Keine Normierung der Dermatologie durch Nichtärzte

Deutsche Dermatologische Gesellschaft lehnt europäisches Normierungsvorhaben ab

Der Arztberuf ist ein freier Beruf. Im Zentrum der ärztlichen Tätigkeit steht die individuelle Sorge um den einzelnen Patienten, die auf einem besonderen Vertrauensverhältnis beruht. Der Patient muss sich darauf verlassen können, dass der Arzt in Freiheit nur nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, seinem Gewissen, den Geboten der ärztlichen Ethik und der Menschlichkeit handelt und keinen Vorschriften unterworfen ist, deren Befolgung er nicht verantworten kann.
Die Ausübung des Arztberufes ist keine beliebige Dienstleistung auf einem „Markt, auf dem Kompatibilität und Interoperabilität mit anderen Produkten oder Systemen essentiell“ sind. Die europäische Standardisierungsdirektive 1025/2012, die der Förderung eines einheitlichen europäischen Marktes für Produkte und Dienstleistungen dient, bezieht sich daher nicht auf die ärztliche Tätigkeit. Folglich sind Normierungsvorhaben des Europäischen Komitees für Normung (CEN) für ärztliche Leistungen (aktuell „Standard für ästhetische Chirurgie“) vom gesetzlichen Auftrag des CEN nicht erfasst und verstoßen gegen Europarecht.

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft lehnt daher gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) eine Normierung ärztlicher Leistungen durch das CEN ab. Für die Qualitätssicherung in der Medizin existiert das bewährte, von der DDG intensiv unterstützte und von der Rechtsprechung anerkannte Instrument der in ärztlicher Unabhängigkeit und transparent erstellten, auf wissenschaftlicher Evidenz beruhenden, aber die Therapiefreiheit des Arztes respektierenden medizinischen Leitlinien.

Dateien zum Download

AWMF-Stellungnahme CEN 2014-05-15(560 kB)

 

Artikelinfo


Autor

Von: Prof. Peter Elsner, DDG-Öffentlichkeitsarbeit