CANDIDOSE DER HAUT

Definition

Inflammatorische Reaktionen der Haut, vor allem der intertriginösen Bereiche des Körpers, hervorgerufen durch Hefepilze, überwiegend durch Candida albicans. Selten können auch Haarfollikel  und das Nagelorgan infiziert und krankhaft verändert sein. Das klinische Bild der Hautcandidose wird durch flächenhafte Erosionen mit geringfügigem Nässen und mit Satellitenherden in der näheren Umgebung des Hauptherdes charakterisiert. Letztere tendieren zur Konfluenz. Vorzugslokalisationen dieser Form sind Hautfalten, wie z. B. submammäre Hautfalten bei Adipösen, der Windelbereich bei Säuglingen  sowie bettlägerigen inkontinenten Personen. Darüberhinaus finden sich candidabedingte erosive Hautläsionen in den Interdigitalräumen der Finger - vor allem bei Personen, die sehr viele Tätigkeiten   im feuchten Milieu zu ver-richten haben - in den Mundwinkeln als Faulecken  und Angulus infectiosus bzw.  Perlèche, am männlichen Glied, sowohl auf der Glans penis als auch auf dem inneren Vorhautblatt, sogenannte Balanoposthitis candidomycetica oder candidosa und schließlich als candidabedingte Paronychie. (Die Candidose des weiblichen Genitale ist Gegenstand einer gesonderten Leitlinie).

Die Symptome der Hautcandidose variieren je nach Lokalisation der Krankheit. Sie äußert sich beispielsweise im Falle der Balanoposthitis in leichtem Brennen oder Jucken, bei akuter Paronychie jedoch mit Schmerzen. Die erosiven großflächigen Hautveränderungen verursachen lediglich Pruritus, häufiger bleiben sie subjektiv symptomlos.

 

In allen Fällen einer Candidose der Haut im Erwachsenenalter sollte nach prädisponierenden, speziell auch beruflichen Faktoren gefahndet werden. Relativ häufig ist eine  Candidose das erste Symptom eines bis dahin noch nicht erkannten Diabetes mellitus.

Differentialdiagnosen

Die Candidose im Bereich der großen Falten des Körpers sind am ehesten von einer bakteriellen oder irritativ-toxischen Intertrigo zu unterscheiden. Die Candidose des Windelbereichs des Säuglings muß differentialdiagnostisch von der ebenfalls verbreiteten toxisch-irritativen Windeldermatitis, z. B. der Dermatitis ammoniacalis, abgegrenzt werden.

Der Angulus infectiosus sollte von bakteriell bedingter angulärer Cheilitis differenziert werden. Die Balanoposthitis candidomycetica muß von der Balanoposthitis chronica circumscripta plasmacellularis Zoon, einem am Genitale lokalisierten fixen toxischen Arzneimittelexanthem und selten auch von einer Psoriasis abgegrenzt werden. Die Candida-Paronychie ist von der bakteriellen Paronychie zu unterscheiden.

Untersuchungen

Notwendig

Klinische Inspektion

Materialgewinnung für die Laboratoriumsdiagnostik:

Mittels steriler Platinöse bzw. eines sterilisierten Watteträgers wird die erosive  Fläche abgestrichen bzw. Sekret, Schuppen oder Detritus werden auf den Watteträger aufgenommen. Sofern möglich, sollte das Material sofort auf einen Pilznährboden ausgestrichen werden. Wenn dies nicht möglich ist, wird der Watteträger in ein sterilisiertes Röhrchen gegeben und auf dem kürzesten Weg in das Labor transportiert. Zu empfehlen sind 2 Abstriche von jeder zu untersuchenden Region, wobei der erste zur Herstellung eines mikroskopischen Präparates und der zweite für das Anlegen der Kultur dient.

 

Nativpräparat:

Zweckmäßig ist, das Nativpräparat mit 15%iger Kalilauge für 1 Stunde in einer feuchten Kammer zu inkubieren, wodurch das Erkennen der Pilzelemente im Mikroskop erheblich erleichtert wird.

 

Kultur:

Der Watteträger kann, nachdem er zunächst auf einem festen Nährboden (z. B. Sabouraud-Agar) ausgestrichen wurde, danach in ein flüssiges Nährmedium (Sabouraud-Bouillon) zur Beschleunigung und Sicherung des Pilzwachstums (Anreicherung) gegeben werden. Nachdem die Anreicherungskultur 24 - 48 Stunden bei 36   1°C bebrütet wurde, wird auf einen festen Nährboden überimpft. Die festen Nährböden werden 24 - 48 Stunden ebenfalls bei 36  1°C bebrütet. Bei der Identifikation der gewachsenen Hefekolonien geht es in Sonderheit um die Erfassung von Candida albicans, da sie als Krankheitserreger dominiert. Die Art-Diagnose gewachsener Hefekolonien erfolgt entweder mittels Keimschlauch-Tests, womit das Ergebnis im Falle von Candida albicans am gleichen Tag zu erhalten ist oder durch Subkultur auf Reis-Agar.

