Dormagen ehrt berühmten Sohn der Stadt

Der Dermatologe Professor Oscar Gans wurde im Beisein seiner Familie aus England mit einer Gedenktafel an seinem Geburtshaus an der Kölner Straße 110 geehrt. Bundesgesundheitsminister Gröhe stellte die Verdienste von Gans heraus.

Nach ihm ist seit knapp 30 Jahren eine Straße in der Nähe des Kreiskrankenhauses in Hackenbroich benannt, doch ist der Hautarzt und Wissenschaftler Professor Oscar Gans bei weitem nicht allen Dormagenern bekannt. Dabei hat der aus einem jüdischen Elternhaus stammende Mediziner ein heute noch geltendes Standartwerk der Dermatologie geschrieben und war für die Entwicklung der Dermatologie von entscheidender Bedeutung. Seit Samstag ist er mit einer Bronzetafel an seinem Geburtshaus, Kölner Straße 110, sichtbar in der Innenstadt vertreten.

Bei der Enthüllung der Gedenktafel, an der zwei Enkel und ein Urenkel aus England teilnahmen, würdigte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe die Verdienste des Dormageners: "Gans hat die ,Bibel' der Dermatologie geschrieben." Die Pflege des größten menschlichen Organs, der Haut, sei erst allmählich ins Bewusstsein der Menschen gerückt - "Gans war ein Vorreiter der Dermatologie", so Gröhe.

Finanziert und organisiert hat die Tafel der Historiker-Stammtisch "Dormagener Freunde", dessen Vize-Präsident Eduard Breimann den Menschen Gans vor Augen führte. Auch Gans' Schüler, engster Mitarbeiter und Freund, Professor Gerd Klaus Steigleder, früherer Leiter der Uni-Hautklinik in Köln, freute sich, bei der Feierstunde einer von rund 60 Gästen zu sein.

Für Bürgermeister Erik Lierenfeld ist der Geehrte eine der "herausragendsten Persönlichkeiten, die unsere Stadt Dormagen je hervorgebracht hat". Auch 33 Jahre nach seinem Tod sei Gans eine "anerkannte Kapazität". Nach ihm sei der Oscar-Gans-Preis benannt, eine der bedeutendsten Auszeichnungen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, deren Präsident er war - "sozusagen der ,Oscar' für wissenschaftliche Leistungen".

Lierenfeld erinnerte auch an das Schicksal der Familie Gans-Herz - Oscar Gans' Mutter war Henriette Herz - im Holocaust, wovon auch die vor der Kölner Straße 110 im Pflaster eingelassenen Stolpersteine künden. Gans selbst wurde 1934 als Jude zwangsbeurlaubt und emigrierte nach Indien, wo er sich der Lepraforschung widmete. Gröhe forderte weitere Aufarbeitung der Rolle einiger Mediziner, die im NS-Regime von der Vertreibung jüdischer Kollegen profitiert hätten.

Für die Enkelin von Oscar Gans, Pastorin Joanne Farman aus Norfolk, war der Besuch in Dormagen "eine wunderbare Reise in die Vergangenheit". An den Gräbern ihrer Urgroßeltern Isaak und Henriette Gans auf dem jüdischen Friedhof an der Krefelder Straße zu stehen, war bewegend. "Ich danke allen für ihren Einsatz für unseren Großvater", sagte sie in perfektem Deutsch: "Auch wenn er ein bescheidender Mann war, wäre er sehr stolz über diese große Ehre." Auf Englisch ergänzte ihr Bruder Dr. Robin Farman, den seine Frau Sally und sein Sohn Tom begleiteten: "Das hätte ihm sicher gefallen." Ihre Mutter, die 2016 mit 97 Jahren gestorben sei, "schaut uns heute von irgendwo zu und ist sehr stolz auf ihren Vater".

Link zum Artikel


 

Artikelinfo


Autor

Von: Carina Wernig