Vorwort

Jubiläumsgeburtstage sind willkommene Anlässe zum Feiern, aber auch stets Momente der Rückbesinnung, der Bilanzierung und des Ausblickes. So hat die 1889 an der traditionsreichen Prager Karls-Universität gegründete Deutsche Dermatologische Gesellschaft zusammen mit ihren inzwischen mehr als 3.600 Mitgliedern in diesem Jahr nicht bloß des Alters wegen allen Grund, ihr Jubiläum mit besonderem Stolz zu begehen. Als wissenschaftliche Gesellschaft vertritt sie im deutschsprachigen Raum heute ein Fachgebiet, das im Hinblick auf seine forscherischen und klinisch-praktischen Aktivitäten im Kontext der akademischen Lehre, der Forschung und des breit gefächerten Spektrums der Krankenversorgung international bereits seit langem ihresgleichen sucht. Die Grundlagen hierzu wurden mit dem 1. Kongress der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, der vom 10.–12. Juni 1889 in Prag stattfand und ein reiches und umfassendes Themenspektrum beinhaltete, gelegt. Die Eröffnungsrede wurde von Herrn Prof. Pik, Prag, gehalten und interessante Themen, wie die der Lepra, der Tuberkelbazillen, der Zoster-Epidemie, Kulturen von Favuspilzen wie auch der Stachelzellschicht der Epidermis wurden von den Professoren Arning, Neisser, Kaposi, Jadassohn und Herxheimer diskutiert. Heute blicken wir auf 47 erfolgreiche Tagungen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz zurück, die den gesamten deutschsprachigen Raum berücksichtigen. Der besondere Grund zum Feiern ist jedoch die Freude darüber, wie gut wir uns in den 125 Jahren von einem rein deskriptiv morphologisch orientierten Fach zu einer pathophysiologisch und operativ ausgerichteten Disziplin weiterentwickelt haben. Wir verdanken diese epochale Entwicklung den unvergessenen und sehr erfolgreichen Anstrengungen von Generationen an Fachvertretern.

 

Die Chronik des Faches seit seiner Institutionalisierung in den deutschsprachigen Ländern ist in umfangreichen Werken verdienter Autoren festgehalten. So finden sich die Biografien namhafter Persönlichkeiten und Fachvertreter vergangener Generationen von C. Löser und G. Plewig im „Pantheon der Dermatologie“ auf faszinierende Weise beschrieben. Ein historischer Rückblick im Wandel der gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen bis zur Teilung Deutschlands in zwei politische Systeme mit ihren Auswirkungen auf unser Fach und seine Repräsentanz wurde von A. Scholz bereits in seinem Buch „Geschichte der Dermatologie“ ausführlich festgehalten. Anlässlich der in Prag 2009 zelebrierten Jubiläumsfeierlichkeiten zum 120-jährigen Bestehen der DDG entstand ebenfalls unter seiner leitenden Herausgeberschaft und koordiniert von H. Gollnick ein aktualisiertes und durch Beiträge aus internationaler Perspektive bereichertes Werk, das die Historie der deutschsprachigen Dermatologie aus den Blickwinkeln der verschiedenen dermatologischen Schulen eindrücklich und lebendig für uns alle dokumentiert.

Die heutige Vielfalt unseres Faches spiegelt sich auch deutlich in den Aktivitäten der mittlerweile fast zwanzig Arbeitsgruppen und Tochtergesellschaften wider, die unter dem Dach der DDG firmieren und unter anderem die zahlreichen Subspezialitäten der Dermatologie in Klinik und Forschung repräsentieren.

Mit Begeisterung aufgenommene Tagungen, beispielsweise der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO), der Deutschen Gesellschaft für Dermatochirurgie (DGDC) oder der Deutschen Gesellschaft für Dermatopathologie, zeugen vom Wandel der  Herausforderungen an die moderne Dermatologie, die sich längst von denjenigen der Gründungszeiten unserer Gesellschaft unterscheiden, als noch venerische Erkrankungen im Fokus des Interesses standen. Namhafte Forscher aus dem deutschsprachigen Raum haben gerade durch die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Forschung (ADF) und deren Gründungsväter (E. Christophers und C. E. Orfanos u. a.) wesentlich zur wissenschaftlichen Positionierung unseres Faches in der Gesamtmedizin beigetragen. Es ist gelungen, das rein deskriptive Fach in ein funktionelles zu entwickeln und sämtliche Bereiche von der immunologischen Pathogenese bis zu den modernsten molekularpathologischen Entwicklungen weiter zu entwickeln. Die Psoriasis ist zur Modellerkrankung des modernen Entzündungsmechanismus avanciert, das maligne Melanom steht beispielhaft für zielgerichtete Therapien und immuntherapeutische Meilensteine, die die Gesamtmedizin bereichern werden. Das enorme Spektrum unseres Faches wird in dem vorliegenden Sonderheft zum 125-jährigen Bestehen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft veranschaulicht.

Als Ausdruck einer ungebrochenen Faszination am Hautorgan zur Bearbeitung grundlagenexperimenteller Fragestellungen feierte die ADF bereits im letzten Jahr ihr 40-jähriges Bestehen mit einem Feuerwerk an hochkarätigen Beiträgen des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Die Dermatologie ist ein Organfach. Der Dermatologe als zuständiger Fachvertreter für sämtliche Erkrankungen am Hautorgan und im Bereich der angrenzenden Übergangsschleimhäute ist aufgrund seiner Weiterbildung mit allen diesbezüglich erforderlichen Kompetenzen in Diagnostik und Therapie ausgestattet. Stets im Wandel, stets adaptiert an die Herausforderungen der Zeit und gewappnet für die Aufgaben der Zukunft ist das Fach jung geblieben, damit aber auch modern und attraktiv für den Nachwuchs. Gerade hier gilt es, die Besten als Garanten für unsere weitere wissenschaftliche Entwicklung, für eine innovative Medizin und auch für eine Sicherstellung der akademischen Lehre und eine Versorgung unserer Bevölkerung auf höchstem Niveau zu gewinnen und für die Dermatologie zu begeistern. Dabei ist es in erster Linie die Vielseitigkeit des Faches, die auf den Nachwuchs so anziehend wirkt.

Dermatologen behandeln Patientinnen und Patienten aus allen Altersgruppen, vom Säugling bis zum Hochbetagten, Krankheitsbilder aus allen pathogenetisch vorstellbaren Bereichen, von der Genodermatose bis zur Autoimmunerkrankung, von somatischen bis psychisch begründeten Störungen. Uns steht ein zunehmend differenziertes therapeutisches Arsenal zur Verfügung, von konservativ bis operativ, vom Einsatz der Externa bis zur komplexen Systemtherapie. Dermatologen betreiben Diagnostik von klinischer Inspektion über Dermatopathologie bis zu den Methoden der modernen molekularen Diagnostik, aber sie beherrschen auch die vielseitigen Möglichkeiten grundlagenexperimenteller Arbeitsfelder oder die stets weiter an Bedeutung gewinnende klinische Forschung.

Nicht zuletzt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist gerade in unserem Fach in Klinik und Praxis weitaus besser als in vielen anderen Bereichen der Medizin in entsprechenden Arbeitszeitmodellen planbar und damit für die zunehmende Zahl an Jungmedizinerinnen und Jungmedizinern besonders reizvoll. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft hat sich die Nachwuchsförderung in allen Entwicklungsstufen von der akademischen Lehre über die Phasen der Weiterbildung bis hin zur Schulung von Oberärztinnen und Oberärzten in Fragen der Leitungskompetenz auf die Fahne geschrieben. In diesen und speziell auch in fachpolitischen Fragen sowie in der Dokumentation unserer Kompetenz, unter anderem im Rahmen der zunehmend wichtigen Versorgungsforschung, ist heute mehr denn je ein enger Schulterschluss zwischen den Mandats- und Verantwortungsträgern des Berufsverbandes und der DDG ausschlaggebend und richtungsweisend für eine konstruktive Bewältigung unserer gemeinsamen Zukunftsaufgaben. Die Professionalisierung und Standardisierung in der Bewältigung täglicher organisatorischer und administrativer Aufgaben unserer Gesellschaft durch die Einrichtung einer Geschäftsstelle, wie auch die Wahl ihres Sitzes in der Hauptstadt, waren strategische Entscheidungen, die damals genauso visionär und zielstrebig vom seinerzeitigen Präsidenten Wolfram Sterry vorangetrieben wurden, wie die internationale  Sichtbarmachung der Gesellschaft durch ein eigenes Journal, dem JDDG, das sich in den wenigen Jahren seines Bestehens bereits zu einem beachtlichen Publikationsorgan hoher Qualität entwickelt hat.

So sind wir heute im Kanon der medizinischen Fächer als interdisziplinär agierendes Organfach hervorragend repräsentiert, alle wichtigen Aufgabengebiete sind im Verbund zwischen Berufsverband und wissenschaftlicher Gesellschaft wohl geordnet, und es liegt vor allem an uns selbst, die Faszination dieser spannenden und ausgesprochen facettenreichen Disziplin und seiner vielfältigen Subspezialitäten auch in Zukunft sicherzustellen, ein zweifelsohne lohnendes wie ehrenwertes Ziel!

Prof. Dr. med. R. Kaufmann, Präsident der DDG
Prof. Dr. med. A. Enk, Generalsekretär DDG
Prof. Dr. med. R. Stadler, Past-Präsident DDG

Korrespondenzanschrift
Prof. Dr. med. Roland Kaufmann
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Klinikum der Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt am Main
E-Mail: kaufmann@em.uni-frankfurt.de

© 2014 Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Published by John Wiley & Sons Ltd. | JDDG | 1610-0379/2014

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Impressionen der Feierlichkeiten hier

http://www.derma.de/de/news/uebersicht/detail/article/3630/1049/