 

Die Reis-Agar-Methode dient zur Anregung der Bildung von Chlamydosporen, was ebenfalls zur Erkennung von C. albicans dient. Bis zum Vorliegen des endgültigen Ergebnisses vergehen hier in der Regel 2 - 3 Tage. Mit dem Nachweis von Chlamydosporen ist die Art-Diagnose C. albicans hinreichend gesichert.

Alternativ kann ein C. albicans-Differenzierungsagar verwendet werden, der nach 24 bis 48 Stunden die Unterscheidung gewachsener Kolonien in C. albicans - nicht C. albicans zuläßt.

 

Die Identifizierung anderer Hefepilze, die aus Krankheitsherden isoliert werden, muß mit aufwendigeren Methoden erfolgen, wobei neben morphologischen vor allem biochemische Leistungen der Pilze, wie die Kohlehydratassimilation und -Fermentation, herangezogen werden. Entsprechende Untersuchungen eignen sich auch zum Nachweis von C. albicans, wobei auch Variitäten (Biotypen) erfaßt werden können.

Therapie

Die Behandlung der Hautcandidose erfolgt im allgemeinen topisch, wobei nach wie vor Polyen-Antimykotika unvermindert wirksam sind. In Frage kommen Nystatin, Amphotericin-B und Natamycin. Je nach Hautzustand sind die geeigneten Vehikel, insbesondere Pasten oder Cremes auszuwählen. Ein sehr lipidreicher Arzneiträger ist für die Behandlung eines akuten Erythems im intertriginösen Bereich nicht geeignet Hier ist insbesondere die Darreichung des Antimykotikums in Form der Paste zu empfehlen. Ein Puder oder eine Lösung kann im Einzelfall hilfreich sein. Auch Imidazol-Antimykotika wie z. B. Clotrimazol sowie die Allylamine Naftifin und Terbinafin und das Hydroxpyridon Ciclopirox olamin sind in entsprechenden Darreichungsformen geeignet.

Bei der Mehrzahl der Fälle wird die richtig durchgeführte Lokalbehandlung zur Heilung führen. In Einzelfällen kann aber auch eine systemische Therapie erforderlich sein, vor allem bei der chronischen Candida-Paronychie. Hier sind die modernen Triazol-Antimykotika Fluconazol und Itrakonazol einzusetzen, bis die Heilung eintritt.

 

Im Einzelfall nützlich:

Bei stark nässenden Herden können kurzfristig Triphenylmethan-Farbstofflösungen (Brillantgrün, Gentianaviolett) angewendet werden. Für den Regelfall kommen sie nicht in Betracht, da eine Negativbewertung vorliegt. Castellanische Lösung und vergleichbare Zubereitungen finden sich im Neuen Rezeptur-Formularium nicht mehr.

 

Adjuvante Maßnahmen:

Eine Mitbehandlung des mit Candida albicans besiedelten Orogastrointestinaltraktes ist in der Regel verzichtbar, bei chronisch rezidivierenden Verläufen kommen täglich 3 x tägl. 500 000 bis 1 Million Einheiten Nystatin oder Amphotericin B als Suspension in Betracht. Die Einlage von Streifen kann im intertriginösen Raum hilfreich sein.

Soweit erkennbar, sollen prädisponierende, speziell auch berufliche Faktoren in die Therapieplanung mit einbezogen werden.

 

Ambulant/stationär:

Die Behandlung der Candidose der Haut erfolgt im allgemeinen ambulant, lediglich beim Vorliegen schwerwiegender Grundkrankheiten, die als Ursache anzusehen sind sowie bei chronischer mucocutaner Candidose, kann die stationäre Einweisung erforderlich sein.

Credits

Erarbeitet von der Subkommission Mykologie der Kommission Qualitätssicherung

Deutsche Dermatologische Gesellschaft

Berufsverband der Deutschen Dermatologen e. V.

Abgestimmt mit dem Vorstand der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft

C. Seebacher, Dresden, H. C. Korting, München, J. Brasch, Kiel, H.-J. Tietz, Berlin, D. Abeck, München, K.-H. Schlacke, Bremerhaven, G. Hamm, Halle, N. Haake, Essen, H. Bernhardt, Greifswald, W. Fegeler, Münster.

Die "Leitlinien" der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen e.V. sind Empfehlungen für ärztliches Handeln in charakteristischen Situationen. Sie schildern ausschließlich ärztlich-wissenschaftliche und keine wirtschaftlichen Aspekte. Die "Leitlinien" sind für Ärzte unverbindlich und haben weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung.

 

Leitlinien