Geplantes Zentrum zur Erforschung von Entzündungen der Haut in Lübeck als förderwürdig anerkannt

Center for Research on Inflammation of the Skin (CRIS): Molekulare Mechanismen der Erkrankungsentstehung und innovative Konzepte für ihre Behandlung - 25,4 Millionen Euro für einen neuen Forschungsbau

Der Wissenschaftsrat, das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland, empfiehlt die Finanzierung eines Forschungsneubaus an der Universität zu Lübeck über 25,4 Millionen Euro. Damit kann an der Universität, vorbehaltlich der Bestätigung durch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern, das geplante Zentrum zur Erforschung von Entzündungen der Haut (Center for Research on Inflammation of the Skin, CRIS) eingerichtet werden.

Wissenschaftliche Zielstellung des geplanten Forschungsbaus ist die Aufklärung der molekularen Mechanismen der Entstehung von Entzündungen der Haut und die Entwicklung innovativer und kurativer Konzepte für ihre Behandlung. Für diese Aufgabe haben Arbeitsgruppen aus der Medizin, der Biologie und Physik das Center for Research on Inflammation of the Skin gegründet. Das CRIS soll in dem beantragten Forschungsbau räumlich integriert und mit modernen Schlüsseltechnologien ausgestattet werden.

Für die Universität zu Lübeck bedeutet die heutige Anerkennung der Förderungswürdigkeit einen außerordentlich wichtigen Erfolg und einen weiteren großen Schritt nach vorn für Lübeck. „Wenn die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern am 23. Juni der Empfehlung des Wissenschaftsrates folgt und die Förderung eines Forschungsneubaus für das Center for Research on Inflammation of the Skin beschließt, bedeutet dies einen großen Fortschritt für die Entzündungsforschung auf unserem Campus“, sagten der Präsident der Universität, Prof. Dr. Hendrik Lehnert, und der Vizepräsident für die Forschung und designierte Leiter des CRIS, Prof. Dr. Detlef Zillikens.

„Mehr als 140 Wissenschaftler aus zwei Kliniken und sechs Instituten können dann auf 2.500 Quadratmetern interdisziplinär und unter Verwendung modernster Technologien zur Entzündung an der Haut forschen“, sagten sie weiter. „Das Gebäude wird in zentraler Lage in unmittelbarer Nähe zu anderen neuen Forschungsgebäuden und Service-Einheiten (Core Facilities) der Universität entstehen und integriert im Erdgeschoss auch eine Forschungsambulanz für Patienten und Probanden.“

Der vom Wissenschaftsrat anerkannte Förderhöchstbetrag für das CRIS beträgt 25,439 Millionen Euro, die pauschalierte Finanzierungsrate für 2018 beträgt 2,544 Millionen Euro. Der Forschungsbau soll auf dem Campus der Universität zu Lübeck, in unmittelbarer Nähe zum Zentrum für medizinische Struktur- und Zellbiologie (ZMZS), zum Zentrum für Biomedizinische Forschung (BMF) und zum Center of Brain, Behavior and Metabolism (CBBM), entstehen. In das geplante Gebäude sollen 117 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie 26 weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einziehen. Designierter Geschäftsführer des CRIS ist Prof. Dr. Christian Sadik.

Zur möglichst breiten Aufklärung der Entstehungsmechanismen steriler Entzündungen der Haut wird sich das Forschungsprogramm des CRIS zuerst auf drei paradigmatische Gruppen entzündlicher Erkrankungen der Haut fokussieren. Dabei repräsentiert die Entzündung in jeder der drei Erkrankungsgruppen ein prototypisches Beispiel für jeweils einen häufigen Typ der Entzündung mit breiter medizinischer Relevanz über die Dermatologie hinaus. Alle drei Gruppen sind bisher nur unzureichend therapierbar und daher mit hohem medizinischem Bedarf verbunden.

Diese Forschungsprogrammatik des CRIS ist zunächst für einen Zeithorizont von 15 Jahren konzipiert. Im Mittelpunkt der sich daran anschließenden Forschungsprogrammatik sollen weiterhin chronische Entzündungen der Haut stehen. Je nach Fortschritt und Erkenntnisgewinn der bis dahin erfolgten Arbeiten ist eine Schwerpunktänderung auf andere chronisch-entzündliche Erkrankungsgruppen der Haut möglich.

Mit dem Bund-Länder-Programm für Forschungsbauten an Hochschulen sollen die investiven Voraussetzungen der deutschen Hochschulen für eine erfolgreiche Teilnahme am nationalen und internationalen Wettbewerb in der Forschung verbessern. Für die insgesamt zwölf heute als förderwürdig anerkannten Vorhaben steht die Finanzierung der Gesamtkosten in Höhe von rund 303 Millionen Euro zur Verfügung. „Damit erfüllt das Programm Forschungsbauten aus unserer Sicht sehr deutlich eine mit seiner Einrichtung von Bund und Ländern verbundene Hoffnung“, sagte die Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Prof. Dr. Martina Brockmeier,. „Denn es ermöglicht die interdisziplinäre Kooperation in spezifisch darauf ausgerichteten Infrastrukturen, die den Hochschulen sonst nicht zur Verfügung stünden.“

Hintergrund

Nichtinfektiöse („sterile“) Entzündungen sind Ursache der Entstehung zahlreicher und vielfältiger Erkrankungen. Sterile Entzündungen manifestieren sich in feingeweblich jeweils unterschiedlichen Mustern („Typen“), die sich in jeweils ähnlicher Form in fast allen Organen entwickeln können. Heutige Therapien steriler Entzündungen sind in der Regel nicht kurativ, sondern unterdrücken diese durch eine systemische Immunsuppression unter Tolerierung oft schwerer Nebenwirkungen.

