukleäre Riesenzellbildung, eosinophile Kerneinschlüsse.{/Hist} {DD}{*}Herpes simplex{/*}, {*}Erysipel{/*} {/DD} {Komp}Bei immunkompetenten Patienten selten (2%), bei Immunsupprimierten 7--26%: Zosterenzephalitis, Zostermeningitis, Zostermyelitis. {*}Zoster-Embryopathie{/*}.{/Komp} {Prog}Abheilung nach 2 bis 3 Wochen unter Hinterlassung einer meist lebenslangen Immunität.{/Prog} {Ther} {Int} {A}Bei leichteren Verläufen: {*}Aciclovir{/*} (z.B. Zovirax) oral 5mal 800 mg/Tag über 7--10 Tage. Alternativ: {*}Famciclovir{/*} (Famvir) 3mal 250 mg/Tag p.o über 5--6 Tage. {/A} {A}Bei schwerem Verlauf: Aciclovir (z.B. Zovirax) 5 mg--7,5 mg/kg KG alle 8 Std. über 5--7 Tage i.v. {/A} {A}Bei Patienten mit Immundefekten s. Tabelle {TblNr}501{/TblNr}.{/A} {A}Superinfektion: Antibiotische Abdeckung nur bei Verdacht auf Sekundärinfektionen bei schweren Verlaufsformen oder älteren infektgefährdeten oder immunsupprimierten Patienten; Wahl des Antibiotikums nach Antibiogramm. {/A} {A}Schmerzmedikation: Stufenweise Medikation in Zusammenarbeit mit dem Schmerztherapeuten. Bei neuralgischen Beschwerden: s.a. Zosterneuralgie.{/A} {A}Sympathikusblockade (so früh wie möglich): Ganglion cervicale superius (Befall Trigeminus 1- und 2) oder Stellatum Blockade (Befall Trigeminus 3 bis Th4) oder Epiduralanästhesie (Th5--L5). Alternativ: Plexuskatheter, Paravertebralblockade, Grenzstrangblockade. Zusammenarbeit mit dem Anästhesisten.{/A} {A}Analgetisch: Beginnend mit nicht steroidalen Antiphlogistika wie {*}Paracetamol{/*} (z.B. Ben-u-ron) 3--4mal 500 mg/Tag oder {*}Indometacin{/*} (z.B. Amuno) 50--150 mg/Tag p.o.oder {*}Ibuprofen{/*} (z.B. Ibutad) 2mal 800 mg/Tag. Alternativ: {*}Naproxen{/*} (z.B. Proxen) 2mal 500 mg/Tag oder {*}Acetylsalicylsäure{/*} (z.B. ASS) 4mal 1g/Tag oder {*}Metamizol{/*} (z.B. Novalgin) 1--4mal 500--1000 mg/Tag.{/A} {A}{*}Glukokortikoide{/*}: In der initialen Phase der Virämie umstritten, nach Abklingen des Bläschenstadiums rasche Besserung der Entzündung und Minderung der Schmerzzustände. In zunächst hoher, dann abfallender Dosierung, z.B. 20--60 mg Prednisolonäquivalent/Tag. {/A} {A}Postzosterische Neuralgien s.u. Zosterneuralgie. {/A} {A}Varicella-Zoster Kontakt in der Schwangerschaft: AK Status bestimmen (VZV Elisa) IgG < 1:64 seronegativ. Gabe von Varizella Zoster Immunglobulin (VARITECT) 0,2--0,4 ml/kg KG innerhalb 24--72 Std. und 72--96 Std. nach Kontakt.{/A} {A}Lebendimpfstoff: In Sonderfällen, insbes. bei immunsupprimierten Pat. oder außerhalb der Gravidität: Erwachsene einmal 0,5 ml s.c., Wdh. nach 6--12 Monaten, Schutz beginnt einige Wochen nach der Impfung. {/A}{/Int} {Ex}Bei unkompliziertem Verlauf und/oder begleitend zur systemischen antiviralen Therapie : {A}Feuchte Umschläge, antiseptische, austrocknende Therapie mit 2--3% {*}Clioquinol{/*} in Lotio alba {R}01{/R} (nicht im Gesicht) dort Clioquinol Creme {R}02{/R} (Clioquinol nicht am behaarten Kopf, färbt graue Haare gelb). ggf, Cremes mit anitbiotischem