Neue Therapiemöglichkeiten für das maligne Melanom - Modell für systemische Krebstherapien

Pressemitteilung

Bei Hautkrebserkrankungen lassen sich die entarteten Zellen meist operativ vollständig entfernen. Bei manchen Patienten haben sich jedoch bereits Metastasen in inneren Organen gebildet. In diesen Fällen können heute Kombinationstherapien gute Ergebnisse erzielen und die Lebenszeit verlängern. Vor kurzem zugelassene und wirksame Strategien verwenden dazu kleinmolekulare Wirkstoffe oder immunmodulierende Antikörper. Für die Entwicklung solcher modernen Therapieansätze bei Krebserkrankungen in fortgeschrittenen Stadien gilt das Melanom als Modellerkrankung.

Immer mehr Menschen erkranken an Hautkrebs. Frühzeitig erkannt lassen sich diese Wucherungen entarteter Zellen in den meisten Fällen vollständig operativ entfernen. Der schwarze Hautkrebs, auch Melanom genannt, ist jedoch besonders gefährlich, weil er bei einigen Patienten Absiedlungen in lebenswichtigen Organen wie Lunge, Leber oder Gehirn bilden kann. Bis vor kurzem betrug die durchschnittliche Überlebenszeit mit solchen Organ-Metastasen nur wenige Monate. Dies hat sich durch die Einführung neuer Therapieansätze in den letzten Jahren grundlegend geändert. Heute kann mit geeigneten Kombinationen moderner Medikamente immer mehr Patienten geholfen und das Leben erheblich verlängert werden.

Kombinationstherapien beim metastasierten Melanom

Die ersten wirksamen Kombinationstherapien bestehen aus zwei kleinmolekularen Wirkstoffen, die Wachstumssignale in Hautkrebszellen hemmen. Substanzen aus dieser Klasse stehen erst seit wenigen Jahren zur Verfügung. Sie wurden 2015 für die gemeinsame Anwendung beim inoperabel metastasierten Melanom zugelassen. Viele Patienten aus den für die Zulassung dieser neuen Medikamente durchgeführten klinischen Studien sind heute noch am Leben, wie kürzlich veröffentlichte Analysen  zeigen konnten.

Eine weitere, offenbar noch wirksamere Kombinationstherapie wurde 2016 für Patienten mit fortgeschrittenem Melanom zugelassen. Sie besteht aus zwei Antikörpern, die Steuerungsvorgänge der zellulären Immunabwehr außer Kraft setzen. Als sogenannte „Immun-Checkpoint-Inhibitoren“ reaktivieren sie die körpereigene Erkennung und Elimination von Krebszellen. Dieser völlig neuartige Behandlungsansatz ist nicht nur bei schwarzem Hautkrebs, sondern auch bei einer Reihe anderer Krebsarten unerwartet erfolgreich. Immer mehr Patienten erleben eine deutliche oder vollständige Rückbildung von Organmetastasen über viele Jahre. „Neu sind jedoch auch die unerwünschten Nebenwirkungen dieser Medikamente“, weiß Prof. Dr. med. Thomas Tüting, Direktor der Universitätshautklinik Magdeburg. „Durch die unspezifische Aktivierung des Immunsystems kommt es nicht nur zur Zerstörung von entartetem Krebsgewebe, sondern auch von gesundem Gewebe in verschiedenen Organen.“

Melanom als Modellerkrankung für neue systemische Therapien

Patienten mit metastasiertem Melanom stehen heute mehrere innovative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die aktuelle Herausforderung für die behandelnden Ärzte besteht in der Auswahl einer möglichst wirksamen und nebenwirkungsarmen Kombinationstherapie für jeden einzelnen Patienten. Weitere Kombinationstherapien werden in aktuellen klinischen Studien erprobt. Gleichzeitig werden neue diagnostische Verfahren für eine Vorhersage ihrer Wirksamkeit entwickelt. Damit ist das Melanom ein wichtiger Modelltumor für die Etablierung neuer, patientenspezifischer, immunologisch orientierter Ansätze der Therapie für viele Krebspatienten in der Zukunft.

Jahrestagung 2017

Bewährte und neue Therapiemöglichkeiten stehen im Fokus der 49. Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), die vom 26. bis zum 29. April 2017 im Berliner City Cube stattfindet. Experten diskutieren über den aktuellen Stand der Wissenschaft und tauschen sich mit Kollegen über ihre Erfahrungen in der ärztlichen Praxis aus.


Kongress-Pressestelle:
Die DDG unterhält während der Tagung im Berliner CityCube eine Pressestelle. Diese ist von Mittwoch (26.04.) bis Freitag (28.04.) von 9 bis 17 Uhr besetzt.

Hinweise für Redaktionen:
Zu diesen Themen sind Pressemitteilungen zu Beginn der Tagung abrufbar:
•    Aktuelle Herausforderungen der Dermatologie
•    Molekulare Diagnostik in der Dermatologie
•    Neue Therapiemöglichkeiten für das maligne Melanom
•    Neue Therapie bei schweren Allergien
•    Hautinfektionen 2017
Sollten Sie die (Vor-)Berichterstattung mit einem Gespräch mit einem unserer Experten ergänzen wollen, stellen wir gerne einen Kontakt her.
Rufen Sie uns an: Tel. 030-246253-38 oder 0176-62543711.

Allgemeine Fragen und Interviewanfragen:
Jenny Kocerka
Geschäftsstelle der DDG
Robert-Koch-Platz 7
10115 Berlin
E-Mail: j.kocerka@derma.de
Tel.: 030/246253-38, Fax: 030/246253-29
Mobil: 0176-62543711

Akkreditierung zur 49. DDG Tagung:
Das Anmeldeformular finden Sie auf unserer Internetseite www.derma.de/de/fuer-aerzte/49-ddg-tagung/presse. Dieses senden Sie bitte ausgefüllt und unterschrieben an folgende E-Mail-Adresse:

registration.berlin-at-mci-group.com

Bitte notieren Sie handschriftlich, dass Sie sich als Presse akkreditieren möchten. Daher fallen keine Gebühren für Sie an. Senden Sie am besten gleich den digitalisierten Presseausweis mit!

Das Kongress-Vorprogramm ist abrufbar unter:
http://www.derma.de/de/fuer-aerzte/49-ddg-tagung/programm/


Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der deutschsprachigen Dermatologen mit mehr als 3.700 Mitgliedern. Sie ist gemeinnützig und fördert Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Dermatologie und ihrer Teilgebiete.
Die DDG bemüht sich zudem um die Förderung der klinischen und praktischen Dermatologie, Allergologie und Venerologie sowie ihrer konservativen und operativen Teilgebiete. Hierzu dienen z.B. die Durchführung von wissenschaftlichen Veranstaltungen, insbesondere von wissenschaftlichen Kongressen sowie die Publikation von Tagungsberichten, die Anschubfinanzierung und Förderung von Forschungsvorhaben.
Darüber hinaus fördert die DDG nationale und internationale Wissenschaftler sowie wissenschaftliche Einrichtungen im deutschsprachigen Raum durch die Vergabe von Forschungsgeldern sowie Stipendien.

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[1] Long GV, Grob JJ, Nathan P, Ribas A, Robert C, Schadendorf D, Lane SR, Mak C, Legenne P, Flaherty KT, Davies MA.

Factors predictive of response, disease progression, and overall survival after dabrafenib and trametinib combination treatment: a pooled analysis of individual patient data from randomised trials.

Lancet Oncol. 17:1743-1754, 2016. (PMID: 27864013)


 

Artikelinfo


Autor

Von: Prof. Dr. Thomas Tüting, Magdeburg