Lieber einen Selbstbräuner nehmen
Interview mit Prof. Eckhard W. Breitbart
Herr Professor Breitbart, bringen die neuen Regeln für Solarien etwas?
Auf jeden Fall. Die neue Verordnung gewährleistet zum Beispiel die Gerätesicherheit und schreibt eine maximale Höchstleistung vor, die der Mittagssonne am Äquator entspricht. Bisher ist es so, dass etwa 70 Prozent der Geräte stärker strahlen. Manche dieser Geräte geben das Drei- bis Vierfache des geforderten Maximalwertes ab. Wichtig ist auch, dass künftig nur geschultes Personal in Solarien arbeiten darf. So ist sichergestellt, dass die Bestrahlung dem Hauttyp entsprechend erfolgt. Sehr hellhäutige Menschen und Menschen mit vielen Pigmentmalen dürfen gar nicht mehr auf die Sonnenbank gelassen werden. Und nicht zuletzt sind wir sehr glücklich darüber, dass auch Unter-18-Jährige nicht mehr ins Solarium dürfen.
Wird Hautkrebs nun seltener werden?
Das ist schwer zu sagen. Klar ist, dass regelmäßige Solariums-Besuche das Hautkrebsrisiko stark erhöhen. Wer sich vor dem 35.Lebensjahr immer wieder - zum Beispiel einmal im Monat - auf die Sonnenbank legt, hat ein bis zu 75Prozent erhöhtes Risiko, an einem schwarzem Hautkrebs zu erkranken.
Viele Sonnenstudio-Betreiber werben damit, dass auf der Sonnenbank die Vitamin-D-Produktion angeregt wird. Stimmt das?
Vitamin D wird durch kurzwellige UV-Strahlung gebildet, die auch im natürlichen UV-Licht enthalten ist. Ein Solarium benötigt man dafür nicht. Um Vitamin D in der Haut zu bilden, reichen in der Regel schon 15Minuten Tageslicht auf Gesicht und Handrücken aus. Der Mensch nimmt das für die Knochen wichtige Vitamin aber auch über die Nahrung auf. Also lieber Hering und Gemüse essen als ins Solarium gehen.
Wenn man sich aber nun mal lieber mit leicht gebräunter Haut mag, was ist dann besser: Solarium oder Sonnenbaden?
Selbstbräuner, denn der schädigt überhaupt nicht und verleiht eine zarte Bräune. Will man keinen Selbstbräuner benutzen, läuft es ungefähr auf das gleiche Risiko hinaus, ob Sie sich in die Sonne oder auf die Sonnenbank eines gut geführten Solariums legen.
Wie viele Sonnenbäder im Jahr sind aus hautärztlicher Sicht erlaubt?
Wer nicht mehr als fünfzig im Jahr nimmt - egal ob unter der Sonne oder im Solarium - kommt ganz gut durchs Leben. Vorausgesetzt, er beachtet ein paar einfache Regeln zum Sonnenschutz.
Interview: Anne Brüning
Berliner Zeitung 22./23.01.2011
Prof. Eckhard W. Breitbart ist Zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention und leitet das Dermatologische Zentrum Buxtehude.
Sonnenschutztipps im Internet: www.unserehaut.de