Striärer Lichen aureus Vorgestellt von: U. Begemann, Prof. Dr. med. W. Stolz Überwiesen von: Dr. U. Rauher, Hautarzt, Forchheim Patient: R. J. m., 10 Jahre |
Anamnese: Seit dem 3. Lebensmonat waren am rechten Oberarm bräunlich-rötliche, streifig angeordnete Hautveränderungen aufgetreten. Die bisher durchgeführte Therapie mit pflegenden und glukokortikosteroidhaltigen Externa habe keine Befundbesserung ergeben.
Hautbefund: Am rechten Oberarm finden sich multiple kleine, zum Teil bandartig konfluierende bräunlich-rötliche makulopapulöse Hautveränderungen. Weiterhin fanden sich beidseits an Handrücken und Handgelenken feinlamellär schuppende Ekzemherde.
Histologie: Atrophie der Epidermis mit verstrichenen Reteleisten. Fokal korbgeflechtartige und parakeratotische Hornschicht. Innerhalb der Epidermis einzelne Dyskeratosen. An einer Stelle Aggregationen von Lymphozyten ohne wesentliche Spongiose. Subepidermal bandförmiges, um die Haarfollikel und Schweißdrüsenausführungsgänge auch bis in die mittlere Dermis reichendes, lymphohistiozytäres entzündliches Infiltrat, z. T. mit lymphoiden Zellen mit gekerbten Kernen. Deutliche Erythrozytenextravasate, fokal auch mehrkernige Riesenzellen. In der Eisenfärbung deutliche Ablagerungen.
Kommentar: Der Lichen aureus (LA) stellt eine seltene Form in der Gruppe der hämorrhagisch-pigmentären Dermatosen dar. Gegenüber den anderen Formen ist der LA dadurch gekennzeichnet, daß er sich nur in einem umschriebenen Hautareal manifestiert. Disseminierte Ausprägungen scheinen extrem selten vorzukommen. Der LA ist meist unilateral im Bereich der Beine mit Bevorzugung der Unterschenkel lokalisiert, aber auch Manifestationen an Stamm und oberen Extremitäten kommen vor. Beide Geschlechter werden betroffen, auch im Kindes- und Jugendalter kommt der LA vor. Die Hautveränderungen werden als asymptomatisch, in einigen Fällen mit geringem Pruritus oder Druckschmerz beschrieben. Eine Variante des LA stellt der bisher nur 8 mal dokumentierte segmental-zosteriforme LA dar. Ein abgelaufener Zoster als möglicher Manifestationsfaktor ließ sich bei den beschriebenen Patienten wie auch bei unserem Patienten nicht eruieren. Auch folgt die striäre Anordnung des zosteriformen LA weder streng der segmentalen Gliederung noch anderen Hautlinienmustern wie den Blaschko-Linien. Die Ätiopathogenese des LA ist unklar. In Einzelfällen wurde ein Zusammenhang mit Medikamenteneinnahme oder nutritiven Faktoren beobachtet; eventuell besteht auch eine Korrelation zu asymptomatischen Infektionen. Möglicherweise wird eine Kapillaritis durch Fokalinfekte mit nachfolgender Typ IV-Reaktion getriggert. Eine deutliche Kapillarfragilität macht verständlich, warum ein erhöhter venöser Druck zur Exazerbation eines LA führen kann. Die Insuffizienz von Perforansvenen als Ursache für die erhöhte Kapillarfragilität sind als Ursache jedoch eher unwahrscheinlich, da keiner der Fälle von LA bei Kindern in Assoziation mit einer Insuffizienz der Venae perforantes beobachtet wurde und der LA auch an den oberen Extremitäten und am Körperstamm beobachtet wird. Der LA ist eine benigne, jedoch hartnäckig persistierende Erkrankung ohne spontane Rückbildungstendenz. Lokale Therapiemaßnahmen, z.B. mit Glukokortikosteroiden, haben sich als wenig effektiv erwiesen, wobei die striäre zosteriforme Variante eher noch besser auf lokale Glukokortikosteroide ansprechen soll als die häufigere lokalisierte Form.
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