Die Haut ist eines der am häufigsten von sterilen Entzündungen betroffenen 30 Organe. Alle Typen der sterilen Entzündung können sich an ihr manifestieren. Dies sowie die direkte Exposition der Haut an der Körperoberfläche machen die Haut als Modellorgan für die Aufklärung der spezifischen Pathogenese der verschiedenen Typen der Entzündung besonders geeignet. Wissenschaftliche Zielstellung des geplanten Forschungsbaus ist die Aufklärung der molekularen Mechanismen der Entstehung von Entzündungen der Haut und die Entwicklung innovativer und kurativer Konzepte für ihre Behandlung. Für diese Aufgabe haben Arbeitsgruppen aus der Medizin, der Biologie und Physik das Center for Research on Inflammation of the Skin (CRIS) gegründet. Das CRIS soll in dem beantragten Forschungsbau nun räumlich integriert und mit modernen Schlüsseltechnologien ausgestattet werden.

Bei den drei ausgewählten Erkrankungsgruppen handelt es sich um (a) Pemphigoide - prototypisches Beispiel für den granulozytären Typ der Entzündung, (b) ANCA-assoziierte Vaskulitiden (AAVs) - prototypisches Beispiel für den granulomatösen-nekrotisierenden Typ der Entzündung und (c) Sklerodermien - prototypisches Beispiel für den lymphozytär-fibrosierenden Typ der Entzündung. Für die parallele Aufklärung soll das Forschungsprogramm des CRIS in fünf interagierende Projektbereiche organisiert sein:

1. Molekulare und zelluläre Immunologie: In diesem Projektbereich sollen auf molekularer und zellulärer Ebene einzelne Aspekte der Pathogenese der drei paradigmatischen Erkrankungsgruppen in vitro simuliert werden, um ihre molekularen Mechanismen weiter aufzuklären und Ansätze zu ihrer therapeutischen Unterbrechung aufzuzeigen.

2. „Präklinische Krankheitsmodelle“ sollen eine zentrale Rolle in der Forschungsprogrammatik des CRIS spielen. Mithilfe von Mausmodellen sollen die Pathogenese der drei Erkrankungsgruppen aufgeklärt, die Relevanz einzelner Gene und ihrer Produkte identifiziert sowie die Wirkung potenzieller Therapeutika geprüft und neue Biomarker entwickelt werden. Weitere präklinische Modelle stellen Human-experimente dar. Durch Applikation verschiedener, pathogenetisch relevanter Substanzen sollen lokale Entzündungsprozesse auf der Haut induziert und modelliert werden, sodass molekulare und pharmakologische Mechanismen direkt am Menschen untersucht werden können.

3. Omics und Biomarker-Entwicklung: In diesem Projektbereich sollen insbesondere Omics-Analysen der Haut von Patienten und Versuchstieren eine Rolle spielen. Neben der Aufdeckung pathophysiologischer Mechanismen ist es das Ziel der Omics-Analysen, entzündliche Hauterkrankungen und ihren Verlauf zukünftig nicht mehr allein morphologisch, sondern vermehrt molekular zu kategorisieren, so dass Therapieentscheidungen auf Basis aktuell ablaufender molekularer Prozesse getroffen werden können. So sollen räumlich aufgelöste Transcriptomics, Proteomics und Metabolomics/Lipidomics Analysen entzündlicher Hautläsionen neue, detaillierte Einblicke in die molekulare Morphologie von Hautveränderungen gewähren. Die aus den Omics-Analysen gewonnen Daten sollen als Rückgrat für die Entwicklung von Biomarkern dienen. Ein weiterer wichtiger Bereich der Biomarker-Entwicklung soll auf der Bestimmung von Autoantikörpern liegen.

4. In dem Projektbereich „Biostatistik und Systemmedizin“ sollen die erhobenen Daten der Projektbereiche 3 und 5 gesichtet und biomathematisch analysiert werden. Anschließend soll die Pathogenese und der Verlauf der paradigmatischen Erkrankungsgruppen systemmedizinisch modelliert werden. Eine weitere Aufgabe dieses Bereichs stellt die Entwicklung IT-basierter Algorithmen für die Diagnose, Therapieentscheidung und Prognosevorhersage dar, um in Zukunft die Diagnose und Therapiewahl seltener Hauterkrankungen zu vereinfachen und zu vereinheitlichen.

5. Klinische Forschung und Studien: Aufgabe dieses Projektbereichs soll die systematische, standardisierte und kontinuierliche Sammlung und Archivierung von Patientenproben und –daten der drei Erkrankungsgruppen sowie die Durchführung von Therapie-, Diagnose- und Prognose-Studien sein.


 

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Autor

Von: Rüdiger Labahn, Informations- und Pressestelle