Zusatz bei v.a. Sekundärinfektion {R}03{/R}. Nach Abtrocknen der Bläschen abweichende Salben wie {*}Dexpanthenol{/*} (z.B. Bepanthen). {/A} {A}Externa mit virustatischem Zusatz: 5% {*}Idoxuridin{/*} Lösung (z.B. Zostrum) 4mal/Tag dünn auf die erkrankten Hautstellen auftragen oder 3% {*}Vidarabin{/*} Salbe (Vidarabin Salbe) 2--3mal/Tag dünn auf die erkrankten Hautstellen auftragen. {/A} {Lit} Darby G (1995) In search of the perfect antiviral. Antivir Chem Chemother 6: 54--63 Gerhard L (1995) Pharmacology and clinical use of Foscarnet. Int J Antimicro Agent 5: 209--217 Nathwani D (1995) Treatment parameters for successful management of varicella zoster virus. Antivir Chem Chemther 12--16 Snoeck R et al. (1994) Chemotherapy of varicella zoster virus infections. Int J Antimicro Agent 4: 211--226 {U1}Varizellen{/U1} {Syn}Windpocken; chicken pox; Wasserpocken; Schafblattern; petite vérole volante{/Syn} {Def}Erstinfektion nichtimmuner Personen mit dem Varizellen-Zoster-Virus.{/Def} {Etio}Übertragung des Virus von einem {*}Varizellen{/*}- oder {*}Zoster{/*}-Patienten durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion; hohe Kontagiosität.{/Etio} {Err}Varizella-Zoster-Virus, gehört zur Gruppe der Herpesviren, hat die Fähigkeit zur Latenzentwicklung in Ganglienzellen des Nervensystems. Hohe Kontagiosität.{/Err} {Man}Vor allem Kindesalter (2/3 aller Fälle im 5.--9. Lebensjahr), selten Erwachsenenalter ({*}Varicellae adultorum{/*}), sehr selten 2. Auftreten von Varizellen als Reinfektion.{/Man} {Lok}Vor allem Kopfhaut, Stamm, Schleimhäute; Hände und Füße meist frei{/Lok} {Klin}95% der Infektionen verlaufen klinisch manifest. Inkubationszeit: Meist 14 Tage (9--23). Nach kurzem Prodromalstadium leichtes Fieber, {*}Juckreiz;Pruritus{/*} und Hauterscheinungen: Schubweises Aufschießen kleiner roter {*}Flecken;Macula{/*} mit raschem Übergang in {*}Papeln;Papel{/*} und {*}Bläschen{/*}. Eintrübung des zunächst wasserklaren Bläscheninhaltes, Ausbildung von fest haftenden Krusten, die nach 2--3 Wochen ohne Hinterlassung von Narben abfallen. Polymorphes Exanthembild durch die gleichzeitig vorhandenen verschiedenen Entwicklungsphasen der Effloreszenzen ({*}Heubnersche Sternkarte{/*}). Nach {*}Exkoriation{/*} und Sekundärinfektion bleiben varioliforme Narben. Hämorrhagische oder bullöse Umwandlung möglich. Schleimhäute: Gelblich bedeckte, von einem roten Saum umgebene {*}Erosionen;Erosion{/*}. Bei Kindern meist komplikationsloser Verlauf ohne Begleitsymptome, selten Lymphknotenschwellung. Bei Erwachsenen meist schwerer Verlauf mit ausgeprägten Allgemeinsymptomen, Krankheitsgefühl, Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen, Lymphknotenschwellung, daher meist frühzeitig antivirale Systemtherapie einleiten, stationäre Aufnahme. {/Klin} {Hist}Zunächst mehrkammeriges, später einkammeriges Bläschen; ballonierende Degeneration der {*}Basalzellen;Basalzelle{/*}; epidermale Riesenzellen. Bläschenausstrich: Multinukleäre epitheliale Riesenzellen, Einschlußkörperchen{/Hist} {DD}{*}Pocken{/*}, {*}Variolois{/*}, {*}Zoster generalisatus sive varicellosus{/*}, {*}Pyodermie{/*}, {*}Prurigo simplex acuta infantum{/*}, {*}Prurigo simplex subacuta (chronica){/*}.