Warum sich Hautkrebs-Vorsorge lohnt

2008 wurde das Hautkrebs-Screening eingeführt, das Patienten bei Haus- und Hautärzten machen können. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen dies allen ab 35 Jahren, jedes zweite Jahr. Bislang geht aber nicht einmal jeder Dritte in Deutschland zum Hautkrebs-Screening. Doch hat es die Erwartungen erfüllt?


Beim Hautkrebs-Screening wird der ganze Körper, jedes Muttermal, genauestens unter die Lupe genommen, erklärt Dermatologe Christoph Liebich. Außerdem befragt er seine Patienten zu Vorerkrankungen, auch zu Vorerkrankungen in der Familie. Das ist wichtig, um herauszufinden, wie groß das Risiko des Patienten ist, an Hautkrebs zu erkranken. "Wenn man das Hautkrebs-Screening bei jedem regelmäßig großflächig in Deutschland anwendet, haben wir die Chance, den Krebs rechtzeitig zu erkennen, in einem Frühstadium. Da reicht dann meistens das Rausschneiden. Der Patient ist geheilt und es kommt nicht zum Entstehen, zur bösartigen Verbreitung eines Hautkrebses im ganzen Körper. Ein schwarzer Hautkrebs, der in einem Frühstadium entdeckt wird, kann geheilt werden. Wird er zu spät entdeckt, kann es für den Patienten tödlich enden."

Hautkrebs-Screening: Kritik von Fachgesellschaften

Für den Einzelnen kann das Screening lebensrettend sein. Trotzdem sehen es verschiedene Experten kritisch. Das Netzwerk für Evidenzbasierte Medizin oder die Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie sagen, einen wissenschaftlichen Beleg, ob das Screening wirklich die Hautkrebssterblichkeit oder die Krankheitslast verringern kann, gibt es bislang nicht.

Epidemiologin Eva Grill von der Ludwig-Maximilians-Universität München findet das Screening grundsätzlich eine gute Idee, sie sieht aber auch Verbesserungsbedarf:  "Zunächst einmal: Man weiß eine ganze Menge über das Hautkrebs-Screening noch nicht, vor allen Dingen über die Wirksamkeit. Wir wissen nicht, ob wir tatsächlich alle Krebsfälle entdecken, die man entdecken könnte, die das Screening durchlaufen. Das heißt, es fehlen uns einfach Studien und ich würde mir wünschen, dass man mehr Studien zur Wirksamkeit machen könnte."

Hautkrebs-Screening: Was sagen die Fakten?

Das Robert-Koch-Institut geht in seinem Bericht zum Krebsgeschehen 2016 auch auf das Hautkrebs-Screening ein. Darunter heißt es unter anderem "Seit Einführung des Hautkrebs-Screenings 2008 ist in Deutschland ein sprunghafter weiterer Anstieg der Erkrankungsraten erkennbar. Dieser betrifft ganz überwiegend die frühen Erkrankungsstadien und die prognostisch günstigste Form. (…) Ein Rückgang fortgeschrittener Tumorstadien ist bis 2013 noch nicht erkennbar."

Die Sterblichkeit ist seit 2008 nahezu gleich geblieben. Kann man das als Erfolg des Screenings sehen? Dazu Frau Prof. Dr. PH Eva Grill: "Es ist schon ein Erfolg, wenn die Sterblichkeit zumindest gleich bleibt, wenn die Inzidenz steigt, also die Häufigkeit steigt. Aber das muss nicht unbedingt am Screening liegen, das kann auch an verbesserten Therapieformen liegen, das kann viele andere Aspekte betreffen. Insofern ist das nicht etwas, was man im Moment schon weiß."

Hautkrebs: Vorbeugen bleibt wichtig

Eine nahezu gleichbleibende Sterberate, obwohl in den vergangenen Jahren bei immer mehr Menschen Hautkrebs diagnostiziert wird, ist durchaus eine positive Entwicklung, meint Christoph Liebich. Er rät jedem zum Hautkrebs-Screening. "Ich glaube, dass das Screening nicht nur wichtig ist, an dem Punkt, dass die Mortalität der Patienten sinkt, sondern um ein Bewusstsein hervorzurufen. Das heißt, wenn wir es schaffen, Patienten dazu zu bewegen, bewusster mit der Sonne umzugehen, sich selber zu beobachten, Hautveränderungen frühzeitig zu erkennen, dann können wir in the long run, also im Laufe der Zeit sehr, sehr viel gewinnen. Ich glaube, dass es eine langfristige Geschichte ist, wenn man sich regelmäßig kontrolliert, wenn man sich schützt, dass dann in der Volksgesundheit auch die Hautkrebsraten zurückgehen werden und die Todesraten fallen werden."

So schützen Sie sich vor Hautkrebs

  • Nicht zwischen 11 und 15 Uhr in der prallen Sonne aufhalten.
  • Alle drei Stunden sollte Sonnencreme aufgetragen werden, auch wenn sie wasserfest ist.
  • Solarien komplett meiden.
  • Regelmäßig seine Haut selbst auf verdächtige Muttermale kontrollieren

Mehr Informationen zu Hautkrebs und wie sich jeder davor schützen kann:

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/hautkrebs/frueherkennung.html

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Autor

Von: Katharina Kerzdörfer