Geschichte der DDG

Das Historische Archiv der DDG kann nun im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv (BBWA) genutzt werden.

Das Historische Archiv der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) hat im Regionalen Wirtschaftsarchiv für Berlin und Brandenburg (BBWA) seinen dauerhaften Platzgefunden und steht Nutzern sowohl aus der Fachwelt als auch der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. Warum Berlin? Nicht nur, weil die Geschäftsstelle der DDG hier ihren Sitz hat – also schnell auf die Archivalien zugegriffen werden kann –, sondern auch weil mit dem BBWA die Möglichkeiten der stetigen Erweiterung des DDG-Archivs ausgelotet worden sind. Denn die Auswahl des Archivstandorts hängt auch mit der Entstehung des DDG-Archivs und seinem Begründer, Prof. Dr. Albrecht Scholz, zusammen.

Scholz hatte bereits während seines Studiums der Dermatologie in Dresden sein Interesse im Sinne eines ganzheitlichen Bildes des hautkranken Menschen über den fachlich-medizinischen Rahmen hinaus erweitert und seine Disziplin in den Kontext geisteswissenschaftlicher Zusammenhänge gestellt: „Philosophie, Geschichte und Kunst waren ebenso wichtig wie die Biologie, Physik und Chemie. [...] Parallel zum klinischen Alltag beschäftigte ich mich mit Geschichte und Kunst in der Dermatologie. Ich sammelte konsequent zu diesem Thema gehörendes Material und publizierte darüber“ [1]. Diesen Hinweis auf den Entstehungszusammenhang und das Sammlungsinteresse des Archivs gibt Scholz im Vorwort seiner Geschichte der Dermatologie in Deutschland, die er zugleich als Zusammenfassung des gesammelten Materials verstand. Damit ist Scholz nicht nur Begründer des Historischen Archivs der DDG, sondern auch sein erster und intensivster Nutzer.

Archivgründer Albrecht Scholz

Albrecht Scholz (1940–2013) war seit 1976 Oberarzt der Hautabteilung der Zentralen Hochschulpoliklinik der Medizinischen Akademie in Dresden, die er von 1981 bis 1996 leitete. In der Gesellschaft für Dermatologie der DDR war er gut vernetzt. 1996 folgte die Berufung zum Professor des Instituts für Geschichte der Medizin, und er blieb es bis zum Erreichen der Altersgrenze [2]. Die Bedeutung für die Geschichte der Dermatologie unterstrich Scholz auch im Kapitel „Die Gründung von Fachgesellschaften“ im Großwerk „Geschichte der deutschsprachigen Dermatologie“, die anlässlich des 120. Jahrestages der Gründung der DDG in Prag 1889 erschien [3]. Scholz verantwortete unter anderen auch den Beitrag über Albert Neisser im „Pantheon of Dermatology“ [4]. Darüber hinaus waren es biographische Skizzen und bibliographische Hinweise, die Scholz zusammentrug, nicht nur, aber besonders intensiv zu jüdischen Dermatologen. Dieser kursorische Überblick zeigt einige Schwerpunkte in Scholzes Arbeitsleben auf, die sich auch in der Sammlung widerspiegeln, die zum Historischen Archiv der DDG geworden ist – ob es Originalbriefe von Alber Neisser sind, zahlreiche historische Fotografien von Dermatologen und Hautkliniken oder Unterlagen zur Tagungsorganisation der Gesellschaft für Dermatologie der DDR. Der persönliche Austausch mit Zeitzeugen der Dermatologiegeschichte führte dazu, dass Scholz auch Teilvorlässe und persönliche Unterlagen von bedeutenden Dermatologen übergeben wurden [5]. Seine Tätigkeit und seine Sammlung ließen den Berufsverband der Deutschen Dermatologen deshalb anlässlich von Scholzes Tod melden: „Die Dermatologie hat ihr Gedächtnis verloren“ [6]. Wenigstens das Historische Archiv der DDG aber kann als Gedächtnis der deutschen Dermatologie weiterfungieren.

