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TINEA DER FREIEN HAUT


 

Definition

Eine der häufigsten, durch Dermatophyten bedingte entzündliche Hauterkrankung mit Beteiligung unterschiedlicher Anteile des Hautorgans einschließlich der Nagelorgane; Eintrittspforte der Erreger in vielen Fällen der Zwischenzehenraum, insbesondere der 3. und 4.; von hier aus Ausbreitung auf andere Anteile des Fußes, die Leiste und andere Hautareale möglich. Aufgrund klinischer, diagnostischer und therapeutischer Besonderheiten Untergliederung je nach Lokalisation: Tinea pedis, Tinea unguinalis, Tinea corporis etc. Angesichts von Häufigkeit und erheblichen Unterschieden unter den genannten Gesichtspunkten weitere Untergliederung der Tinea pedis in (den häufigsten) interdigitalen oder mazerativen Typ, hyperkeratotischen und dyshidrosi-formen Typ. Leitsymptome: Juckreiz, Schuppung und Rötung, insbesondere im Zwischenzehenraum weißliche Verquellung oberer Hautschichten (Mazeration, evtl. auch Erosion). Zahlenmäßig wichtigste Erreger gut an den Menschen adaptiert: Anthropophile Dermatophyten. Bei entsprechender Infektion in der Regel eher mäßige entzündliche Anwort des Wirtes. Stärkere entzündliche Antwort häufig bei vorwiegend bei Tieren bzw. in der Erde vorkommenden Erregern: Zoophile und geophile Keime. Wichtigste Vertreter der ersteren Gruppe Trichophyton rubrum und Trichophyton mentagrophytes, der mittleren Microsporum canis, der letzteren Microsporum gypseum.


 

Untersuchungen

Notwendig


 

Klinische Inspektion

Materialgewinnung für weitergehende Laboratoriumsdiagnostik (Entnahme am Ort der höchsten Erregerwahrscheinlichkeit), insbesondere im Randbereich aufgrund peripherer Ausbreitungstendenz der Erreger (Perinomodie)

Nativpräparat (nach Mazeration des gewonnenen Untersuchungsmaterials in der feuchten Kammer über eine Stunde in Gegenwart von 10 - 30%iger Kalilauge mikroskopische Untersuchung eines mit Deckgläschen bedeckten Glasobjektträgers bei ca. 10-(Übersicht) und 40-(Detail)facher Objektiv- und 10facher Okularver-größerung (Nachweis von Pilzelementen: Hinweis auf Pilzinfektion, nicht aber Art- oder auch nur Gruppenzugehörigkeit (Dermatophyten, Hefen, Schimmel))

Kultur: Anzüchtung auf geeigneten Nährböden (Kimmig- bzw. Sabouraud-Glukose- oder vergleichbarem Agar) bei 28°C bzw. Raumtemperatur über 3 - 4 Wochen; im Falle von Wachstum makroskopische und mikroskopische Beurteilung auf morphologischer Basis (Ausbildung und Insertion von Makro- bzw. Mikrokonidien); zumindest in Zweifelsfällen und bei der Abgrenzung von Trichophyton rubrum und Trichophyton mentagrophytes als den häufigsten Keimen weitergehende Testung mittels spezieller Untersuchungen (Farbstoffbildung auf Kartoffel-Glukose-Agar, Positivität des Ureasetests, Haarperforationstest)


 

Im Einzelfall nützlich

Inspektion des gesamten Integumentes mittels UV-Licht (mittels Wood-Licht-Lampe) zur Aufdeckung klinisch nur diskret befallener Areale sowie orientierender Einordnung der Erreger.

 

Insbesondere bei negativem Nativpräparat bei dringendem klinischen Verdacht Beifügung eines optischen Aufhellers zum mikroskopischen Präparat und Inspektion mittels Fluoreszenzmikroskop.

 

Subkulturen zur weitergehenden Abklärung.

 

Einsatz des DTM-Mediums im Rahmen der ersten Subkultur zur Grobdifferenzierung zwischen Dermatophyten und Schimmeln.

 

Charakterisierung der Antimykotika-Empfindlichkeit im Makro- bzw. Mikrodilutions- oder Agardilutionstest.


 

Therapie

Topisch: Im Regelfall Lokaltherapie mit Vertretern anerkannter Wirkstoffklassen: Azole: Clotrimazol, Miconazol, Econazol, Bifonazol, Sertaconazol o.ä.; Hydroxypyridone: Ciclopiroxolamin;

 

Allylamine: Naftifin, Terbinafin;

 

Auswahl der im Einzelfall geeigneten Form (je nach Lokalisation und Ausprägung gegebenenfalls auch mehrere): Insbesondere Creme, Lösung, (Liposomen-)Gel, Paste oder Puder.

 

Systemisch: Bei Versagen einer topischen Therapie oder begründetem Verdacht auf mangelnde Wirksamkeit (Ausdehnung, Typ (z.B: hyperkeratotische Tinea pedum)) systemische Therapie: Griseofulvin, mikronisiert oder ultramikronisiert;

 

Azole: Ketoconazol, Itraconazol oder Fluconazol;

 

Allylamin: Terbinafin - in dem Lebensalter entsprechend geeigneter Form, im Regelfall bei Jugendlichen und Erwachsenen Tabletten, Kapseln oder Dragees, bei Kindern vorzugsweise Saft.


 

Im Einzelfall nützlich

Meidung des Kontaktes mit infizierten Kontaktpersonen bzw. tierischen Überträgern bzw. deren Sanierung. Desinfektion Krankheitserreger verbreitender Gegenstände (Desinfektion von Schuhen und Strümpfen bei Tinea pedis, z.B. mit Tributylzinn-haltigem Desinfektionsmittel)


 

Ambulant / stationär

Behandlung im Regelfall ambulant, aus unterschiedlichen Gründen im Einzelfall Notwendigkeit der stationären Behandlung möglich; insbesondere unter anderem bei ausgeprägt entzündlicher Verlaufsform wie z.B. manchmal bei Tinea barbae und mangelndem Ansprechen oder drohendem mangelnden Ansprechen auf Therapie bei womöglich mit Haarverlust einhergehender Tinea capitis, speziell bei stark entzündlicher oder äußerst diskreter Ausprägung.


 

Die "Leitlinien" der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen e.V. sind Empfehlungen für ärztliches Handeln in charakteristischen Situationen. Sie schildern ausschließlich ärztlich-wissenschaftliche und keine wirtschaftlichen Aspekte. Die "Leitlinien" sind für Ärzte unverbindlich und haben weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung.