Dermatologen gegen Zwangstertial zu Gunsten der Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) und der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) sprechen sich gegen die Abschaffung des Wahltertials für Studierende im Praktischen Jahr (PJ) aus. Sie beziehen sich damit auf einen Änderungsantrag im Gesundheitsausschuss des Bundesrates zur Novelle der Approbationsordnung. Dieser sieht unter anderem vor, das Wahltertial im Praktischen Jahr zugunsten eines allgemeinmedizinischen Pflichtabschnittes in einer Hausarztpraxis abzuschaffen.

"Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft wehrt sich entschieden gegen diese einseitige Ausrichtung auf die Primärversorgung. Die qualifizierte Versorgung durch unterschiedliche Fachdisziplinen wird hierdurch zukünftig massiv untergraben", betont der Präsident der DDG, Rudolf Stadler.

Die Medizinstudenten, vertreten durch die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V., den Hartmannbund der Ärzte Deutschlands e.V. und den Marburger Bund Bundesverband, protestieren gegen die Pläne der Landesgesundheitsministerien und stellen in vier Punkten einvernehmlich fest:

1. Eine einseitige Fokussierung auf einen Nachwuchsmangel in der Allgemeinmedizin wird die mindestens genauso dringlichen Probleme in allen anderen medizinischen Fachdisziplinen verschärfen.
2. Die Zwangsverpflichtung zum Allgemeinmedizin-Tertial wird nicht automatisch zu einer Attraktivitätssteigerung der Allgemeinmedizin führen.
3. Die Einführung eines verpflichtenden PJ-Abschnitts in deutschen Hausarztpraxen ist allein logistisch und mit den gegebenen Ressourcen unrealistisch. Medizinstudenten würden zu Platzhaltern in allgemeinmedizinischen Praxen degradiert.
4. Ein Pflichttertial bedeutet einen massiven Eingriff in die bisher gegebene Studienfreiheit.

Die DDG sowie der BVDD stimmen diesen Punkten inhaltlich zu und appellieren zusammenfassend an die Vernunft der verschiedenen Landesgesundheitsministerien und insbesondere an den Bundesminister für Gesundheit, denn durch dirigistische Eingriffe in die Freiheit der Studienausbildung sind strukturelle Defizite des Ärztemangels in Deutschland nicht zu korrigieren.

"Die Stärkung der Allgemeinmedizin kann nicht zu Lasten aller anderen Fachdisziplinen gehen. Ein Mangel an Fachärzten ist damit programmiert. Das wäre eine fatale Entwicklung und ein Eingriff in die Studienfreiheit", so Prof. Rudolf Stadler.

Interviewpartner auf Anfrage
Abdruck honorarfrei

Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V.
- Geschäftsstelle -
Robert-Koch-Platz 7
10115 Berlin
Telefon: 030 / 246253-0
Telefax: 030 / 246253-29
E-Mail: ddg-at-derma.de
Internet: http://www.derma.de

Berufsverband der Deutschen Dermatologen
- Geschäftsstelle -
Robert-Koch-Platz 7
10115 Berlin
Telefon: 030 / 246253-53
Telefax: 030 / 246253-33
E-Mail: r.blumenthal-at-bvdd.de
Internet: http://www.bvdd.de


 

Artikelinfo


Autor

Von: Katrin Schumann