Vom Nebeneinander zum Miteinander

Die Gesundheitsreform bietet mehr Chancen als Risiken

Wer seit Jahresbeginn eine Arztpraxis besucht oder ein Rezept eingelöst hat, für den sind die Neuerungen in der gesetzlichen Krankenversicherung bereits spürbar geworden. Bestimmte Leistungen werden nicht mehr erstattet. Stattdessen müssen Patienten für Arztbesuch und Krankenhausaufenthalt einen höheren finanziellen Eigenbeitrag leisten. Kein Wunder, dass das „Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung“ seit seinem Inkrafttreten bereits heftig kritisiert wurde. Doch es gibt nicht nur kritische Stimmen.

„Die Gesundheitsreform bietet eine große Chance, die notwendige Verzahnung von Klinik und Praxis endlich zu erreichen“, ist Professor Dr. med. Harald Gollnick, Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), überzeugt. So zwinge die seit 1. Januar vorgeschriebene Abrechnung nach so genannten Fallpauschalen zwar zu finanziellen Einschränkungen im stationären Bereich. Andererseits mache das eine verstärkte Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten notwendig, um eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung zu garantieren. Insbesondere im Bereich Dermatologie könnten Patienten nach Ansicht Gollnicks profitieren.

Klinik und Praxis – getrennte Welten

Bislang ist das deutsche Gesundheitssystem weitgehend getrennt in einen ambulanten und einen stationären Sektor. Dies hat zum einen historische Gründe, zum anderen beruht diese Einteilung auf jeweils eigenständigen Abrechnungssystemen. Während in den Krankenhäusern Leistungen nach tagesgleichen Pflegesätzen finanziert wurden, rechnen niedergelassene Ärzte Einzelleistungen nach einem Punktsystem ab. Pro Patient dürfen die Ärzte im Quartal aber nur Punkte bis zu einem bestimmten Höchstsatz abrechnen. Alles, was über diesen Satz hinausgeht, bezahlen die Kassen nicht.

Aufwendige Therapien ausgespart

Diese Budgetierung hatte Folgen. Wie die DDG beobachtet hat, blieben aufwendigere Therapien zunehmend ausgespart und komplizierte Krankheitsfälle wurden vom ambulanten in den stationären Bereich verlagert. Das galt beispielsweise für die Verschreibung von teuren Medikamenten bei schwerer Schuppenflechte.

Bessere Versorgung durch Zusammenarbeit

Doch seit Jahresbeginn sind per Gesetz jeweils ein Prozent der ambulanten Budgets und der Krankenhausmittel für die so genannte integrierte Versorgung reserviert. Damit, so Professor Gollnick, ebne die Gesundheitsreform den Weg für eine bessere Zusammenarbeit niedergelassener Hautärzte und dermatologischer Kliniken. „Vor allem bei kostenintensiven Therapien sind Kooperationen sinnvoll.“ So beispielsweise im operativen Bereich, bei der Phototherapie oder im Bereich Laseranwendungen.

Lasergeräte zum Beispiel müssen mindestens alle drei bis fünf Jahre modernisiert oder ausgetauscht werden, um mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Operationsräume müssen strengen technischen Standards genügen. Die damit verbundenen Investitionen sind für Arztpraxen und selbst für Kliniken allein kaum zu finanzieren. „Teilen sich jedoch mehrere Einrichtungen die Kosten, ist das für alle Seiten von Vorteil“, ist Professor Gollnick überzeugt. So rechne sich das nicht nur für Ärzte und Kliniken, sondern auch für Patienten. Denn wo Ärzte zusammenarbeiten, entfallen Doppeluntersuchungen und lange Überweisungsketten.


 

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