STATEMENT von Dr. Erich Schubert

Eine repräsentative bundesweite Imageumfrage des Berufsverbandes der Deut-schen Dermatologen und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft hat gezeigt: Hautkranke schätzen den Dermatologen als Facharzt, weil er spezifi-scher diagnostiziert und behandelt als der Hausarzt.

Eine repräsentative bundesweite Imageumfrage des Berufsverbandes der Deut-schen Dermatologen und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft hat gezeigt: Hautkranke schätzen den Dermatologen als Facharzt, weil er spezifi-scher diagnostiziert und behandelt als der Hausarzt.

"Dem Dermatologen wird in Bezug auf die verschriebenen Medikamente und die Behandlungsmethode von den Befragten mehr Kompetenz zugeordnet als dem Hausarzt. Er gilt als Spezialist auf dem Gebiet der Hautdiagnose und der Haut-krebsvorsorge und verordnet bei Hauterkrankungen gezielter als der Hausarzt." Das gilt für rund 70 % der Befragten.

Diese Einschätzung zeigt, wie wichtig der Öffentlichkeit die Qualität der fach-ärztlichen Verordnung ist.

Vor diesem Hintergrund werden die anhaltenden Sparrunden der Gesundheits-politik - von Seehofer bis Schmidt - von den dermatologischen Fachärzten als existenzielle Bedrohung erlebt, die das Arzt-Patientenverhältnis und das Vertrauen des Hautkranken in seinen Arzt auf das Schwerste belasten.

Für den freiberuflich tätigen niedergelassenen Hautarzt mit eigener Praxis geht es heute um das wirtschaftliche Überleben seines Unternehmens, für den Mediziner um die Anerkennung seiner Leistung innerhalb einer gestuften Versorgungskette.

Tendenziell ist zu beobachten, dass von Sparrunde zu Sparrunde die medizinischen Gesichtspunkte immer weiter zurückgedrängt werden und die ökonomischen Argumente immer offener in den Vordergrund rücken.

So werden die üblichen Anhörungsrituale etwa bei der sogenannten "Positivliste" oder der Aut-idem-Regelung in immer wieder neuen Runden vorgeführt, de facto aber bleibt der spezifische Sachverstand der in unterschiedlicher Weise betroffenen Fach- und Spezialdisziplinen ausgeklammert und auf dem Schriftwege eingereichte Gutachten und Stellungnahmen werden schlicht ignoriert.

Beispiel: Substitution von Originalpräparaten durch Generika bei der äußerlichen (topischen) Versorgung chronisch Hautkranker etwa von Neurodermitikern oder an Schuppenflechte erkrankten Kindern und Erwachsenen.

Für beide Krankheitsbilder gibt es keinen Königsweg der Behandlung. Beide Krankheiten können nicht völlig geheilt, wohl aber schwere Krankheitsschübe kurzfristig deutlich gemildert und in der weiteren Behandlung über einen mehr oder minder - individuell unterschiedlich langen Zeitraum - Erscheinungsfreiheit erreicht werden. Allein schon um die mit der Behandlung verbundenen, in Einzelfällen gravierenden Nebenwirkungen im Griff zu behalten, sind genau kalkulierte Therapiepläne erforderlich, die nur dann zum Erfolg führen, wenn der Patient bereit und in der Lage ist, diese auch umzusetzen und durchzuhalten.

Erkrankungen der Haut sind schon im Hinblick auf die seelischen Folgen und den oft dramatischen Verlust an Lebensqualität keine Bagatellen. Vielfach ist die Feinabstimmung der indizierten Behandlung ein mühsamer, oft auch frustrierend langer Suchprozess. In einem solchen Behandlungsschema letztendlich dem Apotheker zu überlassen, ob nun Präparat A oder ein in der Preisliste billigeres Präparat mit gleichen Wirkstoffen ausgehändigt wird, wäre geradezu töricht und auch ökonomisch kontraproduktiv, weil der Erfolg eines manchmal wochenlangen mühevollen diagnostischen Suchprozesses mit einem Schlag zunichte gemacht werden kann.

Bei der äußerlichen Anwendung von Dermatika entscheidet bei gleichem Wirkstoffgehalt letztlich die Bioverfügbarkeit und damit die Galenik eines Präparats. Über die Galenik lässt sich die Geschwindigkeit der Wirkstoff-aufnahme in die Haut steuern. Emulgatoren und Konservierungsmittel sind entscheidend für die Verträglichkeit der Behandlung.

Es ist ein verhängnisvoller Irrtum des Gesetzgebers, formale Sparregelungen blieben ohne Konsequenz für die konkrete medizinische Wirkung oder Wirkungs-losigkeit einer Behandlung.

Es spricht nicht für die Qualität der parlamentarischen Arbeit, dass dieses medizinisch unzweifelhafte Argument immer wieder neu vorgebracht werden muss, um den Uralt-Plänen einer Aut-idem-Regelung zu begegnen. Es tröstet uns auch nicht, dass diese Aut-idem-Regelung inzwischen zwar in Kraft gesetzt worden ist, die zur Umsetzung erforderlichen Preistabellen aber bislang nicht erstellt worden sind.

Für den Berufsverband der Deutschen Dermatologen ist festzuhalten: Wir lehnen Aut-idem als medizinisch unverantwortlichen und ökonomisch sinnlosen Eingriff in die Therapiefreiheit des Arztes und das notwendige Vertrauensverhältnis Arzt-Patient ab.

Wir haben als Berufsverband unsere Mitglieder hingewiesen, dass sie haftungsrechtlich keineswegs aus der Verantwortung entlassen sind, wenn sie die Letztentscheidung über die Verordnung eines Präparats dem Apotheker überlassen. Der Apotheker als Pharmazeut ist schon von seiner Ausbildung her allenfalls mangelhaft über die medizinischen Folgen der Substitution informiert.

Und wir sprechen auch mit unseren Patienten - das sind immerhin 20 Millionen Patientenkontakte im Jahr - im Rahmen der gebotenen Aufklärung über die Risiken und Nebenwirkungen der verordneten Sparpolitik.


 

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