{/DD} {Komp}{*}Impetiginisation{/*}, {*}Hautgangrän;Gangrän{/*}, Varizellenpneumonie, Meningoenzephalitis, Otitis media, Nephritis, {*}Reye-Syndrom{/*}, Organbefall v. a. bei immunsupprimierten Patienten. Infektion während der Schwangerschaft: {*}kongenitales Varizella-Syndrom;Varizella-Syndrom, kongenitales{/*}, {*}neonatale Varizellen;Varizellen, neonatale{/*}.{/Komp} {Ther} {Ex} {A}Kinder: Vornehmlich externe Behandlung. {A1}Bläschenstadium: Lediglich lokal austrocknende Maßnahmen, z.B. Trockenpinselung mit Lotio alba oder synthetischen {*}Gerbstoffen;Gerbstoffe{/*} (z.B. Tannolact Lotio, Tannosynt), {*}Tannin{/*}-Puder {R}01{/R}, {*}Zinksulfat{/*}-Hydrogel {R}03{/R}, Vollbäder mit {*}Kaliumpermanganat{/*}-Zusatz (hellrosa) oder {*}Chinolinol{/*} (z.B. Chinosol 1:1000) als Badezusatz oder Abreibungen mit verdünntem Essigwasser. Bei Juckreiz 2% {*}Polidocanol{/*} in Lotio alba {R}04{/R}. Bei Superinfektion: Lotio alba {R}01{/R} mit 0,5--2% Clioquinolzusatz {R}05{/R}.{/A1} {A1}Krustenstadium: anfänglich antiseptische Salben z.B. Clioquinol Creme {R}06{/R}, später aufweichende heilungsfördernde Salben z.B. {*}Dexpanthenol{/*} Salbe oder Creme (z.B. Bepanthen).{/A1} {M}{*}Antibiotika{/*}-haltige Externa bei derartig großflächiger Anwendung eher zurückhaltend (Keimselektion! Sensibilisierungsgefahr! Systemische Nebenwirkungen!). {A1}Bei Schleimhautbeteiligung: Mundspülungen (z.B. Dexpanthenol Lsg. {R}07{/R}), Kamillosan Lsg., oder Tormentilla Adstringens {R}08{/R}, ggf. {*}anästhesierend;Lokalanästhetika{/*} und/oder antibiotische zugesetzte Lösungen oder Mundgele oder Mundpasten (z.B. Subcutin N Lsg., Hexoral Lsg., Kamistad Gel, Aureomycin Dentalpaste).{/A1} {A1}Bei Fieber: Bettruhe, konservativ fiebersenkende Maßnahmen (Wadenwickel, Eisbeutel in die Leisten), ggf. fiebersenkende Medikamente (z.B. Paracetamol 250 mg Supp.), auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Keine {*}Acetylsalicylsäure{/*}, cave: {*}Reye-Syndrom{/*}.{/A1} {A1}Bei starkem Juckreiz: Extern Polidocanol 2% in Lotio alba {R}04{/R}.{/A1}{/A} {A}Erwachsene: {A1}Bläschenstadium: Austrocknende desinfizierende Lotio alba {R}01{/R} bei Superinfektion mit antiseptischem Zusatz z.B. {*}Clioquinol{/*} 2--5% in Lotio alba {R}03{/R} oder {*}Zinksulfat{/*}-Hydrogel {R}04{/R} oder Idoxuridin Lösung (z.B. Zostrum) 4mal/Tag auf befallene Haut pinseln, Cave: Idoxuridin Lsg. nicht länger als 4 Tage anwenden. {/A1} {A1}Krustenstadium: anfänglich antiseptische Salben z.B. 2--5% Clioquinol Creme {R}05{/R}, später aufweichende, heilungsfördernde Salben (z.B. Dexpanthenol Salbe).