ORALE CANDIDOSE |
Definition Manifeste Infektion der Mundhöhle und /oder im Lippenbereich mit pathogenen Hefen. Der alleinige Nachweis einer Hefe (auch opportunistische Candida-Arten) definiert noch keine orale Candidose. Die verschiedenen klinischen Krankheitsbilder entstehen durch die Anwesenheit einer Candida-Species bei gleichzeitig bestehenden prädisponierenden Faktoren (z. B. Zahnprothesen, Diabetes mellitus, gestörte Immunabwehr u. a.).
Klinische Bilder: Bewährt ist die Untergliederung der verschiedenen klinischen Bilder nach akuten und chronischen Formen.
Das Leitsymptom der akuten oralen Candidose (Synonyme: akute pseudomembranöse Candidose, Soor, oral thrush) sind die stippchenförmigen, später konfluierenden, weißen, abstreifbaren (z. B. mit Holzspatel) Beläge, unter denen sich eine hochrote leicht blutende Schleimhaut befindet; subjektiv eher Mißempfindungen (Geschmacksstörungen, Pelzigkeitsgefühl) als Schmerz. Häufigste Patientengruppen: Säuglinge und erwachsene Menschen mit schweren Grundkrankheiten.
Leitsymptom der chronischen oralen Candidose (Prothesen-Stomatitis; chronische atrophische Candidose) ist ein Erythem und Ödem der Mundschleimhaut an Kontaktstellen mit Prothesenteilen, vorwiegend am harten Gaumen. Subjektiv bestehen leichte Mißempfindungen oder auch Beschwerdefreiheit.
Weitere klinische Bilder sind die mykotische Perlèche, die Candida-Leukoplakie, die Candida-Cheilitis, sowie die seltene mit einem Immundefekt assoziierte chronische mucocutane Candidose. Die mediane rhomboide Glossitis und die schwarze Haarzunge sind nur dann als orale Candidose definiert, wenn der Nachweis ihrer Verursachung durch eine pathogene Hefe geführt wurde.
Wichtigster Vertreter der Gruppe der pathogenen Hefen als Ursache der oralen Candidose ist Candida albicans. |
Untersuchungen Notwendig |
klinische Inspektion Materialgewinnung für die Laboratoriumsdiagnostik: Mittels steriler Platinöse bzw. eines sterilisierten Watteträgers wird die verdächtige Stelle abgestrichen. Sofern möglich, sollte das Material sofort auf einen Pilznährboden ausgestrichen bzw. auf dem kürzesten Wege unter Schutz vor Austrocknung in das Labor transportiert werden. Die Materialentnahme erfolgt am Ort der höchsten Erregerwahrscheinlichkeit, z. B. unter der Zahnprothese, aus weißen Belägen, aus Schuppenmaterial des Lippenwinkels. Rachengurgelwasser: mit 10 ml sterilem Wasser eine Minute gurgeln. Wasser in sterilisiertes Weithalsgefäß mit Verschluß speien.
Nativpräparat: unter Zusatz von physiologischer Kochsalzlösung oder (bei Belägen und Schuppen) von 15%iger Kalilauge oder 20%iger Tetraethylammoniumhydroxidlösung mit oder ohne Farbstoffzusätzen. Bessere Aussagen erlangt man mit einem Ausstrichpräparat, das mit Methylenblau oder nach Gram gefärbt ist. Mikroskopische Untersuchung eines mit einem Deckgläschen bedeckten Präparates bei ca. 10- (Übersicht) bis 40- (Detail) facher Objektiv- und 10-facher Okularvergrößerung (Nachweis von Pilzelementen: Sproßzellen, Pseudomycelien, Mycel). Die Untersuchung des Nativpräparats ist orientierend und ersetzt keinesfalls die zusätzlich anzulegende Kultur.
Kultur: Anzüchtung auf geeignetem Nährboden (Sabouraud-Glucose-Agar oder vergleichbarer Agar) bei 36 1C über drei bis vier Tage. Das weitere Vorgehen bis zur Bestimmung der Pilzart erfolgt wie bei Candidose der Haut beschrieben.
Suche nach prädisponierenden Faktoren: Überprüfung von Zahnprothesen bezüglich ihres Sitzes, ihrer Oberfläche und ihres Pflegezustandes; Ausschluß von Diabetes mellitus, Leukämie, immunschwächenden Erkrankungen, begleitenden erosiven Krankheiten der Mundschleimhaut. Die pseudomembranöse Candidose (Soor) kann ein Zeichen einer HIV-Infektion oder der AIDS-Erkrankung sein. Sie ist immer ein Hinweis auf eine schwerwiegende Grundkrankheit! Mögliche medikamentöse Auslöser: Zytostatika; Glukokortikoide, speziell auch bei inhalativer Applikation. |
Therapie Im Regelfall topische Therapie mit bewährten Antimykotika vom Polyen-Typ (Nystatin, Amphotericin-B oder Natamycin) oder Azol-Typ (speziell Miconazol) in geeigneten Zubereitungen (Lösungen, Suspensionen, Lutschtabletten oder Mundgele, bei Lippenbeteiligung auch Cremes).
Beachten: Die Gabe der Polyen-Antimykotika in Tablettenform bewirkt eine Lokaltherapie des Orogastrointestinal-Traktes und ist wegen fehlender Resorbierbarkeit dieser Wirkstoffe nicht als systemische Therapie zu interpretieren. In bestimmten Fällen auch systemische Therapie (bei Versagen der topischen Behandlung oder bei Besorgnis mangelnder Wirksamkeit bei ausgeprägter Immunschwäche, z. B. chronische mucocutane Candidose). In diesen Fällen sind Azole (Fluconazol, Ketoconazol) angezeigt. Bei Versagen der oralen Therapie auch Amphotericin B in parenteraler Applikation. In allen Fällen von verzögerter Wirksamkeit oder Therapieversagen sollten prädisponierende Faktoren weiter abgeklärt werden. Darüberhinaus muß auch an die Ausbildung von resistenten Stämmen bzw. einen Erregerwechsel, vor allem bei Anwendung von Azolantimykotika, gedacht und entsprechende Untersuchungen veranlaßt werden.
Im Einzelfall nützlich: Schutz vor Schmierinfektionen. Mund- und Prothesenpflege mit geeigneten desinfizierenden oder antimyzetisch wirksamenSubstanzen.
Ambulant/stationär: Behandlung im Regelfall ambulant. Stationäre Behandlung nur bei aussergewöhnlich schweren Verlaufsformen beim Vorliegen von schweren Grundkrankheiten. |
Credits Erarbeitet von der Subkommission Mykologie der Kommission Qualitätssicherung Deutsche Dermatologische Gesellschaft Berufsverband der Deutschen Dermatologen e. V. Abgestimmt mit dem Vorstand der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft
D. Reinel, Hamburg, C. Seebacher, Dresden, H. C. Korting, München, J. Brasch, Kiel, H.-J. Tietz, Berlin, D. Abeck, München, K.-H. Schlacke, Bremerhaven, G. Hamm, Halle, N. Haake, Essen, H. Bernhardt, Greifswald, W. Fegeler, Münster. |