Übernahme in das Regionale Wirtschaftsarchiv

Bereits 2012 führte die DDG Gespräche mit Archiven, um die historischen Dokumente an einem Ort unterzubringen, an dem sie öffentlich zugänglich, fachgerecht geordnet und verwahrt sein würden, ohne gleichzeitig die Geschäftsstelle in ihren eigentlichen Aufgaben zu belasten. Der Umfang der Sammlung und die zu erwartende Bearbeitung der Anfragen erlaubten auch kein Depositum bei einer Privatperson. Das Bundesarchiv urteilte nach Sichtung der Dokumente: „Bei den angebotenen Unterlagen handelt es sich überwiegend nicht um Archivgut […], sondern um eine nach inhaltlichen Sachbegriffen strukturierte Sammlung von häufig gedruckten Materialien […] bei geringem Anteil von originalem Schriftgut“ [7]. Das Bundesarchiv verzichtete deshalb auf die Übernahme – nicht ohne allerdings das Problem der dauerhaften Sicherung von Archivgut der auf Bundesebene oder zumindest überregional tätigen medizinischen Fachgesellschaften anzuerkennen. Einen Lösungsweg für dieses Problem ging die DDG, indem sie im August 2012 Gespräche mit dem Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv aufnahm, das als privates Archiv freier mit den Vorgaben des Bundesarchivgesetzes umgehen darf, insbesondere was die Frage betrifft, wer Eigentümer des Archivgutes ist. Die DDG fügte der Sammlung von Albrecht Scholz die eigenen historischen Unterlagen bei, am umfangreichsten die Dokumentationen der Tagungen der Vereinigung der Südwestdeutschen Dermatologen (SWD) sowie Verbandsschriftgut.

Im BBWA ist das DDG-Archiv Depositum der DDG und wird treuhänderisch verwahrt. Ergänzungen sind ausdrücklich Teil der Vereinbarung, um ein lebendiges Archiv im Sinne des ursprünglichen Sammlungsgedankens zu erhalten.

Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv

Das BBWA widmet sich dem wirtschaftlichen und kulturellen Erbe der Region Berlin und Brandenburg. Es ist eines von zehn regionalen Wirtschaftsarchiven in Deutschland, das älteste wurde 1906 in Köln gegründet. Das regionale Wirtschaftsarchiv sichert die Überlieferung von Unternehmen und Verbänden, sofern diese sie nicht selbst bewahren. Öffentliche Archive besitzen hierfür keinen gesetzlichen Auftrag, weshalb wertvolle Quellen die Zeit häufig nicht überdauern: Gedächtnisverlust droht. Das Wirtschaftsarchiv übernimmt Akten, Fotos, Karten, Pläne und Filme von Unternehmen und Verbänden sowie Nachlässe von Unternehmern. Bisher bedeutendste Bestände des BBWA sind die IHK-Mitgliedsaktenund das Forschungsarchiv Flick.

Neben der Aufgabe, den Verlust von Dokumenten, Fotos und Audiomedien zur Geschichte der privaten Wirtschaft und der Vereine und Verbände in der Hauptstadtregion aufzuhalten, ist das Wirtschaftsarchiv eine zentrale Anlaufstelle für die Aufbewahrung und Erforschung solcher Quellen, die für die Dokumentation des Standortes und seiner Geschichte von Bedeutung sind. Dabei liegt der Überlieferungsschwerpunkt auf der Dokumentation des Wirtschaftshandelns. Veranstaltungen, Presse- und Informationsarbeit des Wirtschaftsarchivs und eine breite Vernetzung mit anderen historisch ausgerichteten Institutionen und Vereinigungen bieten dabei die Plattform für die Wirtschaftsgeschichte als greifbare Gesellschafts- und Regionalgeschichte [8].

Das Wirtschaftsarchiv organisiert Ausstellungen, Fachtagungen und öffentliche Veranstaltungen sowie Schulprojekte und kooperiert mit anderen Archiven, Bildungsträgern sowie kulturellen und wissenschaftlichen Institutionen und Initiativen. Das BBWA ist gemeinnützig und damit förderungswürdig. Es finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Drittmittel und Spenden.