{/A1}{/A} {Int} {A}Kinder: {*}Antihistaminika{/*} p.o. wie {*}Dimetinden{/*} (z.B. Fenistil Trp., Kinder: 3 mal 10--15 Trp./Tag) oder {*}Pheniramin{/*} (z.B. Avil Sirup- stark sedierend, Kinder: 2--3 mal 1/2 --1 Meßl./Tag ). Allgemein: Fingernägel kürzen, ggf. Handschuhe über Nacht.{/A} {A}Immunsupprimierte Kinder: {*}Aciclovir{/*} (z.B. Zovirax) 500 mg/m{hoch}2{/hoch}/KO 3mal/Tag alle 8 Std. über 5 Tage i.v. oder {*}Brivudin{/*} (z.B. Helpin) 5 mg/kg KG 3mal/Tag alle 8 Std. p.o.{/A} {A}Erwachsene: Aciclovir (z.B. Zovirax) 5mg/kg KG als Kurzinfusion 3mal/Tag alle 8 Std. über 5--7 Tage. Cave: Blutbildkontrolle, sowie Leber-und Nierenwerte. Alternativ Brivudin (Helpin): 500 mg/Tag p.o. verteilt auf 4 ED (125mg/Tag alle 6 h).{/A} {A}Immunsupprimierte Erwachsene: Aciclovir (z.B. Zovirax) 10 mg/kg KG/3mal/Tag alle 8 Std. als Kurzinfusion für 5--10 Tage. Bei nachgewiesener HIV-Infektion Dosierung in Abhängigkeit von der Anzahl der CD4 positiven Zellen (s. Tabelle {TblNr}473{/TblNr}).{/A} {Proph}Aktive Immunisierung (Lebendvakzine): Varicella-Rit 0,5 ml s.c. z.B. bei HIV- positiven Pat. ohne Varizella -AK und bei negativer Varizellen Anamnese. AK-Kontrolle nach 3 Monaten, ggf. Wiederholung bei nicht ausreichendem Impfschutz. {KI}Schwangerschaft, massive Immunsuppression, stattgehabte VZV-Infektion . Passive Immunisierung mit Varicella-Zoster-Hyperimmunglobulin, bis spätestens 96 Std. nach Exposition, Varitect: Einmalig 1 ml/kg i.v. oder Varicellon: mind. 0,2ml/kg KG. {Lit} Andrei G et al. (1995) Comparative activity of selected antiviral compounds against clinically isolated varicella-zoster virus. J Clin Microbiol Infect Dis 14: 318--329 Gerard L (1995) Pharmacology and clinical use of Foscarnet. Int J Antimicrobial Agents 5: 209--217 Fiddian AP (1995) Valaciclovir - an improved treatment for individuals with HIV and Aids. Antiviral Chemistry.& Chemotherapie 6: 51--53 Snoeck R et al. (1994) Chemotherapy of varicella zoster virus infections. Int J Antimicrobial Agents 4: 211--226 {U1}Molluscum contagiosum (Bateman){/U1} {Syn}Dellwarze; Epithelioma contagiosum; Epithelioma molluscum; Schwimmbadwarzen{/Syn} {Def}Gutartige, durch epidermotrope Viren verursachte Hauttumoren.{/Def} {Etio}Übertragung von Mensch zu Mensch durch Schmierinfektion über kleine Epitheldefekte oder über Kleidung und Handtücher.{/Etio} {Err}{*}Molluscum contagiosum (Bateman){/*}-Virus, der Gruppe der Pockenviren zugeordnet.{/Err} {Man}Vor allem Kleinkinder und Jugendliche, immunsupprimierte Patienten, {*}AIDS{/*}-Erkrankte, Patienten mit {*}atopischem Ekzem;Ekzem, atopisches{/*}.{/Man} {Lok}Vor allem Gesicht, Augenlider, Hals, Oberkörper, Oberarm, Axillarfalte, Perianal- und Perigenitalregion{/Lok} {Klin}Inkubationszeit Wochen bis Monate. Einzelne oder gruppierte, manchmal strichförmig angeordnete (Pseudo-Köbner-Phänomen), derbe, stecknadelkopf- bis erbsgroße, breit aufsitzende, zentral gedellte, wachsartige, weißliche, gelbliche oder blaßrosa Knötchen von 2--5 mm Durchmesser. Weißlich fettige Masse exprimierbar. s. a. {*}Molluscum contagiosum pediculatum{/*}, {*}Molluscum contagiosum giganteum{/*} {/Klin} {Hist}Aus mehreren Läppchen aufgebautes epitheliales {*}Akanthom{/*}. Im Exprimat: Molluskumkörperchen: Kernlose, homogene, epithelzellähnliche, ovoide Gebilde = virusbefallene Epidermiszellen.