Der Befund malignes Melanom ist kein Todesurteil

Therapieoptionen

Die Diagnose „malignes Melanom“ kommt längst nicht mehr einem Todesurteil gleich. Die Betroffenen haben besonders gute Heilungschancen, wenn die Diagnose im Frühstadium geschieht und die Krebsläsion nicht mehr als einen Millimeter in die Haut eingedrungen ist. In diesem Frühstadium der Erkrankung ist noch eine Heilungschance von bis zu 100% gegeben, da das Risiko von Tochtergeschwülsten bei einem dünnen Tumor, der sehr früh erkannt wurde, sehr gering ist.

Ist der Tumor mehr als einen Millimeter dick, sollte zusätzlich der im Lymphabfluss der betroffenen Hautregion erstgelegene Lymphknoten (auch Schildwächter-Lymphknoten oder „Sentinel Lymph Node“ genannt) operativ entfernt und untersucht werden. Diese Untersuchung ermöglicht eine bessere Vorhersage des Krankheitsverlaufs.

Sind bereits Lymphknoten von Tumorzellen befallen, sollten die nahegelegenen Lymphknoten vollständig entfernt werden. Trotz vielfältiger Aufklärungskampagnen kommt immer noch jeder 4. Patient spät in ärztliche Behandlung, dann ist der Tumor entweder zu tief in die Haut eingedrungen oder hat schon Metastasen in Lymphknoten oder inneren Organen gebildet. Wenn das Melanom in andere Organe des Körpers gestreut haben sollte (z.B. Gehirn, Leber), sollten diese Metastasen wenn möglich entfernt werden.

Falls ein chirurgischer Eingriff nicht möglich ist, können Radio- oder Chemotherapie geeignete Behandlungsmöglichkeiten sein. In Abhängigkeit von der Tumordicke sind eventuell Untersuchungen von inneren Organen (Blutuntersuchungen, Ultraschall, Röntgenuntersuchungen) angezeigt.

In Deutschland wird bei Melanomen von mehr als zwei Millimetern Eindringtiefe („vertikale Tumordicke“) eine Immuntherapie mit Interferon alpha empfohlen, die zusätzlich zur Operation („adjuvante“ Therapie) durchgeführt wird. Interferon alpha regt das körpereigene Abwehrsystem an, eventuell verbliebene, nicht sichtbare Tumorzellen zu bekämpfen. In verschiedenen Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Gabe von Interferon-Alpha bei Patienten mit einem erhöhten Metastasierungsrisiko zu einer Verlängerung des krankheitsfreien und des Gesamtüberlebens führt.

Haben sich bereits Metastasen in inneren Organen gebildet (z.B. Lunge, Leber, Gehirn) können neben der Operation auch Strahlentherapie (z.B. die moderne Stereotaktische Strahlentherapie oder Gammaknife), zellwachstumshemmende zytostatische Medikamente (Chemotherapie), Immuntherapien sowie kombinierte Chemo-Immuntherapien angewendet werden. Weil die derzeit zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten bei fortgeschrittenen malignen Melanomen in ihrer Wirksamkeit begrenzt sind, wird Betroffenen die Teilnahme an klinischen Studien empfohlen.

Die neuen deutschen Leitlinien zur Versorgung von Melanompatienten (www.ado-homepage.de) weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Teilnahme an klinischen Studien bei fortgeschrittenem Melanom mit Metastasierung in innere Organe (Stadium IV) am erfolgversprechendsten ist.

Im Zentrum der Melanomforschung stehen insbesondere Immuntherapien, die das Immunsystem gegen die Krebszellen aktivieren sollen sowie Wirkstoffe in Form sogenannter monoklonaler Antikörper, die sich gegen Tumorzellbestandteile richten oder in der Lage sind, spezielle Immunzellen zu aktivieren. Ebenso findet eine vielversprechende Entwicklung im Bereich der sogenannten zielgerichteten Therapie („targeted therapy“) statt, bei der bestimmte, auf molekularer Ebene nachzuweisende Defekte in der Melanomzelle analysiert und als Zielstruktur von therapeutischen Molekülen genutzt werden.
Die Behandlung des metastasierten Melanoms gehört in die Hände von Experten. In welchen Abständen Nachkontrollen beim Hautarzt nach Behandlung eines Melanoms nötig werden, hängt von der Art und dem Ausmaß des Tumors ab.

Kontakt:
PD Dr. med. Uwe Trefzer
Leiter des Melanomcentrums am Haut Tumor Centrum Charité
Charité Universitätsmedizin Berlin
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Tel.: (030) 450518016
E-Mail: uwe.trefzer@charite.de


 

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