Heute hat das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv 42 Bestände Berliner und Brandenburger Unternehmen, Institutionen und Vereine auf etwa 1 200 Laufmetern. Auf weiteren 800 Laufmetern sind Nachlässe Berliner und Brandenburger Unternehmerpersönlichkeiten, Sammlungen und die Bibliothek verteilt.

Übernahme und Bearbeitung des DDG-Archivs

Das BBWA bearbeitete sach- und fachgerecht von Februar bis März 2014 das Historische Archiv der DDG – bestehend aus 112 Akteneinheiten sowie 249 Zeitschriften und Büchern, die zusammen die Bestandssignatur V 2/3 erhalten haben. Zunächst wurden die Akteneinheiten bearbeitet. Hierzu wurde der Name eines jeden Aktenordners in die Archivdatenbank AUGIAS-Express aufgenommen, die jeweilige Laufzeit festgestellt und jedem Ordner eine eindeutige Signatur zugewiesen. Bei dieser ersten groben Erfassung zeigte sich, dass die Akten, wie schon von Bundesarchiv festgestellt, wiederum aus zwei Teilen bestehen: einem Archivteil und einem Sammlungsteil.

Der Archivteil beinhaltet zunächst die Akten der DDG mit Satzungen, Mitgliederverzeichnissen, (Geschäfts-)Berichten und Korrespondenz von 1889 bis 2007(lückenhaft). Zur Vereinigung Südwestdeutsche Dermatologen (SWD) sind Protokolle, Einladungen, Tagungsanmeldungen sowie Demonstrationen von Krankheitsfällen der Versammlungen im Zeitraum von 1926 bis 1937 und von 1950 bis 1972 (jeweils lückenhaft) vorhanden. Die Akten der Gesellschaft für Dermatologie der DDR beinhalten Programme, Abstrakta, Vorträge, Kurzfassungen und Berichte zu den Kongressen im Zeitraum von etwa 1973 bis 1990. Korrespondenz und Programme der Deutsch-Japanischen Gesellschaft für Dermatologie von 1987 bis 1991 und 1999 (lückenhaft) aus dem Vorlass Otto P. Hornstein vervollständigen den Archivteil [9]. Meist gab der Titel des Ordnerrückens ausreichend Aufschluss über dessen Inhalt, so dass in Inhalt der Datenbank nur wenige Ergänzungen anzubringen waren.

Der Sammlungsteil hingegen umfasst vor allem Fotos, Zeitschriftenartikel, Kurzporträts sowie Archivauskünfte mit biographischen Angaben zu deutschsprachigen Dermatologen überwiegend aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Hier handelt es sich um Vorarbeiten zu dem geplanten Werk von Albrecht Scholz über deutschsprachige Dermatologen. Ebenso gehören Fotos und Zeitschriftenartikel zu zahlreichen Hautkliniken zum Sammlungsteil. Des Weiteren sind vier Rechnungsbücher der DDG (1984–1993) sowie Fotoalben der Universitätshautklinik Greifswald (1920er Jahre und etwa 1970) und der Universitätshautklinik Hamburg-Eppendorf (1953) vorhanden. Schließlich beinhaltet die Sammlung eine unvollständige Chronik der Gesellschaft für Dermatologie der DDR (1977–1990) und eine Videokassette mit der TV-Berichterstattung über die 42. Tagung der DDG (6.–10.5.2003). Hinzuweisen ist auch auf die zum Teil im Original erhaltene Korrespondenz Albert Neissers mit Familienangehörigen und Kollegen (1905–1907). Zeitungsartikel, wissenschaftliche Berichte, handschriftliche Notizen von Albrecht Scholz und Fotos zur Moulagensammlung in Dresden vervollständigen den Sammlungsteil. Um in diesem Teil erfolgreich suchen zu können, wurden zusätzlich zum Aktentitel im Inhaltsfeld der Datenbank die Personen- und Kliniknamen jeweils einzeln aufgelistet.