{/Hist} {Lab}Immunfluoreszenztest: In 90% Antikörper gegen das in den Epidermiszellen vorkommende Virusantigen.{/Lab} {DD}{*}Xanthom{/*}, {*}Xanthogranulom{/*}, {*}Xanthelasma{/*}, {*}Milien{/*}, {*}Verrucae vulgares{/*}, {*}Syringom{/*} {/DD} {Komp}Entzündung durch Kontamination mit pyogenen Keimen. {*}Juckreiz;Pruritus{/*} mit Kratzeffekten und Inokulation weiterer Molluscum contagiosum-Viren, s. a. {*}Ekzema molluscatum{/*}.{/Komp} {Ther}Therapie der Wahl ist bei isolierten Mollusca contagiosa die {*}Kürettage{/*} in {*}LA;Lokalanästhesie{/*}, bei ausgedehntem Befall ggf. in Vollnarkose. Alternativ: Anritzen mit einer Kanüle und Exprimieren der einzelnen Herde. Verfahren: Beim operativen Vorgehen hat sich die {*}Kürettage{/*} bestens bewährt. Umgebende Haut mit zwei Fingern anspannen, kleine nicht-schneidende Kürette hebelnd an der Basis des Molluscum ansetzen und gegen den Hautwiderstand auslöffeln. Ggf. können aufgeworfene Wundränder mit einer schneidenden Kürette (z.B. Stiefel Nr. 3 oder 4) noch geglättet werden. Präoperativ: Es empfiehlt sich, am Vortage der Operation jedes Molluscum einzuzeichnen (Durchführung vorzugsweise durch die Eltern). Anästhesie: Bei einzelnen Molluscen ist auch Kleinkindern die Behandlung ohne Allgemeinnarkose zuzumuten. Es wird empfohlen, die befallenen Stellen präoperativ eine 1/2 Stunde lang mit einer 5% Lidocain-Prilocain-Creme (z.B. {*}EMLA Creme{/*}) okklusiv zu behandeln. Ggf. kann eine Kombination der lokalen Anästhesie mit systemischer Midazolam-Gabe (z.B. Dormicum) sinnvoll sein. Bei ausgedehntem Befall ist eine Allgemeinnarkose vorzuziehen. Komplikation: Einzelne Molluscen zeigen entzündliche Herdreaktionen (z.B. durch mechanische Irritation). In diesen Fällen ist die {*}Lokalanästhesie{/*} nicht ausreichend. Nicht selten treten Mollusca bei Kindern mit atopischem Ekzem auf. In dieser Konstellation ist häufig eine überlagernde Pyodermie zu beobachten. Es- empfiehlt sich, zunächst einige Tage konsequent die {*}Pyodermie{/*} und das {*}Ekzem{/*} zu behandeln, z.B. mit 1% Hydrocortison und 2% Clioquinol-haltiger Creme {R}00{/R}. Postoperativ: Wundzentren werden mit Salbengaze (z.B. Sofratüll) oder einem Verband mit {*}Polyvidon-Jod{/*} (z.B. Betasisodona) versehen. Dieses wird am Folgetag vom Patienten erneuert . Die Wundstellen heilen im Allgemeinen komplikationslos und auch narbenlos ab. {Lit} Wagner G et al. (1989) Perkutane Anästesie durch Anwendung einer Lidocain-Prilocain-Creme ( EMLA Creme 5%)-Erfahrungen bei der Therapie multipler Mollusca contagiosa im Kindesalter. Akt Dermatol 15: 44--46 Buntin M et al. (1991) Sexually transmitted diseases: Viruses and ectoparasites. J Am Acad Dermatol 25: 527--534
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