Schonende Therapie auf Rezept

Wie Patienten nach einer Knochenmark-Transplantation von der Gesundheitsreform profitieren

Negative Schlagworte wie „Leistungskürzungen“ und „Praxisgebühr“ dominieren die aktuelle Diskussion um die Gesundheitsreform. Doch seit Jahresbeginn gibt es auch Neuregelungen, von denen schwerkranke Patienten profitieren, wie ein Beispiel aus der Praxis zeigt.

Unter 100.000 Menschen trifft es jährlich nur ein bis zwei. Sie erkranken an so genannten kutanen T-Zell-Lymphomen: einer bestimmten Form von Blutkrebs. Abwehrzellen dieser Patienten (T-Lymphozyten) entarten zu Krebszellen und befallen die Haut. Für diese Patienten wurde in den 1980er Jahren das Therapieverfahren der extracorporalen Photophorese, kurz ECP, entwickelt. Bisher gab es keine klare Regelung mit den Krankenkassen, wie die ECP zu vergüten sei, was ihren Einsatz stark limitierte. Doch seit 1. Januar 2004 ist diese Therapieform in den Vergütungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen.

Davon profitieren nicht nur Patienten mit Lymphomen, wie Dr. med. Martin Kaatz, Oberarzt an der Klinik für Dermatologie und dermatologische Allergologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena betont. „Die ECP kann auch bei anderen Indikationen sehr erfolgreich angewandt werden. So zum Beispiel in der Therapie von Abstoßungsreaktionen nach einer Knochenmark-Transplantation.“ Zwar sei eine milde Abstoßungsreaktion sogar erwünscht, weil sie das Risiko der erneuten Entwicklung einer Leukämie senke. Andererseits bedeute eine starke Abstoßungsreaktion ein beträchtliches Risiko für den Patienten.

Damit die transplantierten Zellen nicht die Haut oder andere Organe des Körpers angreifen, müssen sie dauerhaft ruhig gestellt werden. Das geschieht in der Regel durch Medikamente, die aber gravierende Nebenwirkungen haben können und auch nicht bei allen Patienten die erwünschte Wirkung haben. In diesen Fällen ist die ECP eine gute Alternative. Ihr großer Vorteil: sie ist sehr gut verträglich. Der Patient bekommt ein Medikament, das seine weißen Blutkörperchen empfindlich für UV-Licht macht. Anschließend werden diese Blutkörperchen vom restlichen Blut getrennt und außerhalb des Körpers („extra corporal“) mit UV-Licht bestrahlt. Die so inaktivierten Blutbestandteile erhält der Patient wieder zurück.

Dr. Kaatz erwartet, dass die Zahl der ECP-Behandlungen deutlich steigen wird. „Knochenmark-Transplantationen nehmen in Deutschland stetig zu und auch bei anderen schweren Erkrankungen sind bereits erste positive Behandlungserfolge nachgewiesen worden“, so der Dermatologe. Derzeit wird deutschlandweit ein Netz von Photophorese-Zentren etabliert. Neben der Hautklinik in Jena bieten schon heute beispielsweise die Universitätskliniken in Essen, Düsseldorf, Heidelberg, Ulm oder das Klinikum der Freien Universität Berlin diese Therapie an.


 

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