Nach der Erschließung erfolgte die Umbettung der Archivalien. Hierzu wurden die Akten aus ihren Ordnern genommen, aus konservatorischen Gründen sämtliche Eisenteile (Büro- und Heftklammern) sowie Plastikteile (Klarsichtfolien und Schnellhefter) und Klebestreifen entfernt. Anschließend wurden sie in säurefreie Mappen gelegt – oder wie es der Archivar nennt – umgebettet. Um die spätere Auffindbarkeit der Akten sicherzustellen, wurde jede Mappe mit der eindeutigen Signatur der jeweiligen Akteneinheit durch Bleistift gekennzeichnet. In einem letzten Schritt wurden die Mappen in ebenfalls entsprechend beschriftete Archivkartons gelegt und diese an ihren endgültigen Platz im Magazin des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs deponiert. Die insgesamt 112 Akteneinheiten umfassen etwa fünf laufende Meter.

Anschließend galt es die insgesamt 249 Bücher und Zeitschriften zu verzeichnen. Es handelt sich dabei einerseits um Monographien, Gedenkschriften und wissenschaftliche Arbeiten verdienter Dermatologen und diverser Hautkliniken, andererseits um Programme und Berichte der DDG sowie zu verschiedenen dermatologischen Ausstellungen. Über ihre Zugangsnummern sind die Bücher und Zeitschriften Abbildung 2 Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv eindeutig gekennzeichnet und entweder darüber oder über den Titel bzw. Autor/en in der Datenbank AUGIAS-Express auffindbar. Da alle Bücher und Zeitschriften in einem guten oder sehr guten Zustand sind, waren bestandserhaltende Maßnahmen dieser etwa 3,5 laufenden Meter nicht notwendig.

Bestandsübersicht

112 Akteneinheiten, etwa 5 laufende Meter, darin:

Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG)

  • Satzungen der DDG
  • „Mitgliederverzeichnisse
  • „Korrespondenz Vorstand DDG
  • „Geschäftsberichte der DDG
  • „Sektionen und Arbeitsgemeinschaften der DDG
  • „nationale und internationale Kongresse in Deutschland

Deutsch-Japanische Gesellschaft für Dermatologie

Vereinigung Südwestdeutsche Dermatologen (SWD)

Gesellschaft für Dermatologie der DDR

  • Statut vom 1.1.1986
  • „Mitgliederverzeichnis
  • „Protokolle Vorstandssitzungen
  • „Rundschreiben der Gesellschaft für Dermatologie der DDR
  • „Kongresse der Gesellschaft für Dermatologie der DDR
  • „Sektionen und Arbeitsgruppen der Sektionen Gesellschaft für Dermatologie der DDR

Biographien von Dermatologen

Zeitschriften und Bücher umfassen 249 Titel, etwa 3,5 laufende Meter:

  • „Monographien, Gedenkschriften und wissenschaftliche Arbeiten über verdiente deutschsprachige Dermatologen und über Hautkliniken
  • „Programme und Berichte der DDG sowie zu verschiedenen dermatologischen Ausstellungen

Das DDG-Archiv kann von jedem Mitglied der DDG genutzt werden; eine Ausleihe ist nicht möglich. Das Findbuch kann im Wirtschaftsarchiv eingesehen werden. Nutzungstermine können mit dem BBWA vereinbar werden.

Die Kooperation zwischen DDG und BBWA sieht vor, das Historische Archiv der DDG als eine lebendige Sammlung zu erhalten und den Akteuren der Geschichte der Dermatologie zu ermöglichen, der Sammlung Ergänzungslieferungen hinzuzufügen. Gedacht ist hier insbesondere an Nachlässe bedeutender deutscher Dermatologen.

Björn Berghausen, Waltraud Künstler

Korrespondenzanschrift
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gerd Plewig
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Klinikum der Universität München
Frauenlobstraße 9–11
80337 München
E-Mail: gerd.plewig@med.uni-muenchen.de

Der gesamte Artikel sowie die Literaturangaben sind downloadbar.

Dateien zum Download

geschichte ddg(1.1 MB)

 

Artikelinfo


Autor

Von: Björn Berghausen, Waltraud Künstler